András Szigetvari

Griechenhilfe ist Bankenhilfe

26. Juni 2011, 18:01

Europa kann derzeit nur zwischen schlechten und noch schlechteren Alternativen wählen

Als erste Politiker mit der Idee hausieren gingen, dass Banken sich freiwillig an der Griechenland-Hilfe beteiligen sollten, wurden sie für verrückt erklärt. Kreditinstitute, die auf Geld verzichten? Wie sagte Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman treffend: "There is no such thing as a free lunch!" Trotzdem, es tut sich etwas. Offiziell outet sich noch kaum eine Bank, doch Geldhäuser in Deutschland, Belgien und Frankreich scheinen bereit zu sein, mitanzupacken. Damit kein Zweifel aufkommt: Die Banken werden nicht auf Geld verzichten, aber Athen immerhin mehr Zeit geben, um seine Schulden zu zahlen.

Doch hat der Plan wenig Aussichten auf Erfolg. Die Berechnungen der EU-Finanzminister fußen auf zwei wackeligen Annahmen. Zunächst, dass Athen 2012 oder 2013 die Wende schafft und statt eines Defizits von derzeit mehr als zehn Prozent einen Budgetüberschuss erwirtschaftet. Premierminister Giorgos Papandreou ist dabei Glück zu wünschen. Ein historisches Beispiel für so einen Turnaround - noch dazu mitten in der Rezession - gibt es nicht.

Die zweite Hypothese ist, dass ein Privatisierungsprogramm dem Staat 50 Milliarden Euro in die Kasse spült. Dabei hat niemand, weder die Griechen noch der Internationale Währungsfonds (IWF), je eine Berechnung vorgelegt, warum der Verkauf einiger regionaler Flughäfen und Wasserwerke diese Riesensumme einbringen soll. Selbst wenn die Rechnung stimmen würde, ist sie ohne die streiklustigen griechischen Gewerkschaften gemacht worden, an denen vorbei Politik nur schwer funktioniert.

Zeit wird die griechischen Wunden nicht heilen, das Land ist quasi pleite. Das Dilemma ist, dass Europa derzeit nur zwischen schlechten und noch schlechteren Alternativen wählen kann. Österreichs Kanzler Werner Faymann hat es beim EU-Gipfel auf den Punkt gebracht, als er sinngemäß sagte, kein Mensch wisse, was nach einer Umschuldung Griechenlands im Bankensektor los wäre. Das Land selbst ist wirtschaftlich zwar unbedeutend - aber die Zweitrundeneffekte einer Staatspleite könnten erst recht teure Bankenrettungen in Europa notwendig machen.

Da ist das Spiel auf Zeit derzeit vielleicht sogar wirklich das kleinere Übel. Eine Spur mehr Ehrlichkeit in der Debatte wäre trotzdem geboten. Europas Spitzenpolitiker reden immer noch gern von der "Hilfe" für Athen. Um den Mittelmeerstaat geht es dabei freilich längst nicht mehr. Griechenhilfe, das ist nur ein Synonym für Bankenhilfe. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2011)

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Posting 1 bis 25 von 48
1 2
worry1
00
27.6.2011, 18:16
Es wird kommen wie es immer kommt

Der kleine Steuerzahler in der EU und somit auch in Griechenland, wird dafür zahlen, daß die Reichen ihre Verluste abdecken können und damit sie danach noch mehr Gewinn machen können.
Nie wird gegen reiche Griechen ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung gestartet und schon gar nicht daran denken, darf man den Reichen etwas wegzunehmen - denn privater Besitz der Reichen ist heilig und nur die kleinen Leute dürfen ausgepresst werden und wenn geht verrecken.
Neoliberale Verbrecher überall an der Macht.

Agnostiker1
30
27.6.2011, 17:50
Es ist erschütternd, welcher Unsinn und damit Geistes Haltung hier transportiert wird.

Dass die Banken jetzt ihr Geld bekommen, ist einfach zu begründen: 1. Pacte sunt servandas. 2. Die Schulden Griechenlands werden nach Fälligkeit bezahlt. 3. Was ist das für ein Rechtsstaat, wenn man unter guten und schlechten Schuldnern unterscheidet. Damit wird der Willkür Tür und Tor geöffnet. Hier werden populistisch und der Stimmung der Straße folgend, rechtsstaatliche Grundsätze auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Noch was; ein Blick in die Exportstatistik reicht aus, um Ihren Sermon als Stimmungsmache zu identifizieren: der deutsche Export nach Griechenland beträgt 1,8 % vom Gesamten.

Adolf Ogi
02
27.6.2011, 16:01
köszönöm szepen Herr Szigetvari

Sie trauen sich wenigstens noch Klartext schreiben. Bitte lieber Standard, lasst den Herrn öfter Artikel für euch schreiben.

loundy
 
10
27.6.2011, 14:26
was gerne weggelassen wird:

griechenlandhilfe ist bankenhilfe für die banken, die auch deutschlands exportproduktion (und damit auch unsere exporte nach deutschland) nach griechenland finanzieren.

das ist nichts neues, die chinesen zahlen sich mittlerweile seit 1 jahrzehnt die exporte in die usa selbst.

warum wir uns darüber aufregen versteh ich nicht ganz, wir zahlen dank eu nur einen bruchteil von dem was wir den griechen pumpen müssten würden wir alleine unseren wirtschaftserfolg blechen.

mein vorschlag: zusammenhalten bis das ganze kartenhaus zusammenkracht, einzeln sind wir zu leichte opfer für dieses monster von finanzmarkt dass wir geschaffen haben.

"Man," I cried, "how ignorant art thou in thy pride of wisdom!"
— Mary Shelley (Frankenstein)

1116er
10
27.6.2011, 13:55
kein Mensch wisse, was nach einer Umschuldung Griechenlands im Bankensektor los wäre

unsinn.
ein totalausfall griechenlands, also eine ungeregelte insolvenz entspricht genau dem modell lehmann:
europa müsste billionen (!) euro in die hand nehmen, um die GESAMTE wirtschaft abermals zu retten!

sensortimecom
00
27.6.2011, 17:32
Stimmt nicht ganz

Die Banken hätten größere Ausfälle, ja. Aber es würde nicht die gesamte Wirtschaft von einer Aktienbaisse betroffen sein wie 2008.

Die große Gefahr ist aber dass eine neue Bankenkrise die anderen PIGS schulden- und bonitätsmäßig weiter beeinträchtigt. Dann wirds rasch eng.

sensortimecom
00
27.6.2011, 17:40
-> Nachtrag

Das betrifft eine UMSCHULDUNG Griechenlands von der Sie in der Überschrift geschrieben haben.

Wenn es allerdings eine "ungeregelte Pleite" gäbe, dann spielts Granada. Und zwar deshalb, weil es dann unausweichlich zu einem Aufstand und zu bürgerkriegsartigen Zuständen in GR käme, wo die EU gezwungermaßen eingreifen müsste... und das ohne Rückhalt in der Bevölkerung....

andreas lamers
 
00
27.6.2011, 13:50
faellt eigentlich niemanden auf das das eine augenauswischerei ist?

da bekommen laender geld, aber die schuldenuhren sind unveraendert. und auch die zinsen laufen unveraendert schnell

_http://nationaldebtclocks.com/greece.htm

hier kann man schoen vergleichen. die italiner sind weit hoeher verschuldet.

und die tollen oesterreicher liegen nur gaaaanz knapp dahinter (und das trotz kreativer buchfuehrung)

_http://www.staatsschulden.at/

aber ueber das hat der seelige H.P. Heinzel schon gesprochen, zu herzen genommen hat es sich keiner.

Corello
 
13
27.6.2011, 11:13
Griechenland = Kärnten

Tief im Süden und ka Göd.

Ach wie hätten alle geheult, wenn schon vor ein paar Jahren alle Banken Griechenland die Kredite verweigert hätten!

Natürlich haben "die Banken" Griechenland das Geld geborgt, weil sie davon ausgehen konnten, dass "die EU" das schon bügeln wird.

Griechenland war schon vor bei EURO-Beitritt pleite.
Aber man wollte Athen ja unbedingt dabei haben.

Das durften die Banken finanzieren, und wir dürfen es zahlen. So wie wir für Kärnten zahlen dürfen.

Der Aufschrei gegen eine Finanzierung der Griechen hätte schon bei deren EURO Einführung passieren müssen.

Jetzt ist es zu spät.
Wer Griechenland killt, killt den Euro und killt die Wirtschaft in der EU.
Wer sich das heute wünscht hat echt keine Ahnung.

odranoel-64
00
2013 wird in Kärnten Granada gespielt

(und nicht auf der Wörtherseebühne) wenn die 3,1 Milliarden für die Bayern fällig werden. Und da haben es uns Pröll und Faymann weis machen wollen, die Bank hätte nur 1 € gekostet.

Major Lee
 
00
27.6.2011, 18:10
Da nach Ihrer Einschätzung ohnehin keine Alternative bleibt,...

... würde ich vorschlagen, wir killen die EU-Wirtschaft besser heute als morgen. Je eher ein Neuaufbau, desto besser.
Und die private Gier der EU-Bürger verträgt einen Dämpfer zur Gesundung.

hinter Grund
02
27.6.2011, 10:53
hohe zinsen und null risiko

hohe zinsen = hohes risiko, normalerweise. nicht aber bei griechischen staatsanleihen. die waren in den letzten jahren eine hervorragende investition. extrem hohe zinsen, rueckzahlung garantiert durch die EU steurzahler und wenns brenzlig wird doch die moeglichkeit den schrott an die EZB zu verkaufen.

75%(!) der kredite von privaten banken sind bereits verkauft an die EZB. die unausweichliche 'umschudldung' wird daher kaum private banken treffen, sondern fast ausschliesslich die steuerzahler.

1116er
00
27.6.2011, 13:57
warum freuen sie sich nicht über diese hohe zinsen?

diese kommen nämlich auch ihnen zugute.
auch wenn sie es nicht merken, weil das alternativmodell "was wäre, wenn..." eine gewisse nachdenkleistung benötigt.

fridakeynes
02
27.6.2011, 09:15
dann müssen wir halt ausprobieren, ob die banken

eine umschuldung aushalten! selbst schuld, faymann und co, ihr lasst euch seit dem crash 2008 von den banken weiter auf den kopf sch*** und niemand in der eu war in der lage, diesen finanzhaien klare regeln aufzuerlegen! ein trauerspiel, wie sich unser aller eu-politiker hier von den bankern vorführen lassen!

Tintifax der ... Druide!
01
27.6.2011, 07:56

" ...warum der Verkauf einiger regionaler Flughäfen und Wasserwerke diese Riesensumme einbringen soll."

Es werden auch der Stromversorger, Telekommunikation und öffentlicher Verkehr privatisiert, was durchaus das Potential auf 50 Mrd. Euro hat.

Zum Punkt mit den Gewerkschaften würde ich sagen, dass diese mit steigender Arbeitslosigkeit auch an Macht verlieren. Bei den aktuell 16,x %, die einen Job suchen ist das Machtgefüge ohnehin schon stark verzerrt worden. Außerdem können auch die Gewerkschaften den Forderungen der Troika wenig entgegenhalten, und das ist auch gut so, wie nach meiner (nicht repräsentativen) Umfrage auch die stille Mehrheit der Griechen findet.

naihoit
01
27.6.2011, 13:55
Es werden auch der Stromversorger, Telekommunikation und öffentlicher Verkehr privatisiert,

was zur Folge hat, daß:
* griechische Investoren weiterhin ihre Steuern nicht zahlen
* ausländische Investoren ihre Steuern -wenn überhaupt- anderswo zahlen und
* Griechenland auf zukünftige Einnahmen dieser Firmen verzichten muß, gehört jetzt ja anderen.
Und das wird Griechenland zur finanziellen Gesundung führen?
Na schön, aber so ganz verstehe ich das nicht.

the comedian
 
116
27.6.2011, 05:53
schluss mit den bankenhilfen

wie konnten wir nur jemals den bankstern das privileg privater wertschöpfung aus dem nichts einräumen?
fast die gesamte geldmenge wird von bankstern als buchgeld geschöpft. und dann wundern wir uns, dass alle staaten schulden haben, während die bankster im geld "schwimmen"?
die möglichkeit der geldschöpfung muss demokratisch legitimiert sein, analog zu legislative, exekutive und judikative. private banken nur noch als reine depositenbanken (100% deckung).
"alle macht geht vom volke aus" wie konnte nur die geldmacht in allen demokratischen verfassungen "vergessen" werden?
die politik muss endlich aufwachen und dieses ungeheuerliche, parasitäre privileg der bankster abschaffen.

1116er
00
27.6.2011, 14:00
sind sie noch nie am bankschalter gestanden

und haben gefragt: "gibt es eine möglichkeit, ein halbes prozent mehr rendite zu bekommen?"?

die macht der banken ist erschreckend.
doch diese macht ist nicht gottgegeben: sie kommt von ihnen und von mir!
von unserer ersatz-religion, die die gier nach mehr und noch mehr als erstes und wichtigstes gebot erklärt hat!

k99
10
27.6.2011, 01:42

bei 28% zinsen ist auf zeit spielen sehr lukrativ. zeit für eine alternative zur banken mafia. ich hoffe ideen wie bitcoin oder eine weiterentwicklung davon werden sich in zukunft durchsetzen.

Tintifax der ... Druide!
01
27.6.2011, 07:50

Meines Wissens nach wären das nur die Zinsen, die Griechenland bei Neuemissionen zahlen müsste, und da die anfallenden Mehrschulden aus den Hilfspaketen abgedeckt sind werden derzeit keine Neuemissionen getätigt.

www.banken-volksbegehren.at
11
27.6.2011, 01:17
"Europa kann derzeit nur zwischen schlechten und noch schlechteren Alternativen wählen."

Naja, wenn man nur innerhalb des Systems denkt, stimmt das natürlich. Aber tatsächliche Alternativen gäb's jede Menge.

http://www.banken-volksbegehren.at

Barsch mit Ohren
 
00
27.6.2011, 15:04

Die Häuslbauer werden Ihnen was erzählen.

buff flyer
01
26.6.2011, 22:30
seit monaten ist auf zeit spielen das system

bis den ganzen dreck die ezb hat.

und dann: leider...

Toxo Logic
 
00
26.6.2011, 21:52

Auf Zeit spielen heißt Konkursverschleppung mit dem Geld der europäischen Steuerzahler und am Ende noch höhere Kosten für die Gläubiger.

geschlechtsumwandlung quotenposterin
113
26.6.2011, 21:48
basta

Die Banken müssen für ihre Geldangelegenheiten
wieder selbst Verantwortung übernehmen .

Schlecht wirtschaften und dann den Steuerzahler zu belangen ist nicht tragbar .

Und wenn Volk und Staat durch Banken erpressbar (too big to fail) sind , sind diese Banken umgehend zu zerschlagen .

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