Stress für Europas Banken, aus Athen und aus London

24. Juni 2011, 19:43
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Europas Bankenaufseher verschärfen angesichts der Griechenland-Krise die Kriterien für den Stresstest

Analysten rechnen mit Kapitalbedarf in der Peripherie Europas. Der Kern dürfte hingegen verschont bleiben.

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Wien/London - Europas Banken stehen angesichts der jüngsten Krise in Griechenland weiter unter Druck. Am Donnerstag hat die europäische Bankenaufsicht EBA den Stresstest für die 90 größten europäischen Banken verschärft. Die Geldinstitute müssen nun einheitlich höhere Abwertungen von Staatsanleihen vornehmen, mahnten die Bankaufseher in London ein. Die Ergebnisse sollen Mitte Juli veröffentlicht werden.

Die Aufseher monierten bereits beim Durchsehen der Unterlagen Anfang Juni, dass einige Banken ihren Berechnungen "übertrieben optimistische" Annahmen zugrunde gelegt haben, um im Stressfall über den fünf Prozent an Kernkapital zu liegen. Das offizielle Stresstest-Szenario sieht aber keine Abschreibungen von griechischen Anleihen im Bankbuch vor (dort werden rund 80 Prozent der Staatsanleihen gehalten). Die EBA hat den Stresstest als streng genug verteidigt. Der Test schafft Transparenz, denn mithilfe der offiziellen Daten können sich Investoren ein eigenes Bild machen.

Düsteres Szenario

Tatsächlich malen die Märkte ein sehr düsteres Szenario angesichts der Griechenlandkrise. Denn Banken sind am Donnerstag erneut in den technischen Bärenmarkt gefallen. Der Stoxx 600 Bankenindex ist seit Ende Februar um über 22 Prozent gesunken, und liegt damit so tief wie zuletzt im November. Der Markt ist weiter angespannt. So schickte die Ratingagentur Moody's am Freitag Italiens Bankaktien auf Talfahrt. Der Ausblick für 16 Banken wurde auf "negativ" gestellt, UniCredit und Intesa Sanpaolo verloren an der Börse mehr als vier Prozent.

Analysten und Ratingagenturen sind damit beschäftigt, die schwachen Banken noch vor dem offiziellen Stresstest zu identifizieren. Im Falle einer Griechenland-Umschuldung könnten auch einige Banken in Kernländern deutlich mehr Kapital benötigen, befürchten etwa die Analysten von Nomura. Besonders die französischen Banken seien von so einem Szenario betroffen. Die Ratingagentur Fitch gibt hingegen für die meisten Banken Entwarnung für eine Griechenland-Umschuldung. Die direkten Kosten wären gering, weil das Volumen der direkten Kredite sehr gering sei (siehe Grafik), nur vier Prozent des Eigenkapitals. Das Risiko sei hingegen, dass die Ansteckungsgefahr einer ungeordneten Abwicklung hoch wäre, da die "Banken noch ihre Bilanzen reparieren müssen".

Auch die Analysten von Citigroup schätzen, dass es "im Kern Europas keinen Kapitalbedarf" gebe. Drei spanische Banken, die von Citi analysiert werden, würden hingegen frisches Geld benötigen, etwa die Großbank BBVA. Insgesamt würden höhere Finanzierungskosten und die steigende Zahl notleidender Kredite das europäische Bankensystem Verluste von 112 Mrd. Euro bescheren. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.6.2011)

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