Griechenland und die Finanzmarkt-Hooligans: Europa im Zustand des Krieges

Kommentar der anderen | 24. Juni 2011, 19:33
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    Wo Gott wohnt? - Firmensitz der Agentur Fitch in New York.

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    Truppeneinsatz vor der Bank von Griechenland. - "Europa muss die Attacken der Finanzmärkte zurückschlagen" ...

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    ... oder die Vereinigung scheitert. Und wo Europa begonnen hat, wird es womöglich auch wieder enden: in Griechenland.

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    Gauß: Marktfundamentalisten in die Schranken weisen.

Der Schlachtenlärm in der Eurozone wird immer lauter, der Verlauf der Kampflinien immer unübersichtlicher - Von Karl-Markus Gauß

Werden wir Zeuge eines Vereinigungs- oder eines Verfallskriegs? - Versuch einer Frontenklärung

***

Vor zehn Tagen trat der neue Finanzminister Griechenlands, Evangelos Venizelos, sein Amt mit den denkwürdigen Worten an: "Ich verlasse das Verteidigungsministerium und ziehe in den wirklichen Krieg." Zu einem Krieg gehören mindestens zwei Parteien, die ihre Konflikte auf gewaltsame Weise austragen. Gewaltsam ist das, was sich heute im Europa der Finanzkrise tut, jedenfalls, und dass es dabei um nicht weniger als die Existenz eines ganzen Staates, ja um Wohlstand und Sicherheit aller Europäer geht, wird uns jeden Tage wieder gesagt. Nehmen wir also an, es ist Krieg in Europa und wir alle sind längst an ihm beteiligt: Wer kämpft dann gegen wen?

Nur selten ist es gelungen, dass souveräne und gleichberechtigte Staatsgebilde sich zu einem größeren Staatsverband vereinen: Geglückt ist es zum Beispiel der Schweizer Eidgenossenschaft und den Vereinigten Staaten von Amerika. Aber selbst da stellte sich der Erfolg erst nach Kriegen ein, mit denen die widerspenstigen, abtrünnigen Teile den neuen Vereinigungen endgültig eingegliedert wurden. In der Schweiz standen Kantone, die sich lieber für sich als für die Eidgenossenschaft entwickeln wollten, gegen andere, die diese nur für sinnvoll hielten, wenn die unter Eid vereinten Genossen auch bei ihrem Wort und beim gemeinsamen Staatenbund ohne Wenn und Aber blieben. In den USA kämpften der bürgerlich industrielle Norden des Landes, der flexible Lohnarbeiter benötigte, und der agrarische Süden gegeneinander, der ohne die zur Sesshaftigkeit verdammten Sklaven nicht auskam.

Ein Krieg neuen Typs?

Wer sind heute die abtrünnigen Kantone, wer die Sklavenhalter, und ist das Ziel des Krieges eigentlich die Vereinigung oder der Zerfall? Und gibt es womöglich auch Kriegsparteien, denen das eine wie das andere recht ist, wenn sie auf dem Wege dorthin nur ihre anderen Kriegsziele erreichen? - Glauben wir den Hooligans des Neoliberalismus, dann ist es das griechische Volk, das Europa den Krieg erklärt hat. Jahrelang haben es sich die griechischen Pensionisten in Nizza und Kitzbühel gut gehen lassen, und jetzt weigern sie sich, den Gürtel enger zu schnallen, was ihnen so schwer doch nicht fallen dürfte, da sie es ohnedies gewohnt sind, mit weniger als 600 Euro auszukommen. Mit ihrer Weigerung, sich zu Tode zu sparen, attackieren die Griechen rücksichtslos unsere Banken, unsere gemeinsame Währung, ja, Europa selbst.

Wenn das so ist, haben wir es mit einem Krieg zu tun, in dem die schwächste aller beteiligten Parteien über das Überleben der allerstärksten entscheidet. Merkwürdig genug, dass eine Volkswirtschaft, die zum europäischen Markt nur ein, zwei Prozent beiträgt, das Finanzsystem weltweit in Turbulenzen gestürzt haben soll. Wäre es so, würde es sich um einen völlig neuen Typ von Krieg handeln, in dem die überwältigende Schwäche des Schwachen die Stärke des Starken zunichte macht. Geht das so weiter, werden es bald die Hungerkünstler von Burkina Faso sein, die die Wall Street das Fürchten lehren.

Sehen wir es umgekehrt einmal so wie jene Abertausenden Griechen, die auf die Straßen gehen, weil sie glauben, "Europa", das mit diesem identifizierte "Deutschland", das Bankensystem habe ihnen den Krieg erklärt. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean Claude Trichet, hat kürzlich verlangt, die Bevölkerung Griechenlands müsse endlich die Verantwortung für Misswirtschaft übernehmen und den aufgeblähten Sozialstaat abbauen. Das hören bei uns nicht nur jene Krisengewinnler gerne, die den Sozialstaat ohnedies nicht für eine der großen Errungenschaften Europas, sondern für ein ökonomisches Hindernis halten, das es aus dem Weg zu räumen gilt; das gefällt vielmehr auch den rechten Populisten, die heute wie einst auf den "Sozialismus des dummen Kerls" setzen, dem sie nicht ohne Erfolg einreden, es müsste den Elenden anderswo nur endlich schlechter gehen, schon würde es seinesgleichen wieder besser gehen. Während das Preisniveau in Griechenland etwa dem in Österreich entspricht, liegt das Lohnniveau auf 40 Prozent des unseren. Stellen wir uns vor, ein österreichischer Angestellter, der nach 30 Arbeitsjahren auf 1.600 Euro netto kommt, würde stattdessen nur 640 verdienen und sich dafür tadeln lassen müssen, dass er nicht längst aus europäischem Finanz-Patriotismus für 560 Euro arbeitet! Er würde das für eine Attacke halten, die auf seine Existenz selbst zielt und hoffentlich noch zu begreifen versuchen, wie er in seine bedrängende Lage geraten ist, und wer dafür sorgt, dass aus ihr eine aussichtslose wird.

Schwere Last

Als Grieche müsste er da als erstes erkennen, dass sein Land bis heute eine schwere historische Last mitschleppt: Die Oberschicht hat sich das Staatswesen seit je als private Domäne unter den Nagel gerissen; all die bürgerlichen, bäuerlichen, proletarischen Schichten haben aus dieser Enteignung der ersten Stunde geschlossen, dass es nicht Betrug, sondern Notwehr ist, dem Staat vorzuenthalten, was er, um seine Aufgaben erfüllen zu können, benötigt: Steuern. In gewissem Sinne kommt auf die Griechen also die paradoxe Aufgabe zu, ihren Staat mit enormer Verspätung erst richtig aufzubauen, und das in einem historischen Moment, in dem dieser viele seiner Befugnisse bereits wieder an den neuen Staatenbund, an die Europäische Union abzugeben hätte. Aber mit Paradoxien müssen sie ohnedies leben, zum Beispiel damit, dass ihre Wirtschaft kräftig wachsen solle und sie gleichzeitig Zinsen gegenüber den internationalen Banken begleichen müssen, mit denen jede Volkswirtschaft der Welt zu ruinieren wäre. Vorige Woche stand das Zinsniveau für zweijährige Staatspapiere bei 28 Prozent, da kann man sich leicht ausrechnen, dass Griechenland, indem es pausenlos mehr Geld aufnehmen muss, nicht um Schulden zurückzuzahlen, sondern Kredite zu bedienen, damit nur immer höhere Schulden anhäufen wird.

Sparen, um sich zu verschulden, ist die Perspektive, die sich den Griechen bietet, und das ist etwas, was man früher, als Wucher noch für eine Sünde galt, als Zinsknechtschaft bezeichnet hat. Warum die Zinsen so hoch sind? Nun, ganz einfach, weil sie es sein müssen! Die ewigen Marktgesetze, gegen die die von der Physik beschriebenen Naturgesetze geradezu als beliebige, leicht veränderliche Regeln anmuten, gebieten es. Eher fliegt der Apfel vom Baum himmelwärts, als dass, wer hohe Schulden hat, dafür nicht immer höhere Zinsen zu zahlen hätte; oder als dass private und unkontrollierte Rating-Agenturen entweder hochriskante Wertpapiere als risikolos bewerten - wie sie es vor der Finanzkrise von 2008 getan haben - oder ganze Volkswirtschaften in den Konkurs treiben, indem sie sagen, ihnen Geld zu leihen, wäre hochriskant. Wie weit auch daneben liegt, was sie verlautbaren, es gewinnt auf dem Finanzmarkt Gesetzeskraft. Rating-Agenturen? Die sind von Gott eingesetzt worden, siehe elftes Gebot: Du sollst Rating-Agenturen über die Zukunft von Staaten und Menschen entscheiden lassen! Darum soll ihre Bewertungen auch kein Sterblicher überprüfen oder kritisieren dürfen. Wer es trotzdem wagt oder gar fordert, dass für das Roulett auf den Finanzmärkten bestimmte Regeln gelten sollen, den pflegen die Fundamentalisten der Marktreligion als gefährlichen Spinner abzutun, der die Aufhebung der Erdgravitation verlangt. Dabei möchte er, wesentlich bescheidener, daran erinnern, dass die Art und Weise, wie wir wirtschaften und welchen Finanzgesetzen wir uns fügen, trotz alledem von uns abhängt.

Anonyme Spieler

Rating-Agenturen, beispielsweise, könnte man sogar abschaffen, per Gesetz. Ob uns das alle Probleme vom Hals schaffen würde? Nein, alle nicht, aber ein paar schon. Der Vorschlag, die Rating-Agenturen weltweit zu entmachten, stammt übrigens nicht von ökonomischen Dilettanten, sondern von Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts; er behauptet, dass Pleite-Gerüchte, die von Rating-Agenturen ausgestreut werden, gerade jene Pleiten hervorrufen, zu denen es ohne sie und ohne die von ihnen bedienten Glücksspieler auf den Finanzmärkten, die manchmal eben auch auf die Pleite von Konzernen, den Untergang von Volkswirtschaften setzen, oft gar nicht kommen würde.

Nun ist es in Kriegen auch früher ziemlich unübersichtlich zugegangen, sofern sich nicht nur zwei Feinde gegenüberstanden, sondern mehrere Kriegsparteien, von denen eine jede ihre eigenen Interessen im Auge hatte und alle zusammen unsichere, oft wechselnde Allianzen schlossen. Heute ist das alles natürlich viel komplizierter. Es gibt die "asymmetrische Kriegsführung" mit Kriegsparteien, die grausam aus dem Hinterhalt zuschlagen oder mit Waffen operieren, zu denen sie gar keine Soldaten mehr benötigen; es gibt Kriegsparteien, die weder ein staatliches Territorium verteidigen, noch ein anderes erobern möchten, und es gibt gnadenlose Teilnehmer am großen Gewinnspiel, das Krieg heißt, die kein Gesicht und keinen Namen haben, nicht das eines Generals noch jenen eines Landes. Weil sich unter den "Finanzmärkten" niemand eine Person vorstellen kann, mit Namen und Gesicht, heißt das allerdings weder, dass die Finanzmärkte eine Obsession ihrer Gegner wären, noch dass auf ihnen nicht Individuen mit ihren bestimmten Zielen und Interessen agierten. Aber diese lassen sich nicht mehr so leicht beschreiben und ausrechnen wie die Ziele und Interessen von Kriegsparteien früherer Zeiten, weil die unsichtbaren und anonymen Spieler in dem großen Gewinnspiel keineswegs immer rational handeln, nicht einmal zweckgerichtet gemäß ihren eigenen Zielen und Interessen. Der sich ständig verschärfende Kampf der Finanzmärkte tobt sich vielmehr in eine Erhitzung hinein, in der gegebenenfalls auch alle Gewinne verbrennen.

Zocker können, müssen beherrscht werden

Fanatiker sind schwer auszurechnen. Gegen einen Terroristen, der bereit ist, sich selbst in die Luft zu sprengen, um seine Bombe am richtigen Ort zu zünden, ist wenig auszurichten. Wenn es nicht gelingt, die fanatischen Erzzocker des Finanzmarktes zu bändigen, geht jedoch mehr in die Luft als nur der Marktplatz dieser oder jener Stadt. Diese Zocker können beherrscht werden, aber natürlich nur, wenn man erkannt hat, dass sie beherrscht werden müssen; und sie müssen in die Schranken gewiesen werden, weil sie bereit sind, alles zu vernichten, notfalls auch sich selbst. Das Gesamtvolumen der Glücksspiel-Beute, um die sie wetten, soll sich auf rund 400.000 Milliarden Dollar belaufen. Da fragt man sich, wie die Milliarden, auf die die Schulden Griechenlands hinauf getrieben wurden, weltweit eine Finanzkrise verursacht haben können.

Vereinigungs- oder Zerfallskrieg? Beides ist denkbar: Dass die Europäische Union sich im Finanzkrieg um Griechenland als echtes gemeinsames Staatswesen erschafft - und dass die Union wie viele andere historische Vereinigungsprojekte zerfällt. Die erste, die Vereinigung gewissermaßen begründende Aufgabe der gestärkten Union ist es, die kriegerischen Attacken der internationalen Finanzmärkte zurückzuschlagen und den Primat der Politik über die Ökonomie zu verfechten; dazu müssten freilich auch jene Hasardeure innerhalb der EU gebändigt werden, die einst heftig den gemeinsamen Wirtschaftsraum gefordert haben, inzwischen aber in ihrem grenzenlosen Egoismus längst den Zerfall der Union fördern. Zerfällt die EU tatsächlich, wird über kurz oder lang auch der Krieg in seiner alten Form nach Europa zurückkehren. Kurz: Wo Europa begonnen hat, wird es womöglich auch wieder enden, in Griechenland. Oder es wird dort, von dort aus was Neues werden. (Kommentar der anderen, Karl-Markus Gauß, DER STANDARD, Print-Augabe, 25./26.6.2011)

KARL-MARKUS GAUSS, Jg. 1954, Schriftsteller, Essayist und Herausgeber, lebt in Salzburg; zuletzt erschienen: "Im Wald der Metropolen" (Zsolnay 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 271
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world-citizen
00
13.7.2011, 00:06
Im Burgenland sind die Lebenshaltungskosten ..........

........... annähernd gleich hoch wie in Wien, die Einkommen aber deutlich geringer. Die Menschen, die im Bgld. leben habe die Freiheit zu wählen, ob sie sich mit einem burgenländischen Einkommen bescheiden, oder nach Wien auspendeln oder auch weiter weg, etwa nach Tirol, Vorarlberg oder Bayern zum Einkommenserwerb gehen; oder gleich auf Dauer das Land verlassen und in fernere Länder ziehen. So gibt es über die Welt verstreut bekanntlich mehr Burgenländer als im Burgenland selbst. Und nun wollen wir mal das Wort Burgenland durch Griechenland ersetzen und dann stellen wir fest, daß es ein- und der selbe Sachverhalt ist. Über die Welt verstreut gibt es mehr Griechen als in Griechenland selbst. Verdienste sind nicht überall gleich.

selbst-denker
12
29.6.2011, 09:16
exzellent

und leider viel zu wenig verbreitet, sodass die sog. "masse" nichts davon erfährt, geschweige von den machenschaften der deutschen und französichen banken und deren regierungen, die griechenland gezwungen haben und zwingen (!), rüstungsgüter von dort in milliardenhöhe nach wie vor zu kaufen - auf pump natürlich. d.h., d und f bedienen sich selbst und lassen zuerst die griechen bluten und fleißig an private ihr staatssilber verscherbeln, um dann die steuerzahlerInnen zur kasse zu bitten. dazu gehören aber auch wir österreicherInnen, die um ihre kredite bangen. die einzige lösung heißt: die oberschicht massiv zur kasse bitten samt enteignungen, die ratingagenturen ignorieren, die banken auf ihre ursprgl. aufgaben zurückführen ...

MOAN
00
29.6.2011, 05:34

der unvermeidliche "Schriftsteller" ohne Tau von irgendwas...

Urknall_2011
00
27.6.2011, 13:43
... der größte Teil dieser Posts ist leider recht einseitig!

vom ersten bis zum zuletzt gelesenen Kommentar[en] sind ziemlich alle der zentraleuropäischen Sicht sowie der englichsprachigen resp. deutschen und österreichischen Verdummungspresse zuzuordnen...
Etlichen Beiträgen kann ich voll zustimmen was zu sog. Neoliberalismus und °Bankstern° gepostet wurde.
Das System Dieser ist ja offensichtlich! Nur die, die im Glashaus drinen sitzen werfen ja sicher nicht mit Steinen ...
Wer da allerdings wirklich mitdiskutieren und besonders über den Tellerrand blicken will, muss wirklich aus d. Perspektive Griechenlands blicken - und das benötigt zumindest 1¼ Stunden - da gibt es ein bisserl AUFKLÄRUNG v. d. VERBLÖDUNGSSTRATEGIE unserer v. d. Bankstern gekauften Medien - http://dai.ly/ma5Dx0 - Take a look !!!

Trustme78
25
26.6.2011, 17:35

Und wenn die Europäische Ratingagentur morgen ihre Arbeit aufnimmt, der Politik weisungsgebunden und besetzt mit ausgewählten Experten aus der österreichischen AK, ein paar Theologen, Soziologen, Philosophen und Schriftstellern - und Griechenland ein AAA-Rating gibt, dann ist alles gut oder wie?

waldenoderlebenindenwäldern
 
11
26.6.2011, 17:28
Die Apologeten des Hajek und Friedmann wirtschaften vergessen

auf leonardo da Vinci und alexander Humboldt . Wird auch heute noch Menschen geben die in größeren Zusammenhängen denken können als jene.Was der Mainstream der Finanzelite heute verbreitet ist doch nur eloquenter Starrsinn.Selbst die vergangenen Wirtschaftsnobellpreisträger tragen den überwiegend schwachsinnigen Hajek und Friedmann Wirtschaftskurs nicht mehr mit.

amber103
21
26.6.2011, 22:48

Nun, gerade in den USA wurde und wird dem Keynesianismus heftig gehuldigt. Das System der Weichwährung führte schon seit Jahren zu einer recht weitreichenden Deindustrialisierung. Dazu werden sein einigen Jahrzehnten auch Monopole und Oligopole nach Kräften unterstützt, sodass heute die Produktion gar nicht anspringen kann, weil das Realvermögen (neue Maschinen, Fabriksanlagen, Netz von Zulieferfirmen...) schlicht und ergreifend fehlt.

Mit Hayeks Werken lassen sich viele der Fehlentwicklungen schlüssig erklären.

Dass es doch noch Ökonomen gibt, die den Unsinn des billigen Geldes und des Verschuldungsexzesses erkennen, kannst du ganz aktuell hier nachlesen:
http://www.ftd.de/60069960.html

Linus Tintifax
12
27.6.2011, 08:11
falsch

die politik des billigen geldes so mir nichts dir nichts auf keynes zurückzuführen, ist schlicht (und bewusst?) irreführend weil das dazugehörige wirtschaftssystem einfach außen vorgelassen wird. keynes war nämlich ein scharfer kritiker des kapitalismus. dazu ein ein zitat von ihm: "der kapitalismus beruht auf der merkwürdigen überzeugung, dass widerwärtige menschen aus widerwärtigen motiven irgendwie für das allgemeine wohl sorgen werden."

Linus Tintifax
01
26.6.2011, 17:11
reich gegen arm

wie multimilliardär warren buffett in seiner unendlich anmaßenden und herablassenden art feststellte: "es herrscht krieg, reich gegen arm. und wir, die reichen, gewinnen."
es liegt an der ungleich größeren gruppe der (relativ) armen, buffett lügen zu strafen.

geld für alle
01
26.6.2011, 16:39

rating agenturen: ich glaube kaum, dass sich zockerfirmen mit mrd-budgeds an ratinagenturen orientieren

das problem allgemein: es gibt zuviel konzentriertes spielkapital, das zuwenig realen investments gegenübersteht --> daher kommt die lust auf wetten. billionen über billionen

Kontra
00
26.6.2011, 17:06

Ja, und daran tragen die Politiker, die ihre Saaten verschulden und Steuergeld in riesigem Ausmass in Zinsen = Finanzkapital umwandeln, massgeblich dazu bei.

postermodern
10
26.6.2011, 15:09

http://www.youtube.com/watch?v=34AxRJFakdQ

ein zweischneidiger text aus heutiger perspektive -
aus einer zeit, in der rendite, profitstreben, wettbewerb noch nicht über allem standen.

nehmen wir es als hymne an ein wunderschönes land - und ein hoch auf die dinge, die im leben wirklich wichtig sind - schade, dass dieser geist angesichts eines brutalen finanzkapitalismus (und aller seiner nebenwirkungen) fast schon in vergessenheit geraten ist.

Toxo Logic
 
103
26.6.2011, 14:35

Das Problem von Leuten wie Gauss ist, dass sie die wirtschaftlichen Zusammenhänge auch nicht verstehen und gleich wie Politiker nur mehr Populismus betreiben.

Erotokritos
14
26.6.2011, 14:59

Dass Gute an Gauss ist, dass er kein Politiker ist und somit immer nur dasselbe nachplappert.
Siehe Einstein:
Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben.

Kontra
23
26.6.2011, 15:44

Er sollte jedenfalls nicht versuchen, die Gegebenheiten in das eigene ideologische Weltbild zu pressen, Stichwort: 'Hooligans des Neoliberalismus' Wow! sondern unvoreingenommen an die Themen herangehen. Ich weiß, das ist schwer, aber wenn man sich schon als Laie so exponiert, sollte ein wenig Mühe schon vorausgesetzt werden können.

waldenoderlebenindenwäldern
 
00
26.6.2011, 17:32
Wo ist da kein

Laie?.

Stampfender Wüterich
12
26.6.2011, 15:52
'Hooligans des Neoliberalismus' kommt sehr gut

hin ...

Kontra
12
26.6.2011, 17:04

Es ist ein originelles, dennoch aber stumpfsinniges Schlagwort. Wer ist neoliberal? Ein Banker, weil er ein Banker ist, oder, weil er einem Staat Geld borgt? Wann ist er es nicht? Ein Papandreo jetzt? Oder ein Politiker der rechtzeitig spart? Alle 27 Regierungschefs und Finanzminister gegenüber Griechenland? Was zeichnet den Neoliberalen aus?
Antwort: Es ist ein Schlagwort, ein Kampfvokabel der Linken, ohne konkreten Inhalt über den man sachlich diskutieren könnte. Es sind immer die Anderen, selbst ist man das nie.
Ja und Hooligan ist ja dann ein ganz fieser Neoliberaler. Eine Steigerung des Nichts. Früher waren es die bösen Geister, dann die Hexen, dann die Ausserirdischen, jetzt sind es die Neoliberalen!

waldenoderlebenindenwäldern
 
00
30.6.2011, 18:36
blödes Argument

Neoliberal ist, eigenes "Wohlbefinden"weitaus höherzustellen als das Wohlbefinden einer ganzen Gemeinschaft,Wohl bekomms.

amber103
02
26.6.2011, 16:41

Wirklich? Waren es nicht viel eher ganz konkrete Politiker und Notenbanker, die aus populistischen Gründen das Entstehen der Blase ermöglichten, und diese auch noch kräftig förderten, als sie eigentlich schon am Platzen war?

Diese konkreten Politiker haben Namen: Bill Clinton, G.W. Bush, Alan Greenspan,"Helicopter" Ben Bernanke, Hans Eichel, Wim Duisenberg, JC Trichet, Jacques Chirac,...

Viel einfacher ist es natürlich gegen anonyme Irgendwas zu polemisieren, deren Wirken sich meist gegenseitig aufhebt.

ArminK
00
26.6.2011, 20:41

Hey, Bruno Kreisky, nicht vergessen. Er lebte etwas vor meiner (politischen) Zeit, hat mir netterweise mein Studium finanziert; leider auch Korruption- und Vetternwirtschaft laufen lasssen, notwendige Reformen verschleppt. Also der "Parade-Erz-Neoliberale", praktisch, fast schon Hooligan.

amber103
14
26.6.2011, 14:22
+Die Botschaft erzürnte Apollon so sehr, dass er den Überbringer der Botschaft bestrafte.

Ratingagenturen eignen sich hervorragend als Sündenböcke. Sie sind Anonym, haben ein schlechtes Image, und vor allem weit weg.

Tatsache ist, dass es 2008 eine Reihe von Ökonomen gab, die angesichts der damals bekannten Zahlen aus Griechenland, die Finanzierbarkeit der Schulden heftig anzweifelten, als die Bonität durchaus noch gut war.
Ja, die Ratingagenturen machten Fehler, sie haben sich von den griechischen Statistiken täuschen lassen.

Wenn der Autor meint, dass 25% für zweijährige Anleihen zu viel sei, so möge er doch angeben, wieviele griechische Anleihen er persönlich schon gezeichnet hat.

Linus Tintifax
00
26.6.2011, 16:52
lesen hilft

für gauss - und sicher nicht nur für ihn - messen ratingagenturen mit zweierlei maß. quot erat demonstrandum anno 2008...

as asdad
11
26.6.2011, 13:29
"Aber keine Art Bankengesetzgebung kann die Krise beseitigen."

Sagte dereinst Karl Marx treffend in seiner Analyse des Kapitalismus.

Es gibt keinen Primat der Politik über die Ökonomie. Die Politik ist genauso von der Ökonomie abhängig, wie auch umgekehrt diese von der Politik. Beides, der loyale politische Tausch der Gewalt gegen Sicherheit, wie auch der ökonomische Tausch, der Arbeitskraft gegen Geld, sind zwei Seiten einer Münze.

Wer glaubt, dass es einen Primat der Politik gäbe, vergisst, dass Sozialausgaben bezahlt werden müssen, dass Planwirtschaft die Anarchie des Marktes nicht beseitigen kann (siehe UDSSR), dass Abschottung gegen den Weltmarkt ins Elend treibt (autarke afrikanische Staaten), dass Politbosse über Finanzbosse, die finanzielle Gewalt mit der rohen Gewalt auswechselt.

Karl Labruni
13
26.6.2011, 13:25
Die Hauptkampflinie ist ganz klar ersichtlich, wird aber tabuisiert!

Sie verläuft im Atlantik!

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