Die unglaubliche monetäre Subvention der Finanzwirtschaft

Leser-Kommentar | 27. Juni 2011, 13:47

Die EZB leiht den Banken Geld, diese wiederum verleihen es an die Einzelstaaten weiter. Damit erhalten die Banken eine Subvention von mehr als 4,5 Mrd. Euro

Österreich und alle anderen Euro-Staaten haben ein einfaches Finanzierungssystem. Die EZB leiht den Banken Geld, diese wiederum verleihen es an die Einzelstaaten weiter. Damit erhalten die Banken für eine Transaktion, die kaum mehr als einen Mausklick benötigt, eine gigantische Subvention - Geld, das im Staatshaushalt derzeit bitter abgeht. Nach einer Schätzung des Autors beträgt diese Summe für Österreich mehr als 4,5 Mrd. Euro.

Dass die Banken und die Finanzwirtschaft nicht gerade zu den am wenigsten vernetzten Institutionen innerhalb der Politik gehören, ist bekannt. Wenn alleine Raiffeisen beinahe Klubstatus im österreichischen Parlament hat, Christian Konrad zukünftige MinisterInnen anruft, und das Bankenpaket vor allem für damalige Verhältnisse ein Geschenk der Bundesregierung an die Banken war, so ist manchmal zweifelhaft, ob die Politik eigentlich noch die Macht im Staate hat.

Doch abseits dieser rezenten Aufregung gibt es eine viel größere Ungerechtigkeit, die jetzt vor allem im Zuge der knappen Mittel in der Zeit nach der Krise wieder zur Sprache kommt: Im Zuge der Euro-Einführung wurde nämlich ein System installiert, dass der Finanzwirtschaft jährlich Milliarden an unverdienten Einnahmen beschert.

Die neue europäische Zentralbank sollte - so dachte man vor 1999 - nicht die Aufgabe haben, ihre Mitgliedsstaaten zu finanzieren und deren Staatsanleihen kaufen. Ganz besonders wurde dies von den Hartwährungsländern, allen voran den Deutschen, gefordert, um die italienischen "Schuldenmacher und Währungsabwerter" unter Kontrolle zu behalten. Deswegen steht im Statut der Europäischen Zentralbank (Art. 21.1) wie auch in den EU-Verträgen (Art. 123), dass es der EZB verboten ist, Staatsanleihen den Mitgliedsstaaten direkt bei der Ausgabe dieser Anleihen abzukaufen.

Das System läuft daher ersatzweise folgendermaßen: Wenn die Mitgliedsstaaten Geld benötigen, um ihre Defizite im Staatshaushalt zu finanzieren, können sie nicht direkt zu jenem staatlichen Organ gehen, das für das "Geld drucken" zuständig ist, nämlich ihrer eigenen Zentralbank. Stattdessen finden sie sich in der Situation wieder, ihre Anleihen an private Banken verkaufen zu müssen, um an Geld zu kommen. Woher aber haben eigentlich die Banken dieses Geld? Im Endeffekt bekommen diese es auch nur von der Zentralbank, indem sie sich das Geld zum aktuellen Zinssatz vom Eurosystem (EZB plus nationale Zentralbanken) leihen. Mit einem Aufschlag verleihen die Privatbanken dann das Geld an die Staaten weiter.

Und dieser Aufschlag kostet den Staat Geld. Sehr viel Geld.

Der aktuelle Zinssatz der EZB ist 1,25%. Die durchschnittliche österreichische Staatschuld hingegen wurde 2010 mit 4,05% verzinst. Der Nettoaufwand für die Verzinsung der Schuld (inkl. sonstiger Aufwand) betrug 2009 laut Staatsschuldenausschuss (Tabelle 29 auf S. 75) 6,718 Mrd. Euro, und die gesamte (bereinigte) Finanzschuld 168,715 Mrd. Euro. Wäre die Zwischenfinanzierung durch die Privatbanken nicht erfolgt und hätten die Staaten gleich ihre Anleihen zu 1,25% Zinssatz an die Europäische bzw. Österreichische Zentralbank verkauft, hätte man sich daher 4,609 Mrd. Euro von den 6,718 Mrd. sparen können! Der Zinsaufwand, der dann noch zu bezahlen wäre, käme über die Gewinne der Notenbanken ohnehin wieder in das staatliche Budget zurück.

Gegeben das Budgetdefizit 2009 von 9,607 Mrd. Euro (vor der Revision im März 2011), hätte man sich entweder fast die Hälfte dieses Defizits erspart. Oder man hätte die 4,609 Mrd. Euro anderweitig sinnvoll investieren können, z.B. in die Universitäten, Kindergärten, usw. Für 2010 ist die errechnete Summe ähnlich hoch (4,728 Mrd. €).

Angesichts dieser Summen, die in anderen Euroländern ähnliche relative Dimensionen erreichen, ist es höchste Zeit, diese enorme europäische Subvention der Banken abzustellen. Die EZB und die nationalen Zentralbanken müssen endlich auch in Europa wieder die Funktion erfüllen, für die Zentralbanken ursprünglich gegründet wurden: die günstige Staatsfinanzierung. Die Diskussion darüber ist zuletzt neu entflammt. Während der Autor auf diesem Blog vor kurzem schon einmal darauf hingewiesen hatte, gab es zuletzt eine exzellente Analyse auf den Nachdenkseiten mit Berechnungen für Deutschland. Bei Anne Will (Sendung vom 26. Juni zu Griechenland) hat dann auch Gregor Gysi diese Subvention zu einem Hauptthema seiner Argumentation gemacht. Zeit, dass auch die österreichische Politik sich dem Thema annimmt, auch wenn es ein europäisches ist! (Leser-Kommentar, Oliver Picek, derStandard.at, 27.6.2011)

Autor

Mag. Oliver Picek ist Absolvent der Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und angehender PhD-Student an der New School University (New York). Er ist Aktivist in der Sektion 8 der SPÖ Alsergrund (http://www.sektionacht.at/)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 177
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Bruno Flex
00
14.7.2011, 06:52
Ob hohe oder niedrige Zinsen:

Politiker verschulden den Staat so oder so stets über Gebühr, weil sie für das Zahlungsversprechen des Staates nicht persönlich haften.

CU4Talk
00
29.6.2011, 13:56
Danke für die Diskussion

Das Thema ist interessant und sollte vertieft werden. Ganz so einfach ist es offensichtlich doch nicht, wenn ich die intelligenteren Postings richtig verstanden habe. Aber ganz so unrecht hat Oliver wahrscheinlich nicht.

Von Fichtenburg
 
42
28.6.2011, 17:06
Unglaublich...falsch

Zentralbanken waren historisch immer Banken der Banken und nicht Geldgeber des Staates (außer vielleicht in kommunistischen Systemen).
Auf die Unterschiede zwischen kurz- und langfristigen Zinsen wurde bereits hingewiesen.
Und schließlich machen Staatsanleihen gerade einmal 4,5% der Aktiva des Banksystems der Eurozone aus, mit fallender Tendenz, d.h. die Banken investieren zu mehr als 95% nicht in Staatsanleihen, trotz des angeblich todsicheren Geschäfts, das der Autor "beschreibt". Bleibt nur die Frage: Wie kam dieser Herr durch das VWL-Studium? Ein neuer Fall für die Plagiatsjäger?

wenig
21
28.6.2011, 19:37
Herr von Adel

Von woher haben Sie denn ihr "von"?
In der Fahrschule gewonnen?

Tikhonov
11
28.6.2011, 20:18

Wow, was für eine gehaltvolle Replik.

Von Fichtenburg
 
30
29.6.2011, 09:10

Die gehaltvolle Erkenntnis, dass Banken durch Ausleihungen zu einem höheren Zinssatz, als sie für ihre Kapitalbeschaffung aufwenden, verdienen, hat den Versuch einer annähernd ebenso hochgeistigen Replik notwendig gemacht. Der Logik des Autors folgend sollten auch Unternehmen und Private sich direkt über die Zentralbank finanzieren, denn auch bei diesen Krediten verdienen die Banken. Dann braucht man auch keine Rating-Agenturen mehr und schon ist die Welt schön, friedlich und gerecht. Warum erinnert mich das bloß nur an Sowjetrußland, Nordkorea oder andere Oasen des Friedens und des Wohlstandes, in denen die Empfehlungen des Herrn Picek bereits getestet worden sind?

Guss Gustavsson
42
28.6.2011, 16:09
Oh graus!

Also ich bin jetzt schon etwas bestürzt, dass so ein undifferenzierter und ungenauer Artikel veröffentlicht werden kann. Der liebe Herr sollte sich etwas besser am Finanzmarkt auskennen, denn das was er schreibt ist so nicht ganz wahr. Die Refinanzierung der EZB ist ein kurzfristiger Zinssatz (unter 12 Mo.) und kann sich daher laufend ändern. Die durchschn. Verzinsung der Staatsanleihen bezieht sich aber im Schnitt auf einen 7-8 jährigen Zinssatz.

Wenn nun die kurzen Zinsen auf 7 % steigen, dann würde das Geschäft der Banken sich nicht mehr ausgehen und die Banken sogar Verluste machen.

Im Übrigen könnte sich auch der Staat der 1,25 % bedienen, indem er einfach Anleihen welche sich am 3-Monatszinssatz orientieren begibt.

Oliver Picek
00
29.6.2011, 17:33

Schauen Sie doch auf die Seiten weiter hinten, da finden Sie eine Diskussion zu genau dem Thema zwischen einem anderen Forumsteilnehmer und mir, die dann hoffentlich auch für Sie nicht allzu grausig, undifferenziert und ungenau ist ;)

wenig
04
28.6.2011, 19:35
Mit solchen Nelbelschwaden können Sie auch nicht von dieser Bankenkrise ablenken!

Wer außer den Bankern, Brokern und Spekulanten kennt sich schon so gut aus, dass er damit Länder in den Ruin schicken kann?

Jede Putzfrau mit Hausverstand würde intelligentere und verantwortungsbewusstere Politik machen als das was derzeit geboten wird!

presumption of innocence
00
28.6.2011, 14:31
Check this:

http://rt.com/programs/... ades-keen/

Keiser erklärt wie IWF und Banken nur über Schulden anderer lebensfähig sind und der austral. Professor wie man einfach die Krise beheben könnte, indem man die Löhne erhöht (= Gewinne mindert für Aktionäre).

Nirvanacharly
 
01
28.6.2011, 13:49
jo so is des mit der

potemkischen finanzwelt, banken weg, jetzt

anti follower nick 24
15
28.6.2011, 13:25

wie schon ein anderer leser hier gepostet hat:

diese wirtschaftskriese ist der größte raubzug, den die menschheit je erlebt hat.

fanta
36
28.6.2011, 12:47

hm....ein Autor, der den Unterschied zwischen kurz- und langfristigen Zinsen nicht kapiert hat, darf hier Kommentare schreiben? Na ja, aber wenigstens ist es ein angehender Phd-Student...wow!!!! :=)

Zeit Geist5
 
25
28.6.2011, 13:45

Jaja, und du bist ja so gscheit das du die Tragweite eines Geldsystems basierend auf Zinsen noch immer nicht verstehst!?! Die Wirtschaft KANN nicht exponentiell wachsen, aber die Zinsen bedingen genau dieses! Deshalb gibts bald wieder einen Crash, und das nicht das erste Mal...

Truhe
 
12
28.6.2011, 13:31

Na wenn Dumpfbacken wie du hier auch kommentieren dürfen...

Nick (FMO)
00
28.6.2011, 13:23
was ist hier kurz und was ist lang?

wo ist das problem? vergeben denn die privatbanken nur kurzfristige kredite? wenn der zinnsatz um die 4 % sich auf kurzfristige kredite bezieht, welchen zinssatz nehmen die privatbanken dann bei langfristigen?

ich glaube dass die österreichischen staatsanleihen durchaus langfristig angelegt sind und sich die 4 % der privatbanken darauf beziehen. ebenso wird wohl auch die EZB (auch) langfristige kredite vergeben - ab 1,25 % aufwärts. was ist also an der aussage dieses kommentars falsch?

fanta
01
28.6.2011, 13:41

1,25% ist der Kurzfristzinssatz der EZB....und nur den kann die EZB direkt beeinflussen! Die langen Zinsen entstehen am Bondmarkt bzw am Futuresmarkt ( Bunds für D )

Buck Rodgers
01
28.6.2011, 12:59
erleuchten sie uns...

oder versuchen sie vielleicht doch nur mit Stichworten um sich zu werfen und Eindruck zu schinden?

Zeit Geist5
 
06
28.6.2011, 12:46
SKANDAL

Eigentlich ist diese ganze Story ein riesiger Skandal! Das diese Thematik nicht viel mehr in der Oeffentlichkeit diskutiert wird liegt meiner Meinung nach daran, das es die Politiker nicht wollen! Die Banken-Lobby hat anscheinend schon schon die ganze EU unterwandert...Das ganze "System" soll ganz bewusst dorthin gefuehrt werden wo wir jetzt sind! Und eines Tages wenn es nur mehr "Elektronisches Geld" gibt und die Banken und Konzerne die Politik komplett unterwandert haben, wachen hoffentlich mehr Menschen auf als jetzt! Wir sind alle Sklaven des Zinsgeldsystems welches aus dem Nichts erschaffen wird...

Colonel Grande
01
28.6.2011, 12:39
Hm..

Ich sehe mich selbst als eher gemäßigter Mensch aber immer wenn ich solcherlei Artikel lese kommt mir dermaßen die Galle hoch.
Fast könnte man sich mit der Idee des solidarischen Bankraubes anfreunden.
Per Facebook, Mundpropaganda etc. organisieren sich, sagen wir einmal, 1000 Personen welche geschlossen in und um einer "systemrelevanten" Bank aufstellung nehmen und mit Nachdruck Geld fordern.

Sonata
01
28.6.2011, 12:24
Wäre so ein Artuikel nach der zukünftig geplanten Gesetzeslage eigentlich hetzerisch?

Und ist in Zukunft jegliche Kritik an Rotschwärzchen so zu sehen?

dasandere
00
28.6.2011, 11:14
und schon

wären die Uni-Mrd herinnen.. Es ist also keine Polemik Banken gegen Bildung auszuspielen. Die schwarze Raikakrake hat das Land im Würgegriff!!

17+4
60
28.6.2011, 10:44
was studiert so ein PhD-Student

ist das was gescheites oder nur so ein Club, wo man halt dazugehören muss, um Karriere machen zu können.

Truhe
 
11
28.6.2011, 13:36

Weisst, da gibts sowas wie das Internet in dem man nachschaun kann was Begriffe die man nicht versteht meinen.

17+4
00
wenn sie mit der Antwort im Internet zufrieden sind,

dann haben sie halt ein ganz bescheidenes Gemüt.

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