Grundregel lautet: "Wer nicht möchte, dass die Geschäftsleitung etwas liest, sollte es nicht posten"
Häufig wirkt eine Facebook-Wand wie ein Sammelsurium aus kompromittierende Party-Fotos und dem akribisch festgehaltenen Alltag der Hauskatze. Denkt man sich das private Input der Mitglieder weg, können soziale Netzwerke allerdings auch als Kommunikationsplattformen am Arbeitsplatz fungieren. In Unternehmen wie Nikon und Dell kommen firmeninterne soziale Netzwerke bereits zum Einsatz, berichtet die New York Times.
Teilweise kostenfrei
Der Gesprächston ist geschäftlich, besprochen werden Kundenanfragen, neue Produkte und geschäftliche Transaktionen. Der Nutzung liegt eine Grundregel zugrunde: "Wer nicht möchte, dass die Geschäftsleitung etwas sieht, sollte es nicht posten", sagt John G. Bivona von Nikon Instruments. Wie viele Unternehmen genau interne soziale Netzwerke im Geschäftsbereich nutzen, ist schwer abzuschätzen. Einige Softwarefirmen ergreifen aber die neuen Möglichkeiten und bieten verschiedene Systeme an, die von bestehenden Kunden zum Teil kostenfrei genutzt werden können.
Für Kritik genutzt
Es ist ein Beispiel dafür, wie Technologietrends wie die Tablet-Nutzung auch auf dem Arbeitsplatz um sich greifen. Facebook und Twitter löste unter den Menschen eine "Verfolgungs"-Euphorie aus. Aber das Interesse für Freunde und Verwandte unterscheidet sich von jenem für Bürokollegen. Oft sind die Beziehungen sowie die Kommunikation geschäftlicher Natur.
Bei Nikon beispielsweise, das 500 Mitarbeiter in den USA, Kanada und Brasilien beschäftigt, bleibt im Service nur wenig Raum für die unproduktiven Geplänkel, das man von Facebook kennt. Trotz aller Möglichkeiten tauchen auch Nachteile bei der Adaption sozialer Netzwerke in Büros auf. Viele bevorzugen die passive Nutzung. Bei der Sicherheitsfirma Symantec nutzten einige kritische Angestellte die Plattform dazu, um ihre Beschwerden zu verbreiten.
Wahrung von Geschäftsgeheimnissen
Ein weiterer heikler Punkt ist die Gewährleistung von Firmeninterna. Die Systeme sind generell so entwickelt, dass Unternehmen Zugangsermächtigungen zu bestimmten Daten definieren können.
Einer der größten Anbieter von sozialen Netzwerken in Unternehmen ist Salesforce, eine Firmensoftwarefirma in San Francisco. Laut eigener Aussagen nutzen bereits 80.000 Firmen ihr Netzwerk "Chatter" seit der Gründung im Jahr 2010. Ein anderes Netzwerk, Yammer, soll bereits einen Kundenstamm von 100.000 Unternehmen angehäuft haben. Salesforce bietet seine Premium-Mitgliedschaft für einen monatlichen Beitrag von 15 US-Dollar an, Yammer kostet lediglich fünf US-Dollar im Monat.
Reduktion von E-Mail-Flut
"Wir haben erst ein Zehntel von dem entwickelt, was wir uns vorgenommen haben", sagt David Sacks, CEO von Yammers. Einer der größten Vorteile von Firmen-Netzwerken soll in der Reduzierung des E-Mail-Verkehr für Mitarbeiter liegen. Anstelle von Massen-Mails können Angestellte Nachrichten posten oder in entsprechenden Programmen innerhalb des Dienstes zusammenarbeiten. Wann der Trend firmeninterner sozialer Netzwerke nach Europa schwappt, ist noch unklar. (ez, derStandard.at, 27. Juni 2011)