Mehrheit sagt: Wahlversprechen 2008 wurden gebrochen

26. Juni 2011, 17:28
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Zeit zur Zeugnisverteilung: Mehr als ein Dreier war für keine der Parteien drin

Wien - Josef Ostermayer ist der Beste. Josef wer? Na, der Staatssekretär im Kanzleramt. Diejenigen, die ihn kennen, geben ihm die relativ besten Noten - allerdings sagen 68 Prozent der Befragten, dass sie Ostermayer zu wenig kennen, weitere drei Prozent gaben aus anderen Gründen keine Antwort.

Die Benotung mehrerer Regierungsmitglieder steht auf einer ähnlich dünnen Datenbasis: Außenamts-Staatssekretär Wolfgang Waldner ist der am wenigsten bekannte Mann der Regierung Faymann/Spindelegger, zeigt die Grafik rechts; dort steht ein dünner schwarzer Strich für die Bekanntheit, ein gelber für die Nichterkennung. Immerhin jeder fünfte Befragte traut sich auch kein Urteil über Bundeskanzler Werner Faymann zu.

Verteidigungsminister Norbert Darabos wurde von zwei Dritteln der Befragten bewertet, er kassierte von jedem Zweiten einen Vierer oder Fünfer und landete mit der Durchschnittsnote 3,48 auf dem letzten Platz.

Nicht viel besser sehen die Noten der Parteien aus. Sie haben sich zwar gegenüber dem Juni 2008 (kurz vor Auseinanderbrechen der Regierung Gusenbauer/Molterer) allesamt verbessert, aber im Schnitt landen alle zwischen drei und vier.

Mit 3,28 ist die Note der Kanzlerpartei SPÖ noch die beste, sie punktet auch bei den eigenen Wählern am besten: Von denen vergibt jeder Zweite zumindest ein "Gut". Gute Noten bezieht sie auch in bildungsfernen Schichten und bei älteren Befragten.

Die ÖVP folgt knapp mit der Durchschnittsnote 3,31 - aber sie wird von den eigenen Wählern kritischer gesehen (Durchschnittsnote 2,71), wenige "Sehr gut" und "Gut".

An dritter Stelle folgen die Grünen mit 3,43. Sie bekommen die guten Noten von leitenden Angestellten und werden auch von etlichen Wählern der Koalitionsparteien mit guten Noten bedacht.

Die Arbeit der FPÖ kommt auf 3,59 - was vor allem damit zusammenhängt, dass sie von 27 Prozent (besonders von Grün- und ÖVP-Wählern) ein "Nicht genügend" kassiert. Auffallend häufig geben junge Befragte der FPÖ gute Noten - und die eigenen Wähler sind auch recht zufrieden - Note 2,68).

Das BZÖ bekommt von 31 Prozent ein "Nicht genügend", gute Noten bekommt es am ehesten von Arbeitern. Das BZÖ ist auch jene Partei, von der die wenigsten Befragten meinen, sie habe ihre Wahlversprechen halten können - Spitzenmann Jörg Haider ist ja kurz nach der Nationalratswahl 2008 tödlich verunglückt, seine Gefolgschaft ist teilweise zu den Freiheitlichen übergelaufen.

Insgesamt wird aber jeder einzelnen Partei mehrheitlich nachgesagt, sie habe ihre Versprechen von 2008 nicht erfüllt. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2011)

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