Nachlese Missio

Missbrauchsvorwurf gegen hochrangigen Geistlichen

27. Juni 2011, 11:35

Beschuldigter dementiert heftig; Frau will auch Kardinal Schönborn von den Vorwürfen informiert haben

Wien - Kirchlicher Missbrauchsfall unter Beteiligung höchster katholischer Kreise oder Rache einer psychisch labilen Frau? Die Vorwürfe einer 45-Jährigen, die in einer Anzeige gegen einen hochrangigen Funktionär der Päpstlichen Missionswerke ("Missio"), Leo M., Christoph Kardinal Schönborn und einen weiteren Geistlichen gipfeln, sorgen für Aufregung.

Zur Vorgeschichte: Nach einer schweren Kindheit habe sich die Frau "in die Religion geflüchtet", wie ein Sprecher der privaten Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" beschreibt. Hilfe brachte das laut Anzeige der Frau nicht: Als 17-Jährige sei sie bei einer Veranstaltung im Vatikan Opfer von sexuellen Übergriffen durch einen Tiroler Geistlichen geworden.

Dennoch hielt sie der Kirche die Treue und legte im Jahr 1992 eine sogenannte Lebensweihe ab - das Versprechen, nicht zu heiraten und nur Gott zu dienen. Aktiv war sie dafür bei einem christlichen Radiosender und einer Marien-Verehrungs-Bewegung.

Zwei Jahre nach der Weihe soll es dann erstmals zum Missbrauch durch M. gekommen sein. Dieser sei seit 1985 auch ihr Beichtvater gewesen, schildert sie. Stimmt nicht, kontert der Mann. In einer E-Mail habe die Frau selbst geschrieben, dass er nie ihr Beichtvater gewesen sei, sekundiert "Missio"-Sprecher Eugen Waldstein.

Die Frau wandte sich 1994 an Kardinal Schönborn, den sie bei ihrer Lebensweihe kennengelernt hatte. Das Verhältnis scheint gut gewesen zu sein - der Geistliche schickte ihr Postkarten mit der "Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen". Ihre Missbrauchsschilderungen seien von dem Würdenträger aber ignoriert worden, glaubt sie. Daher zeigte sie ihn nun wegen "Unterlassung der Verhinderung einer mit Strafe bedrohten Handlung" an.

Schönborns Sprecher, Michael Prüller, bestätigte der Austria Presseagentur den Kontakt. Es habe sich aber um ein Beichtgespräch gehandelt - das Beichtgeheimnis habe gegolten. Ein offenes Gespräch habe es hingegen nicht gegeben.

Mündig und volljährig

Zudem ist man in der Erzdiözese nicht der Ansicht, dass es sich um Missbrauch gehandelt habe: Die Frau sei zum Zeitpunkt der angeblichen Übergriffe volljährig gewesen, mündig und in der Lage, sich an ein Gericht zu wenden.

Sie habe die Sache kirchenintern klären wollen, argumentiert der Sprecher der Plattform der Missbrauchsopfer. Im Jahr 2008 habe sie sich dann an die diözesane Ombudsstelle gewandt. In einer E-Mail aus dem Sommer 2010 schreibt deren Leiter, nach seiner Einschätzung handle es sich "vermutlich um sexuelle Nötigung".

Für Waldstein sind die Vorwürfe haltlos, er behält sich eine Klage vor. Die Frau sei nur eine gute Bekannte gewesen und habe ihn schließlich vier Jahre lang gestalkt, sie sei wohl psychisch krank. Faktum ist, dass die "Klasnic-Kommission" der 45-Jährigen 11.369 Euro für eine Therapie zugesprochen hat, allerdings keine finanzielle Entschädigung. Der Tiroler Geistliche wiederum soll in zwei Briefen seine Schuld eingestanden, dies aber wieder revidiert haben. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 27. Juni 2011)

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Ramto
10
So was wird hier nicht veröffentlicht, jedenfalls nicht vom "derstandard"

Die von einigen österreichischen Medien verbreiteten Vorwürfe einer Frau gegen Missio-Nationaldirektor Dr. Leo-M. Maasburg sind nun sowohl juristisch als auch innerkirchlich ausgeräumt. Die Staatsanwaltschaft Wien hat die Anzeige und Sachverhaltsdarstellung einer Frau, die Maasburg „sexuelle Nötigung“ vorwarf, eingehend geprüft und das Verfahren eingestellt. Begründet wird die Entscheidung damit, dass abgesehen von einer eingetretenen Verjährung „überdies der Tatbestand des § 202 StGB (sexuelle Nötigung) schon objektiv nicht erfüllt ist.“

countdawn
00
Verjährung auch zivilrechtlich ???

Ich bin nun gespannt, ob Maasburg und die Kirche auch zivilrechtlich Verjährung einwendet ...
Im Kirchenrecht gibt es nämlich keine Verjährung, wird die Kirche hier das bürgerliche Recht anwenden, weil es ihr passt?
Bei Vertuschung wendet sie das Kirchenrecht an, und meldet alle Fälle intern an den Vatikan.
Bei sexueller Misshandlung wendet sie Verjährung nach ABGB ein ...
Wenn das nicht Staat im Staat ist ...

Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit dieser Glaubensgemeinschaft ????

countdawn
01
28.6.2011, 14:19
Wo ist der Unterschied zwischen Klasnic-Kommission und Inquisition

Die betroffene Dame, deren Misshandlungen durch Maasburg von Schönborn vertuscht wurden, soll sich nun dem Clearing der Klasnic Kommission stellen, einer Kommission, die von Schönborn selbst einberufen wurde und die nun klären soll, ob die Anschuldigungen an ihn - den Kardinal selbst -stimmen oder gelogen sind.
Ich sehe keinen Unterschied mehr zur Heiligen Katholischen Inquisition!
Wann erkennen die Menschen in diesem Staat eigentlich, was hier abgeht?
Dorfrichter Adam lässt grüßen!
In meinen Augen geht nun das Fass über ...
Deshalb Volksbegehren gegen Kirchen-Privilegien unterschreiben!
www.kirchen-privilegien.at

Quasis Herr Karl
02
Wo ist der Unterschied zwischen Klasnic-Kommission und Inquisition

Die Opfer werden nicht mehr verbrannt, aber die peinliche Befragung wiederum ist geblieben.

thinkonyourfeet
03
27.6.2011, 21:44
Die Reaktion der katholischen Kirche ist unwürdig.

Die Reaktion des Leiters des katholischen Missionswerkes erinnert an die seinerzeitige Reaktion von Kardinal Groer. Dieser hat zuerst alle Gläubigen belogen und alles auf das Heftigste abgestritten. Dann wurde die Decke des Schweigens über die Vorwürfe gelegt. Ein Schlussstrich wurde bis heute nicht gezogen und von einer Enschuldigung oder einer versuchten Wiedergutmachung hat man bis heute nichts gehört.
Wenn das eine christliche Reaktion auf Verbrechensvorwürfe ist, dann wäre mir jede unchristliche Reaktion lieber.
Die katholische Kirche hat jede moralische Autorität verloren. Ein Naheverhältnis zu Gott kann man für diese Organisation wohl ausschließen...

Walter J. Ferstl
07
27.6.2011, 13:30
Die kirchenhierarchie beruft sich einerseits auf das Beichtgeheimnis,

... hat aber andererseits keine Skrupel, eine angebliche "psychische Labilität" des mutmaßlichen Opfers an die Öffentlichkeit zu tragen und dort breitzutreten.

Das erinnert an die Art und Weise, wie zu Groer-zeiten einer der höchsten Kleriker Österreichs ein anderes Missbrauchsopfer, Herrn Hartmann, vor laufenden Fernsehkameras attackiert und der Lüge bezichtigt hat.

Infam.

wie´s unter der Kutte aussieht, geht niemand was an
01
27.6.2011, 17:53

so ist es.

Quasis Herr Karl
02
27.6.2011, 11:30
Was stimmt nun ?

Lt. TT hat der Herr alles schriftlich gestanden, jetzt gibt's des Video wo er alles als eine Kampeijn gegen ihn sieht..., kenn mich nicht mehr aus.

weisungsgebunden
02
27.6.2011, 12:59
Es geht um Missbrauchsvorwürfe gegenüber zwei Geistlichen

die einige Jahre auseinanderlegen, soweit ich das verstanden habe.
Nummer Eins hat die Vorwürfe bestätigt, Nummer zwei hat das Video ins Netz gestellt.

Quasis Herr Karl
00
27.6.2011, 13:55
Danke für den Hinweis.

Rosa Stahl
00
27.6.2011, 12:31

wenn er was schriftlich gestanden hat, dann wird mans ja wohl lesen können.

Quasis Herr Karl
01
27.6.2011, 13:55
No, in der Tiroler Tageszeitung ist es halt übersichtlicher.

Als Opfer dieser Truppe habe ich an manchen Tagen nicht Bock auf genaues Lesen. Es sei mir verziehen.

aufseiten der opfer
12
27.6.2011, 12:15

Der Herr strampelt halt mit aller Gewalt. So lange, bis ihm seine Freunde, die Kirchenfürsten ein schönes Platzerl gerichtet haben, wo sich hinflüchten kann. Möglichkeiten hat die reichste Organisation der Welt ja genug.

FalscherProphet
02
27.6.2011, 12:15
Er ist eben ein gottesfürchtiger Christ,

der natürlich das achte Gebot strengstens einhält
(Du sollst kein falsches Zeugnis geben).

Ramto
00
Verleumdung ist an der Tagesordnung im derstandard

Die von einigen österreichischen Medien verbreiteten Vorwürfe einer Frau gegen Missio-Nationaldirektor Dr. Leo-M. Maasburg sind nun sowohl juristisch als auch innerkirchlich ausgeräumt. Die Staatsanwaltschaft Wien hat die Anzeige und Sachverhaltsdarstellung einer Frau, die Maasburg „sexuelle Nötigung“ vorwarf, eingehend geprüft und das Verfahren eingestellt. Begründet wird die Entscheidung damit, dass abgesehen von einer eingetretenen Verjährung „überdies der Tatbestand des § 202 StGB (sexuelle Nötigung) schon objektiv nicht erfüllt ist.“

kurt kren
07
27.6.2011, 11:21
Stets das gleiche, schmutzige Prinzip

das Opfer als unzurechnungsfähig hinstellen, damit schändet man es neuerlich!
Hoffentlich bequemt sich die Justiz endlich zu einer Untersuchung!

itzibitzistriezi
08
27.6.2011, 11:20

lieber gott bitte schick uns nochmal einen erlöser mit superkräften der unverwundbar ist und uns aufklärt dass deine unglaubliche macht nicht für die basis der 3 weltreligonen dient.

danke im voraus

p.s. als dank lad ich dich zum grillen ein

Jürgen Rembremerding
00
27.6.2011, 11:58
panda rage
00
27.6.2011, 11:30

joe pesci ? chuck norris ? duke nukem ?

FalscherProphet
00
27.6.2011, 12:16
Ich wünsche mir

Constantine.

suboptimal
 
113
27.6.2011, 11:07
Das ist jetzt aber richtig Pech für die Kirche, dass der Tiroler Geistliche

nach langem Leugnen soeben ein umfassendes schriftliches Geständnis abgelegt hat.
Zitat des Geistlichen: " … ihre Darstellung in ALLEN Punkten richtig ist." ist ein Geständnis.
http://www.tt.com/csp/cms/s... riffen.csp

Das GESTÄNDNIS im ersten Fall erhöht die Glaubwürdigkeit des Opfers doch sehr massiv und lässt im zweiten Fall das vom Herrn Maasburg in Auftrag gegebene psychiatrische Ferngutachten ziemlich alt aussehen.

Ita Missa
03
27.6.2011, 16:55
Dieser Psychiater Hofmann,

der aus dem fernen Graz der Frau "Stalking" unterstellt hat, steht offensichtlich der RKK Österreich sehr nahe:

http://www.kath.net/detail.php?id=25966

Ich dachte übrigens, dass Stalking eine juristische, nicht eine psychiatrische, Angelegenheit wäre.

Wuidara
04
27.6.2011, 12:04
Obus Dei und die Beichte

Der Verfasser des Ferngutachtens, Prof. Peter Hofmann, Graz, hat sich ja auch beim Opus-Dei Kongress "Religiosität und Psychiatrie" in Graz mit einem Schlüsselreferat hervorgetan !

Wenn der Hut brennt, muss Hofmann alles mit einer Ferndiagnose decken !

Und was hat eine Information an den Kardinal mit Beichte zu tun ???

Lebenszyklus
04
27.6.2011, 16:43
Psychiater-Shopping?

Vielen Dank für diese Ergänzung!

Ich habe mich nach dem Lesen des TT-Artikels gerade mit der Frage auseinandergesetzt, wie ein Gutachter aus Graz dazu kommt, in einem Fall, dessen einzige geographischen Berührungspunkte bisher Innsbruck und Wien waren, eine "Expertise" abzugeben. Anscheinend hat er die Anzeigerin nicht einmal getroffen! Diese Leute gehören zu den gefährlichsten der ganzen Gesellschaft.

Im Tierschützerprozess hatte die SOKO-Inspektorin Bogner den handverlesenen, und vor der Auftragserteilung von ihr gründlichst interviewten, ehemaligen AHS-Professor Schweiger (ebenfalls aus Graz) um unglaubliches Geld als lingusitischen Gutachter engagiert. Das Ergebnis kennen wir alle!

Rosa Stahl
41
27.6.2011, 12:32

wär nett, wenn sie wenigstens die attackierten organisationen richtig schreiben könnten....

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