Justiz

Karl gegen Änderung des Weisungsrechts

27. Juni 2011, 12:23

Kontrolle der Rechtsanwendung durch Ministerium sei richtig, sonst drohe "politische Kontrolle" - Mehr Planstallen nötig

Wien/Walchsee - Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) hält nichts von einer Änderung des Weisungsrechts. Das machte sie am Montag bei der Eröffnung des 20. Forums der StaatsanwältInnen klar. Sie halte es für nicht notwendig, "eine wesentliche Systemänderung mit unsicherem Ausgang" vorzuschlagen, teilte die Ministerin mit. Die Vertretungen der Staatsanwälte und der Richter fordern seit langem, das Weisungsrecht von der Ministerin an einen unabhängigen Rat der Gerichtsbarkeit zu übertragen.

"Wichtig und richtig"

Aber auch bei der neuen Ministerin haben sie damit offenbar keine Aussicht auf Erfolg. Denn mit dem Weisungsrecht werde die Kontrolle der richtigen und einheitlichen Anwendung des Rechts wahrgenommen - und diese sei "wichtig und richtig", sagte Karl. Nehme man diese fachliche Kontrolle - oder auch Kontrolle durch die ordentliche Gerichtsbarkeit - nicht ernst, drohe die "politische Kontrolle". Und diese wolle man ja gerade bei der Wahrnehmung des Weisungsrechts nicht.

Karls Eröffnungsrede war ganz dem Thema Kontrolle - und damit auch der Kritik - gewidmet. Man sollte sich "nicht beklagen, sondern darüber freuen", dass die Staatsanwaltschaften "in das Zentrum der Wahrnehmung gerückt" seien. "Dankbar" sein könne man für die Kontrolle durch den Rechnungshof - denn jede Kontrolle mit dem Ziel, Verbesserungen im System aufzuzeigen, sei "willkommen".

Zwischen Transparenz und Amtsgeheimnis

Zwar sei der Rechnungshof-Bericht zur Vorverfahrensreform in den Medien "auch akzentuiert als Kritik vorgetragen" worden. Aber man dürfe sich, meinte die Ministerin, nicht von "falschen Erwartungshaltungen blenden" lassen. So bräuchte man "eine Vielzahl von Planstellen mehr", um das prozentuelle Verhältnis der eigenen Ermittlungen der Staatsanwälte umzudrehen.

Auch die Kontrolle durch die Medien brauche man, denn "nur anhand von Kritik kann Reflexion geübt werden". Wobei sich die "Justiz Druck nicht beugen" dürfe - aber die Medien ernst zu nehmen seien. Der Öffentlichkeit zu erklären, warum etwas gemacht oder unterlassen wurde, sei "Dienst an der Gesellschaft und am Vertrauen in die Justiz". (APA)

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Posting 1 bis 25 von 98
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Christ Kind
00
28.6.2011, 14:53
drohe politische Kontrolle

und da haben nicht alle Anwesenden aufgeschrien vor Entsetzen?

Columbo_der_neue
00
28.6.2011, 14:48
Weisungsrecht öffentlich machen bitte danke.

Sonata
01
28.6.2011, 12:27
Hat es eigentlich beim Tierschützerprozeß politische Zugriffe auf den Staatsanwalt gegeben?

R. Lexer
00
10.7.2011, 23:51

Das Justizministerium hat doch niemalsnicht mit der GZ BMJ-4031956/0004-IV die Weisung gegeben, die Tierschützer nach dem §278a anzuklagen ...

keksteig
10
28.6.2011, 12:15
Weisungsrecht

Ist das Weisungsrecht wirklich so ein Problem? Sollte die Ministerin in einem heiklen Fall mittels Weisungsrecht agieren, kann man sicher sein, dass dies durch irgendeine(n) MitarbeiterIn an die Öffentlichkeit gelangt und von einer "hochwertigen österreichischen Zeitung (zB Krone)" mehr als befriedigend breitgetreten wird. Die Folge wäre somit politischer Selbstmord.
Das die Möglichkeit der Weisung einen bitteren Beigeschmack trotz dieser Ausführung behält ist mir klar.
Aber solange wir es nicht besser machen (Wahl, Gründung einer eigenen Partei, Revolution, Putsch, etc) aufgrund eigener Bequemlichkeit, sollten wir auch mit Kritik sorgsam umgehen.

jovanotti_for_president
00
Wir könnten es aber wesentlich besser machen

http://de.wikipedia.org/wiki/Cons... gistratura

Wenn wir eine wirklich unabhängige Instanz schaffen würden,die Weisungen beschliessen kann und auch über die Karriere von Richtern und Staatsanwälten entscheiden könnte,hätten wir eine wesentlich transparentere und glaubwürdigere Justiz.

In Italien besteht dieses Gremium zu je 1/3 aus Parlamentariern (einer stellt den Vize-Vorsitzendem,der Präsident der Republik den Vorsitzenden),Staatsanwälten und Richtern.

Somit sind die Staatsanwälte nicht wie bei uns "motiviert"/gedrängt,durch vorauseilende Gehorsamkeit Verfahren gegen Politiker stets "aus Mangel an Beweisen" einzustellen.
So können dann unabhängige Richter ihr Urteil fällen.

So bekämpft man am besten Korruption!

Mr. Bubbles
02
28.6.2011, 11:54

"Kontrolle der Rechtsanwendung durch Ministerium sei richtig, sonst drohe "politische Kontrolle""

ein oxymoron

Christ Kind
00
28.6.2011, 14:49
ist mir ein Raetsel

wie sie das oeffentlich sagen kann, sooo dumm kann sie ja ned sein.

Jan Sommer
00
13.7.2011, 10:29
...aber unter dem Druck der Politkollegen

und mit Aussicht, dass sie gestanzt wird, wenn sie
brav tut was "gewünscht" ist .....
js

florian991
00
28.6.2011, 11:17
Wenn man das Bild anschaut

dann scheint es ihr nicht wohl dabei zu sein, bei dem was sie sagt. Authentizität und Zuversicht schaut jedenfalls anders aus.

Aber realistisch betrachtet: Es wäre wohl ein bisserl viel verlangt, dass jemand die Hälfte von dem, was die eigene Macht ausmacht, freiwillig hergibt.

Gunslinger
04
28.6.2011, 11:15

diese argumentation klingt schon fast nach bandionischer logik...

JanSmaal
00
28.6.2011, 10:50
Personalhoheit ist viel wichtiger als das Weisungsrecht,

im Einfluss auf Ernennungen und Beförderungen liegt sie richtige Macht. Und wenn man die einem unabhängigem Rat der Gerichtsbarkeit überträgt, verschwindet der vorauseilende Gehorsam plötzlich...

King of Cowards
00
28.6.2011, 10:28
Änderung des Plans.

Bitte, ich möchte vom Weisungsrecht gebrauch machen: Ich weise Karl in eine Anstalt ein.

misfits74
 
00
28.6.2011, 09:52
war dieses hübsche Mäuschen nicht mal

wissministerin?????

sainty1
11
28.6.2011, 10:57
die schaut eher verbraucht aus..

hübsch is in meinen Augen anders

marlow
00
28.6.2011, 09:47

das weisungsrecht ist doch eh nicht das problem - sondern die "impliziten" weisungen oder der vorauseilende gehorsam. ob da jetzt ein minister oben hockt oder ein sonstiges (politisch besetztes) kontrollorgan ist leider völlig wurscht. da hilft wohl nur (kostspielige) radikallösung: kontrollorgan muss - siehe bundespräsident - separat gewählt werden. wäre demokratiepolitisch direkt legitimiert und entsprechend verantwortlich. aber auch diese lösung bringt natürlich einige probleme mit sich.

hawkwind
01
28.6.2011, 09:15
Ein Stein auf den anderen.

Brav arbeiten unsere Politiker daran, das Volk noch mehr gegen sie und ihre unsägliche Politik aufzubringen.

imir
010
28.6.2011, 05:48

Selbstverständlich ist das Weisungsrecht wichtig und richtig. Vor allem für jene, welche diese Weisungen erteilen können.

Franz Schwingenschrot
11
28.6.2011, 05:34

Aha. Durch das Weisungsrecht des Ministeriums findet keine politische Einflussnahme statt. Aber wenn es kein Weisungsrecht gibt, also die Justiz praktisch unabhängig ist, droht politische Einflussnahme. Trixis Logik ist nicht uninteressant.
http://gedaunknsplitta.blog.de

Kondratjew -Zyklus
 
00
28.6.2011, 04:47
Endlich hat Hans Kelsen eine "würdige" Nachfolgerin gefunden.

Und die merkt es gar nicht.

jovanotti_for_president
16
28.6.2011, 00:40
Komplett falsch!

Durch eine unabhängige höhere Kontrollinstanz (wie u.a. in Italien angewandt) wird die politische Kontrolle VERHINDERT!

Sie verteidigt durch das Aufrechterhalten des Weisungsrechtes und der Kontrolle der Karierren von Staatsanwälten&Richtern diese politische Kontrolle.

Also handelt es sich da entweder um eine faustdicke Lüge oder die Gute ist fachlich inkompetent.
Beides nicht wirklich gut für eine Ministerin...

lemming0815
00
28.6.2011, 15:41

und in italien kann berlusconi schalten und walten beinahe nach belieben...aber da lässt er vermutlich eher seinen wirtschaftlichen einfluss gelten als seinen politischen?

R. Lexer
00
10.7.2011, 20:31

Auch ein Berlusconi bzw seine Parlamentarierer können nur Gesetze und Verjährungsfristen ändern.

jovanotti_for_president
00
29.6.2011, 05:51
Sowohl als auch

Er hat 4 Strafverfahren am Hals (u.a. Ruby) und es droht ihm eine zivilrechtliche Verurteilung von 750Mio Euro Entschädigungzahlung (Mondadori - Richterbestechung).

In Österreich wäre es wahrscheinlich nicht einmal zu einem einzigen Verfahren gekommen.
Der Staatsanwalt, der sich mit Politikern "beschäftigt" braucht nicht hoffen, dass ihn der Justizminister jemals befördern wird.

Jener, der eine Akte (z.B. Strasser) bis zur Verjährung in einer Schublade "vergisst", hat da sicher bessere Chancen:
http://diepresse.com/home/poli... -Zwielicht

In Italien hingegen ist die Justiz unabhängig, was der gute Berlusca seit Jahren durch auf seine Person "geschneiderte" Gesetze (bisher mi mäßigem Erf

imir
07
28.6.2011, 05:49

Kompetenz ist kein Kriterium in der Politk, das gekonnte Auftischen von faustdicken Lügen, dagegen schon.

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