Tamira Paszek unter den besten Acht

27. Juni 2011, 13:47
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Die 20-jährige Vorarlbergerin Tamira Paszek steht nach einem 6:2, 2:6, 6:3 gegen die Russin Xenia Perwak im Viertelfinale. Die nächste Aufgabe heißt Victoria Asarenka - Melzer und Peya im Doppel weiter

Der Court 14 zählt zu den unauffälligen Plätzen. Knapp 400 Zuschauer fasst er, eine Maria Scharapowa würde hier maximal trainieren. Aber er war groß genug für das Achtelfinale zwischen Tamira Paszek und Xenia Perwak. Für die Nummern 80 beziehungsweise 89 reicht das bei den Championships allemal. Es war heiß am Super-Monday, an dem 16 Achtelfinalpaarungen abgewickelt werden. Die Fans spannten Schirme auf, die Dinger sind in und um London an sich auf Regen eingestellt.

Für die ziemlich verkühlte Paszek war es ein außergewöhnliches Erlebnis, sie wollte Spaß haben, ihr Kämpferherz auspacken, gewinnen. Dass es um 155.000 Euro Preisgeld gegangen ist, daran hat sie wirklich nicht gedacht. Sie begann die Partie ganz entspannt, als wäre Wimbledon ein Challenger in Liechtenstein. Die ebenfalls 20-jährige Russin schenkte das Service her, Paszek retournierte prächtig. Immer wieder schlug sie die Faust gegen das Schlüsselbein, das war ein Zeichen der Zufriedenheit, der Entschlossenheit. Mit der Rückhand diktierte sie das Geschehen, wobei das Niveau der Partie die Grenze zum Außergewöhnlichen nicht überschritt. Aber darum geht es im Tennis und im Leben wirklich nur ganz selten. Den ersten Satz schloss Paszek mit einem Ass zum 6:2 ab.

Faden verloren, gefunden

Urplötzlich verlor sie den Faden auf der ausgetrockneten Wiese. Die Russin pflegt einen ähnlichen Stil wie die Vorarlbergerin, allerdings hält sie das Racket in der linken Hand. Paszek wurde hektisch, sie verlor die Linie und den zweiten Abschnitt 2:6. Im finalen Teil führte sie 3:1, Perwak ließ sich den Unterarm behandeln, ihr Genick musste massiert werden. Sie glich trotzdem aus.

Danach wurde um jeden Punkt gefightet, Paszek wehrte Breakbälle ab, stellte per Ass auf 5:3. Minuten später warf sie in Zeitlupe den Schläger weg, sank in Superzeitlupe auf die Knie. Ein letztes Mal schlug sie mit der Faust das Schlüsselbein. Eine Rückhand, longline gefetzt, hatte nach 2:18 Stunden das Treiben beendet. "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl", versicherte Paszek. "Ich wollte den Sieg unbedingt. Ich hatte Krisen, aber bei den wichtigen Punkten war ich immer da." 

Mental-Trick

"Ich glaube, ich brauche einmal drei, vier Stunden, um das Ganze zu realisieren. Aber es fühlt sich sehr toll an und ich bin überglücklich. Es war ein Match, das ich eigentlich nicht verlieren sollte. Darum habe ich versucht, mir während dem Match vorzustellen, dass ich bei irgendeinem Turnier ein Erstrundenmatch spiele", verriet Paszek. Dabei war die 20-Jährige nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Schon seit drei Wochen schleppt sie eine Verkühlung mit sich herum. "Bis zu der Nacht vor dem Schiavone-Match ging es relativ gut, dann bin ich mit extremem Husten und Schmerzen an den Bronchien aufgewacht. Die letzten zwei Tage ging es mir gar nicht gut."

Bereits am Dienstag geht es weiter. Im Viertelfinale wartet Victoria Asarenka. Die Weißrussin putzte die Russin Nadja Petrowa 6:2, 6:2 und gilt als fünftbeste der Welt. Paszek liegt im Vergleich 0:1 zurück, darf krasse Außenseiterin sein. Sie will einfach Spaß haben - wie zuvor gegen Ayumi Morita, Christina McHale, Francesca Schiavone und Perwak.

Es ist die 20. Teilnahme eines österreichischen Tennisprofis am Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Für neun davon war Thomas Muster zuständig, er kam oft noch weiter. Jürgen Melzer, Stefan Koubek und Peter Feigl schafften es je einmal. Paszeks Vorgängerinnen waren Judith Wiesner (zweimal, 1996 in Wimbledon), Barbara Schett, Barbara Schwartz, Petra Schwarz-Ritter und Sylvia Plischke. In ein Halbfinale hat es noch keine Dame des ÖTV geschafft.

Melzer/Petzschner auf Kurs

Für Österreicher war es insgesamt ein schöner Tag. Jürgen Melzer und sein deutscher Partner Philipp Petzschner starteten mit 6:7,7:6,6:4 gegen Ryan Harrison und Travis Rettenmaier aus den USA. Das hohe Ziel, den Vorjahressieg zu wiederholen, kann noch erreicht werden.

Alexander Peya/Christopher Kas haben sich nach einem Marathon-Doppel bereits für das Viertelfinale qualifiziert. Der Wiener und der Deutsche rangen Österreichs früheren Wimbledon-Finalisten Julian Knowle und dessen südafrikanischen Partner Kevin Anderson nach 4:18 Stunden mit 7:6(5),6:7(1),6:4,5:7,8:6 nieder. Kas/Peya wehrten dabei im fünften Satz auch einen Matchball ab.

Junior Dominic Thiem (17) bestätigte sein Talent, fertigte Diego Hidalgo aus Ecuador 6:2, 6:1 ab. Alterskollege Dennis Novak unterlag dem Brasilianer Thiago Monteiro erst nach drei Stunden im dritten Satz mit 13:15. (Christian Hackl aus Wimbledon, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 28. Juni 2011)

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    Paszek erfreut sich des Sieges.

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