Missbrauch der Begriffe "Mafia" und "Terror"

26. Juni 2011, 17:17

Aber da die ÖVP auf bestem Wege ist, eine Art "Tea Party" zu werden, droht Unheil

Die ÖVP kehrt zurück zum Programm der Koalition mit der FPÖ Anfang der 2000er-Jahre. Jüngstes Indiz: Der erneute Versuch, das unter massiver Kritik bereits einmal zurückgezogene "Terrorpräventionspaket" nun endgültig durchzusetzen.

Unter dem Eindruck der Terrorschläge des September 2001 waren europaweit die Maßnahmen gegen islamistischen Terror verschärft worden - Stichwort "Großer Lauschangriff".

Auch Maria Fekter hatte probiert, die Terrorprävention zu verstärken. Da kam ihr aber der missbräuchliche Einsatz des so genannten Mafiaparagrafen gegen Tierschützer in die Quere. Man konnte sich nicht mehr sicher sein, ob nicht die Vorkehrungen gegen mutmaßliche Terroristen womöglich gegen Kritiker der Staatsgewalt eingesetzt würden. Mit dem Geruch von ein bisschen Kreml in Wien.

Jetzt, da man gesehen hat, dass die Polizei durchaus in der Lage ist, Verdächtige auszumachen, müssten die bestehenden Instrumente als ausreichend gelten.

Aber da die ÖVP auf bestem Wege ist, eine Art "Tea Party" zu werden, droht Unheil. Wer "Terror gutheißt", soll bereits belangt werden - was immer damit gemeint ist. Und wer (kein Terrorparagraf, aber Lex Spindelegger) die österreichische Nazi-Vergangenheit im Ausland diskutieren möchte, schadet dem Land, ist (Diktion FPÖ seit Jörg Haider) "ein Nestbeschmutzer".

Der Verband der Auslandsjournalisten hat sich scharf gegen Spindeleggers nur abgeschwächte, aber nicht revidierte Ansicht gewendet. Österreich ist dabei, ohne jeden ersichtlichen Grund sein erholtes Image im Ausland erneut zu verspielen.

Die Akteure sind nicht Journalisten oder Literaten, sondern die Politiker selbst.

Und was die Volkspartei betrifft: Sie will Reformen (Stichwort Schule) ganz offensichtlich durch Law-and- Order-Vorstöße ersetzen.

Der Demokratie und der Festigung der Zivilgesellschaft dient das nicht. Die Rechtsanwaltskammer hat am Donnerstag der vergangenen Woche zum Versuch, angebliche Terror-Sympathie unter Strafe zu stellen, festgehalten: "Das stößt an die Grenze der Meinungsfreiheit."

Die Anwälte sind sicher keine Freunde des Terrorismus. Aber sie sind Verteidiger des Rechtsstaates.

Ein gewisser Ernst Strasser hat als Innenminister im Jahre 2002, als in einem Standard-Leitartikel die geplante Einschränkung der Pressefreiheit in Österreich kritisiert wurde, eine Entschuldigung vonseiten der Chefredaktion verlangt. Als dies verweigert wurde, gab er seinen Beamten die Weisung, keine Presseausweise mehr auszustellen. Erst nach Monaten nahm er dies zurück. Der Geist dieser Zeit ist nicht passé.

Weder Meinungs- noch Pressefreiheit sind selbstverständlich. Siehe Ungarn. Dort soll ab 1. Juli das von der EU beeinspruchte und daher entschärfte Presserecht gelten.

Auf Umwegen möchte man nun offenbar auch in Österreich die Zügel straffen. Die Verfechter einer offenen Gesellschaft müssen wachsam bleiben.(Gerfried Sperl, STANDARD, Printausgabe, 27.6.2011)

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zimbo
 
00
15.9.2011, 08:21
Swoboda ist nicht besser, siehe Unterstützung von Indect.

solche Leute sind sehr viel schädlicher als ein Strasser.

Vielleicht begründet sich so seine Popularität in Brüssel, falls sie nicht gänzlich selbst generiert ist, wie bei Ferrer Waldner.

Quasi als Gott der Schleimbeutel.

märchenonkel
12
27.6.2011, 18:53
Die ÖVP hat - wie alle Faschisten - zu Recht Angst vor dem Volk.

Rigglerobber
00
28.6.2011, 12:47

Werfen Sie hier nicht mit solchen Begriffen um sich, Sie machen sich lächerlich. Faschisten - haben Sie's nicht eine Nummer kleiner?

europa fassen
02
28.6.2011, 13:06
Ich zitiere aus http://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus

"In Österreich gab es nach dem Ersten Weltkrieg Gruppierungen, wie zum Beispiel die Heimwehr, die von Forschern dem Faschismus zugeordnet werden. Die Heimwehr stand zunächst der Christlichsozialen Partei nahe und ging schließlich, in der von Engelbert Dollfuß 1933 gegründeten, Vaterländischen Front (VF) auf."

So weit weg ist das nicht.
Die VP hat sich noch nie von ihrer austrofaschistischen Zeit distanziert. Ganz im Gegenteil.

Rigglerobber
00
28.6.2011, 15:09

über "rote Gfrieser" im ORF zu schimpfen und mit Artillerie auf Gemeindebauten zu schießen ist aber schon ein qualitativer Unterschied, oder?

Man kann der ÖVP viel vorwerfen, ohne das F-Wort auszupacken - aber die "reductio ad Hitlerum" war noch nie eine besonders stichhaltige Argumentationsfigur.

europa fassen
01
28.6.2011, 16:23

Ich würde die VP auch nicht mehr grundlos als Austrofaschisten bezeichnen.

Es gibt aber immer wieder solche, die beispielsweise Sozialdemokratie nicht von Sozialismus unterscheiden wollen. In solchen Fällen bringe ich gerne den Vergleich, dass man mit demselben Recht die VP als Austrofaschisten bezeichnen darf.

Ich möchte allerdings auch erinnern, dass der VP-Klub noch immer ein Hergottswinkerl mit Dollfuß-Bild verehrt.

Gefährliche Clowns
01
28.6.2011, 16:10

Wie Sie bin ich der Meinung, dass der Begriff "Faschismus" häufig sehr inflationär verwendet wird.
Allerdings sollte man den Begriff auch nicht ausschließlich auf Hitler reduzieren, und, um zur ÖVP zurück zu kommen: Der fällt es genauso schwer, sich vom Faschisten Dollfuß zu distanzieren, wie sich die FPÖ schwer tut, sich von Hitler zu distanzieren.
Natürlich gibt es einen (großen) Unterschied zwischen dem Verächtlichmachen der "roten Gfrieser" und den Dollfußschen Arbeitermorden, genauso wie es einen (großen) Unterschied zwischen dem Holocaust und der Ehrenbürgerschaft Hitlers in Amstetten gibt.

Ich persönlich würde sowohl die FPÖ als auch die ÖVP nicht als faschistisch, wohl aber als weitgehend faschistoid bezeichnen...

scriptingguy
02
27.6.2011, 17:53
Ich glaube nicht, dass es gut ist

wenn Politiker derart Angst vor dem eigenen Volk haben. Aber ich verstehe das Volk, dass langsam Angst bekommt...

http://fm4.orf.at/stories/1684537/

trollvottel
02
27.6.2011, 14:16

Also kann man als Terrorsympathisant eingesperrt werden, wenn man jemanden lobt, der mit vorbestraften Verfassungsfeinden gemeinsam im Wald mit Sturmgewehren übte und dabei Anschläge gegen Politiker und Polizisten einstudiert haben dürfte?

1116er
010
27.6.2011, 14:15
"Als dies verweigert wurde, gab er seinen Beamten die Weisung, keine Presseausweise mehr auszustellen."

unglaublich!
und unglaublich ist auch, dass ich davon heute zum ersten mal lese. in einem nebensatz!

seid ihr beim standard derartig untertänig und ängstlich, dass ihr das damals nicht als eine, die ganze erste seite einnehmende schlagzeile gebracht habt?

das unterstützt meine these:
das wahre problem österreichs ist das völlige versagen der vierten macht über jahrzehnte!

zhang sanfeng
01
27.6.2011, 12:26

... und sowohl die tea party als auch die övp orientieren sich an der "inneren partei".
http://de.wikipedia.org/wiki/1984... sellschaft

so gesehen werden die begriffe "terror" und "mafia" auch nicht missbraucht, sondern nur in neusprech übersetzt.
das skript dahinter ist offensichtlich das buch "theorie und praxis des oligarchischen kollektivismus".
http://whatreallyhappened.com/WRHARTICL... _1984.html

trollvottel
00
27.6.2011, 14:21

Orwell beschrieb Mechanismen der kollektiven Verhetzung, unter dem Eindruck der totalitären Diktaturen Deutschland und Russland im 2.WK, und der wenig später in den USA einsetzenden mörderischen Kommunistenhatz unter McCarthy.

Alle diese Regierungen nutzten ihre Propaganda so intensiv, dass es den meisten durchaus auffiel; neue Wortschöpfungen verharmlosten die Taten ("wie eine Ratte ermorden" wurde zum harmlosen "ausmerzen" usw); mit haarsträubenden Begründungen wurde der Feind als un- oder unter-menschlich, nicht lebenswert, "auszumerzen" dargestellt ... das beschreibt Orwell.

Es ist aber lächerlich, den alten SciFi-Roman als einziges Erklärungsmuster für heutige Begebenheiten zu sehen.

zhang sanfeng
01
27.6.2011, 14:55

"... die soziale athmosphäre ist die einer belagerten stadt. das bewusstsein, sich im kriegszustand zu befinden, in gefahr zu sein, lässt es als natürlich, unvermeidlich und lebensnotwendig erscheinen, die macht einer kleinen gruppe zu übergeben.
es ist egal, ob der krieg überhaupt stattfindet, auch rückschläge sind irrelevant, nachdem dieser krieg ohnehin nicht endgültig zu gewinnen ist.
es ist nur unverzichtbar, dass der kriegszustand von dauer ist..."

das erscheint mir nach wie vor als treffendste analyse dessen, was im rahmen des "krieges gegen den terror" vor sich geht.

Post-vom-Poster
 
06
27.6.2011, 12:04
Der Geist dieser Zeit ist nicht passé

ja, fruchtbar ist der Schoß noch, aus dem dies Ungeheuer kroch.

"Sperrt die ÖVP ein, bevor die ÖVP uns einsperrt." - Straftatbestand: Demokratievernichtung ...

Die Österreichische Vergangenheits Partei läßt immer wieder ihre pseudodemokratische Maske fallen, und dahinter kommt die autoritäre Fratze zum Vorschein. Dollfuss steht offenbar immer noch hoch im Kurs der schwarzen ideologischen Anbetung, und man orientiert sich offenbar noch gerne an Metternich und seinem Polizeistaat.

Also: "Sperrt die ÖVP ein, bevor die ÖVP uns einsperrt." und die blaubraunen Hassprediger gleich dazu!

Bergal
02
27.6.2011, 11:55
Überwachungsstaat

Als nächstes werden wir pro Einwohner je einen Polizisten und einen IT-Experten brauchen, damit unsere Fr. Innenminister wieder ruhig schlafen kann. Alle die was gegen den Staat sagen werden sofort eingesperrt. Im Zuge dieses Programmes wird die Wirtschaft mächtig profitieren, da ein Grossteil der Gemeindebauten zu Gefängnissen umgebaut wird. Orwell kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus!

Nyarlathotep
02
27.6.2011, 17:54

Bewegungsprofile kommen ja schon, "proaktiv und in Echtzeit":

http://fm4.orf.at/stories/1684537/

europa fassen
01
28.6.2011, 13:46

Es wird immer ärger.
Der EU-Rat schaufelt langsam aber sicher der Demokratie ein Grab.

suboptimal
 
08
27.6.2011, 11:18
ganz nebenbei

und unbemerkt hat "Demokrat" Strasser auch hunderte Existenzen von Leuten mit anderer Meinung vernichtet.
Bei der Polizeireform war das ein Hauptziel von ihm, dass hoch qualifizierte und kompetente Beamte, die nicht "rot-weiß-rot" und tiefdunkelschwarzblau waren, ihre Posten räumen müssen.

EUphoriker
00
27.6.2011, 10:53

>>Ein gewisser Ernst Strasser hat als Innenminister im Jahre 2002, als in einem Standard-Leitartikel die geplante Einschränkung der Pressefreiheit in Österreich kritisiert wurde, eine Entschuldigung vonseiten der Chefredaktion verlangt. Als dies verweigert wurde, gab er seinen Beamten die Weisung, keine Presseausweise mehr auszustellen. Erst nach Monaten nahm er dies zurück. Der Geist dieser Zeit ist nicht passé.<<

Natürlich ist das schlimm. Aber benötigen Journalisten Presseausweise um die Fratze der intransparenten Politiker zu entlarven?

Medienpolitik ist doch nur die Vermittlung des Images, dass Politiker gerne hätten. das hat nicht viel mit Wahrheit zu tun.

pepu
09
27.6.2011, 09:30

da wird mir bange: was ist denn die alternative? klar, diese koalition gehört DRINGEND weg, aber wen wählen wir denn stattdessen? wo ist denn der silberstreif am horizont, die mögliche wende? wo bleibt die bewegung/partei/organisation, die hier wählbar ist?

nicht falsch verstehen: das soll kein vorwurf an die kritik sein, sondern lediglich das festhalten der hoffnungslosigkeit angesichts der bestehenden auswahllosigkeit. oder übersehe ich was? sollten wir doch kummerln wählen? ist der ausweg grün?

denn so wie es aussieht, heisst die alternative für die meisten menschen blau, und dass da irgenwas besser werden würde, ist weit jenseits von unwahrscheinlich...

Demokrit 007
01
27.6.2011, 10:29
Besuchen Sie ...

www.newdeal.at
undschreiben Sie Ihre Meinung auf 1-2 A4-Seiten; danke

Rauhreif
011
27.6.2011, 09:25

also wer das Denken noch nicht an Krone, Heute oder Österreich ausgelagert hat, muss sich doch denken:
Sperrt die ÖVP ein, bevor die ÖVP uns einsperrt.

oder sehe ich da was falsch?
Hände falten, Goschn halten!

Bulldog
04
27.6.2011, 09:16
nichts neues

Wille des Volkes, o.ä. sind Fremdworte.
Seit vielen Jahren gab es kein Gesetz zum Vorteil der arbeitenden und staatserhaltenden Bürger. Jede politische Aktion war im Sinne von Lobbys. Es wird immer klarer - der Fall Strasser ist nicht die Ausnahme sondern die Regel. Die Begriffe Mafia, Terror etc. werden nur gebraucht um einfachen Bürgern die politischen Sauereien als sinnvolle Arbeit nahezubringen.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
04
27.6.2011, 08:04
Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt

heißt das in Hochchinesisch/Mandarin.

Uniting and Strengthening America by Providing Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism Act, nennt es sich im Englischen.

Die Nazis fassten sich kurz und erfanden den "Volksschädling".

Das kann man jetzt Staat für Staat durchgehen, vergangene und aktuelle Regime, gewählte und ungewählte.

Zwischen 1789 und 1989 lagen 200 Jahre.

Seit sich alles in Beschleunigung befindet, bin ich für beschleunigte Grundsatzrevolutionen.

So alle 20 Jahre muß man Politiker und Parteien wieder auf den Boden zurückholen und in die Schranken weisen - sie immer wieder neu trainieren und disziplinieren, sonst reißt der Schlendrian ein, das Postdemokratische, Absolutistische, Totalitäre.

Demokrit 007
04
27.6.2011, 07:31
Es ist Zeit Tachees / Klartext zur reden !

Diese Koalition will nur mehr an der Macht bleiben. Politischer Gestaltunngwille ist nicht vorhanden. Die werden immer mehr zur (gemeinsamen) Tea-Party; zum Kotzen.

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