Almleben ohne Idyllen

27. Juni 2011, 17:12
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Von Alpöhis und dem hinterberglerischen Komplex - Schweizer Literatur der jüngeren Generation im Literaturhaus Salzburg

Salzburg - Die vom Literaturforum Leselampe herausgegebene Zeitschrift Salz widmet sich in der aktuellen Ausgabe jüngeren Autoren aus allen Sprachregionen der Schweiz. Es gibt Texte von Melinda Nadj Abonji, die den Deutschen wie Schweizer Literaturpreis 2010 für ihren Roman Tauben fliegen auf erhalten hat, weiters von Dorothee Elmiger, Roman Graf, Pedro Lenz, Simone Ryser, Franco Supino, Isabelle Stamm, Jens Steiner, Vincenzo Todisco, Yusuf Yesilöz u. a.

Zwei ebenfalls vertretene Autoren kommen zur heutigen Heftpräsentation nach Salzburg, um aus ihren Werken zu lesen: Arno Camenisch gastierte bereits 2010 bei den Literaturtagen in Rauris, sein deutscher Erstling Sez Ner erschien 2009 im Verlag Urs Engeler.

Wie bei den Eidgenossen üblich spricht und schreibt der 1978 in Tavanasa (Kanton Graubünden) geborene Camenisch mehrere Sprachen: Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch - genauer gesagt Surselvisch, das meistverbreitete rätoromanische Idiom in Graubünden.

Sez Ner spielt in der Heimat des Autors auf der Alp Stavonas und beschreibt in fragmentierter Kurzprosa die Zeit zwischen Almauf- und Almabtrieb, ein abgeschiedenes Leben in der Vorhandyzeit sowie die sozialen Hierarchien zwischen einem Senner und dessen Gehilfen, dem Kuh- und Schweinehirten. Vergangenes Jahr legte Camenisch Hinter dem Bahnhof vor, in dem er viersprachig das Leben in einem kleinen Alpendorf im Schatten der Berge schildert.

Die aus Luzern stammende Sandra Hughes präsentiert ihre im Limmat-Verlag veröffentlichten Romane Lee Gustavo (2006) und Maus im Kopf (2009). In Letzterem begibt sie sich auf eine Reise in die klaustrophobischen Gehirnwindungen eines verhinderten Amokläufers. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Juni 2011)

Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11. 20.00

  • Nicht nur geografisch nah am Himmel: Arno Camenisch schreibt seine 
Bücher auf Deutsch und Rätoromanisch.
    foto: yvonne böhler

    Nicht nur geografisch nah am Himmel: Arno Camenisch schreibt seine Bücher auf Deutsch und Rätoromanisch.

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