NGOs kritisieren VP-EU-Parlamentarier Rübig: "Unvereinbares Naheverhältnis" zur Rohstoffindustrie

25. Juni 2011, 09:47
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    foto: epa/christophe karaba

    Rübig bei der Vorstellung der neuen ÖVP-Abgeordneten der EVP-Fraktion im EU-Parlament im letzten April

Rübig: "Zweiter Teil der Schmutzkübelkampagne"

Wien - Die Nebengeschäfte des ÖVP-Europaabgeordneten Paul Rübig werfen immer mehr Fragen auf. Wie "profil" berichtet, ist Rübig Gründungsmitglied der jüngst aus der Taufe gehobenen "European Raw Materials Group", die sich aus 30 EU-Mandataren mehrerer Fraktionen rekrutiert und künftig aktiv in die Rohstoffstrategie der EU eingreifen will, hieß es am Samstag in einer Vorab-Aussendung.

Der Name erinnere frappant an das ebenfalls in Gründung stehende Lobbying-Vehikel der europäischen Rohstoff-Branche "European Raw Materials Club", in welchem unter anderem die auf die Herstellung von Feuerfestmaterialien spezialisierte RHI-Gruppe Mitglied ist. Das geht laut dem Magazin aus einem Bericht des "Corporate Europe Observatory" (kurz: CEO) hervor.

CEO ist eine private Organisation, die den Einfluss der Industrie und Wirtschaft auf die Politik der EU dokumentiert. Bereits im Juni 2010 hatte Rübig für den Verband der europäischen Gipshersteller (Eurogypsum) ein exklusives Galadinner in Straßburg ausgerichtet - samt anschließender Führung durch das EU-Parlament, so "profil".

Rübig sitzt im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des EU-Parlaments, zugleich ist er Vizepräsident des "European Energy Forums", einer Lobbying-Plattform in der namhafte Öl- und Atom-Konzerne vertreten sind. Mit einigen dieser Unternehmen wickelt er über seine private Handelsgruppe Geschäfte ab, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Lobby-Experten und Attac: VP-Abgeordneten in "klarem Interessenskonflikt"

Lobbyismus-Kritiker und die Globalisierungsgegner Attac werfen Rübig nun vor, in einem unvereinbaren Naheverhältnis zur europäischen Rohstoffindustrie zu stehen. Rübig spiele eine "Hauptrolle" in der Gestaltung der EU-Gesetzgebung zum Handel und Abbau von Rohstoffen, zugleich sei er durch Firmenbeteiligungen wirtschaftlich an die Rohstoff-Industrie gebunden, sagte Pia Eberhardt von der NGO "Corporate Europe Observatory" der APA. Der EU-Abgeordnete sei eng mit Vertretern der Industrie und Lobbyfirmen vernetzt, kritisierte Eberhardt vor Bekanntwerden der Vorwürfe am Samstag. Das stelle einen "klaren Interessenskonflikt" mit seiner Arbeit als EU-Parlamentarier dar, da er über seine Firmen am Gewinn der Rohstoffunternehmen beteiligt sei.

"Mr. Rohstoffe"?

Das Ziel des Rohstoff-Netzwerkes in Brüssel sei es, der europäischen Industrie den uneingeschränkten Zugang zu Rohstoffen innerhalb der EU und allen Partnerstaaten zu ermöglichen, ohne dabei Umweltfragen und die soziale Verträglichkeit berücksichtigen zu müssen, sagte Eberhardt. Rübig sei ein zentraler Akteur der Rohstoffpolitik und werde in Branchenmagazinen in Brüssel als "Mr. Rohstoffe" bezeichnet, führe sein Engagement aber nicht einmal auf seiner Webseite an.

Rübig wehrt sich: "Schmutzkübelkampagne"

Der 58-jährige Rübig tritt neben seiner politischen Arbeit als Unternehmer auf. Die Firma Rübig wurde 1946 als Familienbetrieb gegründet und ist in der Schmiedetechnik und der Metallverarbeitung tätig. Der EU-Parlamentarier führt als Beruf auf der Webseite des Europäischen Parlaments "Schmied" an. Mit seinem anderen Unternehmen, Probig, weitete Rübig seine Tätigkeit in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf die Erzeugung von Stahlketten und den Handel mit Kunststoffen aus. Auftraggeber von Rübigs Firma sind unter anderem die Mineralölkonzerne BP, Total und OMV.

Rübig sieht in dem Bericht des "Corporate Europe Observatory" den "zweiten Teil der Schmutzkübelkampagne". Er sei wirtschaftlich von den Energiefirmen "überhaupt nicht abhängig" und daher "nicht erpressbar". Sein "Spezialengagement" für die Rohstoff-Branche sei vielmehr notwendig, um die Versorgung Europas mit Ressourcen zu gewährleisten, und damit Arbeitsplätze zu sichern.

Sickinger: "Rübig hat gemacht, was in Österreich gang und gäbe ist"

Die wirtschaftliche Tätigkeit Rübigs und seine politische Arbeit stellten nach österreichischer Praxis keinen Interessenskonflikt dar, sagte der Politologe Hubert Sickinger. "Rübig hat gemacht, was in Österreich gang und gäbe ist."

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac forderte bei Bekanntwerden des Berichtes über Rübig "strenge und transparente Regeln" für Lobbyisten in Brüssel. Es sei ein Verbot von Nebeneinkünften nötig, die einen Konflikt mit der eigenen politischen Arbeit darstellten, sowie die verpflichtende Offenlegung von Einkommen, Besitz und Firmenbeteiligungen von Abgeordneten. (APA)

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legal eagle
 
00
13.9.2011, 22:30
auch wenn's nach ö standards ok ist -

es bleibt eine ekelhafte strasserei.

sonne-licht
 
01
27.6.2011, 08:23
dieser absatz genügt

Die wirtschaftliche Tätigkeit Rübigs und seine politische Arbeit stellten nach österreichischer Praxis keinen Interessenskonflikt dar, sagte der Politologe Hubert Sickinger. "Rübig hat gemacht, was in Österreich gang und gäbe ist."

um den standard unserer lenker zu definieren ist.

worans in österreich hapert ist eine klare definierung der gesetze und -gebung, jedoch anscheinend haben daran viele lobbyisten und nutznieser keinerlei interesse etwas zu verändern.

gesetze werden nur geändert um am kleinen zu kürzen (handhabung/fristen), es schwerer zu machen zu seinem recht zu kommen, damits ja den grossen kuchen nicht aufteilen müssen sondern unter diesen schmarotzern bleibt.

lobbyisten raus aus dem parlament und der eu.

sainty1
01
27.6.2011, 10:58
stimmt der Absatz sagt alles über Österreichs Politiklandschaft.

und primär über die ÖVP, die restlichen Folgen..

Selbständiger
00
27.6.2011, 08:04
Lobby-Experten und Attac: VP-Abgeordneten in "klarem Interessenskonflikt"

Das stimmt so überhaupt nicht.

Die Interessen der VP-Abgeordneten (wie der a l l e r anderen Parteien) ist, auf Kosten der Steuerzahler so viel als möglich in die eigene und der Tasche der Parteien zu wirtschaften.

Für diesen Zweck werden Firmen- und sonstige Organisationen aufgebaut, über die man über die eigenen Vertrauensleute ungeniert Steuergeld veruntreuen, weißwaschen und privatisieren kann.

Gut, die ÖVP und SPÖ sind Weltmeister bei diesem Veruntreuungsspiel. Die anderen Parteien haben von diesen gelernt und unterscheiden sich nur dadurch, dass sie noch nicht so lange die Möglichkeit hatten, solch ein Korruptionsnetzwerk auf breite Basis zu stellen.

Das Spiel heisst, "Selbstbereicherung auf Kosten der Steuerzahler".

Ing. Rambo Einfältig
00
26.6.2011, 16:48
Leistungsträger Pauls Firmen

stellen Klärschlammbecken her.
Die vertragen einige Schmutzkübel voll ÖVP-Leistungsträgergeschichten - die täglich mehr werden.

PlusMinus
83
26.6.2011, 11:32
KindergartenpädagogInnen

am besten wir nehmen für solche wichtigen Positionen in Zukunft nur noch KindergartenpädagogInnen. Die sind garantiert unparteiisch, unvoreingenommen und stehen in keinem Naheverhältnis zur Wirtschaft.

Die fehlende Wirtschaftskompetenz kann man ja eh schnell mal aus irgendwelchen BWL- und VWL-Büchern nachholen.

sainty1
00
27.6.2011, 10:59
wo hat denn der Herr Rübig ein BWL-Studium?

Sir Karl Popper
04
26.6.2011, 19:55
Interessensausgleich oder Extrempositionen

Sehen Sie sich einmal die Themen im Industrieausschuss an. Glauben Sie tatsächlich, dass Rübig Experte für Funkfrequenzen, Energienetze, cloud computing, Forschung im Bereich Kernfusion u.s.w. ist?

Sie müssen als Politiker wohl hauptsächlich genügend Zeit aufwenden, sich laufend ausreichend (und nicht nur bei einzigen befreundeten Lobby) über die aktuellen Herausforderungen zu informieren und dann versuchen, einen Interessensausgleich (z.B.: Umwelt - Industrie) herzustellen.

Rübig vertritt laut eigenen Angaben "Extrempositionen" für die Industrie, schreibt deren Forderungen oft einfach ab. Unreflektiert Positionen zu übernehmen kann tatsächlich jeder. Dafür muss er nicht gelernter "Schmied" sein...

Peter Eichorn
01
27.6.2011, 09:20
gute Antwort,

der ist nichts mehr hinzu zu fügen .

pollice verso
02
26.6.2011, 11:20
Der Unterschied zwischen Rübig und

Strasser, Graf Ali, Meischi, Hochegger, Plech & Co.

Der eine nutzt zweifellos seine politischen Verbindungen, um für sein Unternehmen Aufträge zu lukrieren. Dass er dann den Interessen seiner Auftraggeber affin ist, ist klar. So weit - so schlecht!

Aber die Leistungen der anderen kriminellen Baggage besteht ausschließlich in pol. Interventionen und Schmiergeldverteilung bzw. -annahme!

Das ist einfach sonnenklar. Wo, bitte, kann ein Meischi, Graf Ali, Strasser wirklich Expertise besitzen? Sie verrechnen aber genau dafür Leistungen im Bau-, Öl, Waffengewerbe, etc .....

Ich glaub kaum, dass Attac jetzt in der Verlegenheit wäre, dass ihnen die korrupten Schwarzen ausgehen - warum hauen sie dann auf den vergleichsweise harmlosen Rübig drauf?

Ulrich Nagel
70
26.6.2011, 10:14
Und was sagt CEO ueber die Gruenen Mitglieder im Ausschuss?

Rebecca HARMS De:
Goldmedaille der Arbeitsgemeinschaft der Wasserkraftwerksbetreiber Niedersachsen & im Politischen
Beirat der WKB
Satu HASSI Fi:
Mitglied des Verwaltungsrates Worldwatch (u.a. von Bill Gates finanziert).
Yannick Jadot Fr:
Mitglied bei Solagral, einer Organisation die die Interessen der Entwicklungslaender bei Konferenzen unterstuetzt.

Darf man nirgendwo mehr Mitglied sein? Warum sind informelle (unbezahlte) kontakte zu Firmen und Industrie schlecht.

Peter Eichorn
00
27.6.2011, 09:33
Ulrich

meinem Verständnis nach wird den betroffenen Poltitikern nicht die Mitgliedschaft an und für sich vorgeworfen, sondern die offensichtliche und sogar zugegebene einseitige Unterstützung für gewisse Interessensvertretungen und Industrien. Diese Volksvertreter wurden ja nicht von der Industrie oder den Interessenvertretungen gewählt, sondern von den BürgerInnen.
Es sei Jedem unbenommen, welche Interessen auch immer zu vertreten. Aber dann soll er als Lobbyist arbeiten und nicht als Volksvertreter.

mikromalist
 
06
26.6.2011, 10:01
OeVP möchte gerne

nackte Eigeninteressen mit Brancheninteressen "erklären". Allein dieses Erklaerungsmuster zeigt die systemische Korruption in dieser Partei.
Hätte Ruebig eine Bäckerei oder ein Internetportal für Tourismus, wäre er unverdaechtig, aber nein sein Unternehmen ist "zufällig"....
Bisher wurden Eigeninteressen ja ruhig vertreten - nur keine Wellen.
Dann kam Strasser, den Molterer jetzt noch als politisches Ausnahmetalent und Freund aus frühen Tagen lobt, der beschossen hat die geheimen Machenschaften stolz zu "veroeffentlichen" - ein Allmachtsphantastiker.

Wir glauben den durchsichtigen Abwiegeleien einfach nicht mehr.

agademius
34
26.6.2011, 03:07

Nichts über die Wirtschaftskompetenz der ÖVP!

Hier wird lediglich sauberst, transparentest und legalst und ausschließlich für das Allgemeinwohl gearbeitet!

Ich lasse mir die ökonomische Expertise und das seriöse Handeln der ÖVP nicht schlecht reden!

Die ÖVP hats einfach drauf, was Finance betrifft.
Mit der ÖVP rennt das Werkl einfach.

Max Kahlenberg
15
26.6.2011, 01:47
ÖVP=Korruption. Das ist natürlich SMS-technisch ein Fortschritt...

pollice verso
03
25.6.2011, 23:30
Also, ich seh das mit Rübig nicht so tragisch!

Während andere bar jeder Qualifikation sog. Beratungsunternehmen betreiben, die lediglich dazu dienen, Schmiergelder zu waschen und den Zahlungen keine wie immer geartete legale Leistung gegenübersteht, liefert Rübig doch tatsächlich Stahlketten uund andere Produkte.

Sich über Rübig das Maul zu wetzen, während Graf Ali unbehelligt herumspaziert und Haftentschädigung kassiert, mutet fast lächerlich an ....

Ar Mutschgerl
02
26.6.2011, 11:37
Jein

Ein Intressenskonflikt ist einml ganz objektiv gesehen gegeben.
Nur weil ein anderer och frei herumläuft heißt es nicht, dass wir jetzt die Augen komplett verschließen müssen vor anderen Fehlern.

Springender Jakob
02
25.6.2011, 23:16
Die Vorbildwirkung. Das ist die zweite und wirkungsschwerere Ebene solcher Elite-Repräsentanten.

die sophie1
15
25.6.2011, 22:03
@pirchner über rübig auf twitter:

was jene übersehen, die "Schmutzkübelkampagne" schreien: die Kampagnen richten sich gegen Schmutzkübel

"Nestbeschmutzer" schreien meist nur jene, die das Nest in erster Linie vollgekackt haben

strizzi50
02
25.6.2011, 20:52
EU wird Europäischer Untergang

Sir Karl Popper
112
25.6.2011, 22:19
Falsch: Konservative EU wird Europas Untergang

Sie stellen 13 Kommissare (inkl. Kommissionspräsident), nach der Regierungsumbildung in Portugal 17 von 27 Regierungschefs (inkl. Berlusconi, Sarkozy, Orban), den EU-Ratspräsidenten und derzeit auch den Präsidenten des EU-Parlaments.

Die Europäische Volkspartei ist auch (nicht nur die Österreicher) an den Lobbying-Unsitten hauptverantwortlich.

Krampert
 
05
25.6.2011, 19:53
einerseits ist es traurig, andrerseits ist es lustig, wenn ich mir den strasser vorstelle,

der jetzt in der tinte sitzt, und genau weiß, dass er im prinzip nichts anderes gemacht hat, aber für ihn ist das spiel vorbei :-).

rocky
00
25.6.2011, 17:36
ÖVP

War ich immer zuFrieden ;)

Der Menschenfreund
017
25.6.2011, 17:29
Die ÖVP scheint ein guter Nährboden für maßlos geldgierige Schmarotzer zu sein, die ihre politische Tätigkeit mit persönlichen Interessen verbinden!

So eine Partei ist doch nicht wählbar! Das sollte man bei der nächsten Wahl schon berücksichtigen.

klausenpown
222
25.6.2011, 17:10
Ja ich bin für Berufsverbot für Politiker

Für 8000 Euro Brutto, 14x im Jahr und eine ordentliche Politikerpension kann man doch erwarten, dass diese Abgeordneten mit diesem Gehalt auskommen und dass genügend Arbeit vorhanden ist, um eine normale Arbeitswoche zu füllen. Wenn es nebenbei noch möglich ist, zig Lobbyingfirmen zu betreiben und Beraterverträge zu erfüllen, haben wir offensichtliche einige Politiker zu viel.

Und wem dieses Salär zu gering ist, der kann sich ja hauptberuflich auf seine Berater- und Lobbyingtätigkeiten konzentrieren - sowas schlage ich auch dem Herrn Rübig vor.

Aber, ach ich vergaß, der Herr Rübig hat ja den Energiefirmen nichts anzubieten an know-how - er kann nur seinen Einfluss im EU Parlament verkaufen. Und dafür muss er Parlamentarier sein.

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