Entscheidung in Griechenland

Thomas Mayer, 24. Juni 2011, 18:02

Europas Hilfsbereitschaft ist maximal, sie könnte aber in Athen grausam scheitern

Seit dem Ausbrechen der Banken- und Finanzkrise vor knapp drei Jahren ist es in nicht wenigen EU-Ländern fast schon zum Volkssport geworden, den Euro und die Europäische Union zur Wurzel aufkommenden Übels in den Nationalstaaten zu erklären. Tendenz stark steigend.

Das gilt insbesondere im Zentrum des Wohlstandskontinents, wo Öffnung, Integration, EU-Erweiterung lange als Garanten der Entwicklung galten - in Deutschland, den Niederlanden, aber auch in Österreich.

Nun ist einerseits schon klar, dass - auch schonungslose - Kritik an den herrschenden Verhältnissen und ihren Machthabern zur Grundausstattung jeder gefestigten Demokratie gehören. Das Totschlagargument, dass jene "schlechte Europäer" seien, nur weil sie die Defizite der Union beklagen, war immer ein schlechtes.

Aber auf der anderen Seite ist es schon gespenstisch, wie rasch und breit sich legitime Kritik durch die Angst vor dem wirtschaftlichen Abstieg in nur kurzer Zeit in strikte Ablehnung, gar Hass auf "die EU" und "Brüssel" verwandelt hat. In Internetforen muss man nicht lange suchen, um ganze Kaskaden an pauschalen Attacken und Vorurteilen gegenüber der EU und Spitzenpolitikern zu finden, weil diese den in ihrer Existenz bedrohten EU-Ländern in Südeuropa mit Milliardenkrediten zu Hilfe kommen. Auf der politischen Ebene findet sich das in den simplen Parolen wieder, wie sie ein Heinz-Christian Strache oder eine Marine Le Pen in Frankreich höchst erfolgreich unter die Leute bringen.

Da ist allen Ernstes von der Union als "totalitärem Gebilde" die Rede, werden Bürger der schwach entwickelten Länder in Bausch und Bogen als Diebe und "faul" hingestellt. Die Union, so die unterschwellige Botschaft der Neopopulisten, sei deshalb gerade dabei zu explodieren, man müsse raus aus dem Euro und zurück in die nationalen Währungen.

Nichts wäre falscher als das: Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, was es bedeuten würde, wenn die Gemeinschaft an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte jetzt Griechenland die Unterstützung entziehen würde. Ein solcher Akt des Solidaritätsentzuges zwischen eng verbundenen Staaten wäre - wie eine Entsolidarisierung der Menschen in jeder Gesellschaft auch - vermutlich der Anfang vom Ende der Union. Wenn man Athen fallen ließe, mit welchem Argument rechtfertigte man dann, dass dies nicht auch für Portugal, für Irland, vielleicht einmal für Spanien und so weiter gelten müsste?

Die jüngste Entscheidung der EU-Spitzen, für die schuldengeplagten Griechen erneut einzuspringen, war daher politisch richtig, so riskant das Manöver finanztechnisch auch erscheinen mag. Überhaupt ist es angebracht, was die Lösungskompetenz der Staats- und Regierungschefs betrifft, nicht ganz pessimistisch zu sein. Vor einem Jahr waren sie vom drohenden Bankrott der Griechen noch kalt erwischt worden. In einem Jahr haben sie nun ein taugliches Eurostabilisierungssystem geschaffen, private Gläubigerbeteiligung inklusive.

Gewonnen ist der Kampf, in dem Europa und der Euro sich befinden, damit freilich noch lange nicht. Die Entscheidung darüber, ob die Rettungsaktion gelingt, fällt in Griechenland selbst. Wenn die griechischen Bürger nicht in der Lage sein sollten, die vielen Kredite auf Jahre hinaus für Reformen zu nützen, geht der Kampf verloren. Aber einen Versuch ist das mehr als wert. (Thomas Mayer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.6.2011)

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EIN ARMER GRIECHER = EIN REICHER ÖSTERREICHER ! turkiya1-ellada1@newyorkemail.net

'Politisch richtig' = faktisch falsch.

Sehr geehrter Thomas Mayer

Ihre Meinung in Ehren, hier handelt es sich keineswegs um einen Volkssport wie sie es nennen.

Es geht hier um eine sachliche Auseinandersetzung mit der EU und dem Euro. Es gab warnende Stimmen von angesehenen Ökonomen und kritischen, humanen Geister, die sich das Gebilde der EU genauer ansahen und festhielten, dass sich dieses Konstrukt namens EU und der politisch gewollte Euro schwere Konstruktionsfehler aufweisen.

Wenn sich jetzt das "gemeine" Volk ebenfalls kritisch mit der Materie auseinandersetzt, sollte man das von politischer Seite aus respektvoll würdigen und nicht dem Bürger Unmündigkeit attestieren. Dieses durchsichtige Manöver hat der Bürger zur genüge satt, am Ende zahlt er die Rechnung. Sprichwörtlich.

sie dürfen dies doch nicht so klar formulieren, sonst verstehen die sie ;)

Ob man gescheitert ist, ist auch eine Frage des Ziels.

Ein Ziel könnte sein, Griechenland zu retten und zu sanieren, ohne Umschuldung. Das schaut sehr schwierig aus.

Ein anderes Ziel könnte sein, die anderen Problemstaaten, wie Portugal und Spanien, zu stabilisieren so dass sie nicht mit Griechenland fallen würden - und wenn das geschafft ist würde eine griechische Pleite möglicherweise auch akzeptabel sein...

war on euro

mit dem zerfall der währungsunion wäre der nicht deklarierte "war on euro" gewonnen, war ja auch zeit
einen potentiellen konkurrenten zur weltwährung zu beseitigen

einen toten gaul zu reiten, kann nur grausam scheitern.

woher soll denn in griechenland das zum rückzahlen der schulden notwendige wirtschaftswachstum herkommen ? von noch mehr gepanschtem olivenöl ? oder noch mehr chemischem retsinawein ? wird eher eine dauerunterstützung von so etwa 60 milliarden euro pro jahr.

wieso wird der zahlsouverän vor der "rettung" nicht gefragt ?

die eu ist doch angeblich so transparent und demokratisch. unser quackender kanzler hat doch auch versprochen,uns bei wesentlichen änderungen der eu verfassung zu befragen. ist ein bruch der verfassung ( zahlungen an eu-länder sind derzeit definitiv ausgeschlossen ) nicht wesentlich genug ? oder hat er es nicht so gemeint, sondern anders ? zuerst etwas behaupten, dann flexibel umkehren und das gegenteil vertreten soll bei europäischen politikern und speziell bei unserer spö ja nicht so selten vorkommen. vertrauensbildend ist es aber sicher nicht. auch der naivste kommt langsam drauf, wie die eu wirklich tickt, und wie demokratisch sie ist.

der vertrag von lissabon ist sehr wohl totalitär

demokratie kann nur funktionieren wenn die geldmengensteuerung (m3) demokratisch ist.

Und ein Geldsystem kann nur funktionieren, wenn die Geldmenge eben nicht willkuerlich ausgeweitet werden kann. Egal ob korrupte von Banken bestochene Notenbanker oder Parlamente "quantitative Easing" beschließen, die Auswirkung ist immer eine Fehlallokation und damit Wohlstandsverlist. Langfristig funktionier nur ein Goldstandard, fuer andere Systeme ist der Mensch zu korrupt und zu dumm.

großer irrtum

denn gold ist begrenzt und hat auch einen besitzer. dieser besitzer kontrolliert dann die geldmenge.

gold+silver ist da schon besser:

http://en.wikipedia.org/wiki/The_... _the_story

man kann aber auch kerbholz verwenden:

http://en.wikipedia.org/wiki/Tall... plit_tally

warum haben wir eigentlich

keine unabhängige Institution, die das Geld verwaltet? Der Politik gehört das freie Verfügungsrecht über das Geld entzogen. So in etwa wie in der Schweiz.
Bei uns werden vor Wahlen die Milliarden nur so rausgeschossen. Für die Bezahlung der Zinsen nehmen wir dann Kredite auf. Da stellt sich schon die Frage, ob da mündige Politiker als Verantwortungstrräger am Werk sind.

hihi

... Sie glauben im ernst, dass die politik das geld macht?

na gut, ich will Sie nicht hindern an Ihrem glauben ...

Natürlich

der Staat bestimmt die Geldmenge. Nur, jene Politiker, denen anscheinend die Qualität für eine vorausschauende Gestaltung des gesetzlichen Rahmens fehlt, versuchen jetzt der Bevölkerung anderes einzureden.
Die Staats- und Regierungschefs als die Käpitäne der jeweiligen Staaten legen fest, wohin die Reise geht. Wenn ein Schiff gegen ein Hindernis kracht, zu sagen, der Steuermann oder der Schiffsjunge ist schuld, weil er was tun oder etwas nicht hätte tun sollen, ist billig.

nein die banken bestimmen die geldmenge m3

Man muss sich endlich eingestehen....

....wie der Mensch wirklich tickt. Und man sollte daher Träumereien von Größenwahnsinnigen und geschäftliche Interessen von Finanzhaien raschest abstellen.

Alle großen Massierungen der Geschichte sind an Überdehnung gescheitert.

Kein Volk - auch nicht die Griechen - wird in Nachbarschaft von Wohlstand extreme Sparprogramme ernsthaft durchziehen.

Kein Volk - auch nicht europäische Nettozahler - werden bereit sein, in Fässer ohne Boden zu zahlen.

Die Lügen die uns da aufgetischt werden, müssen letztlich zu erheblichen politischen Umwälzungen führen.

Das Schlagwort vom !in Fässer ohne Boden zahlen" ist strohdumm - was glauben Sie, was wie alle erst bezahlen werden, wenn GR pleite geht und alle Banken krachen ???

Danke für "strohdumm".....

.....ich meine Griechenland ist nicht zu retten, weil die Bevölkerung nicht mitspielt.

Was Sie befürchten tritt in jedem Fall ein und jenes Geld, das vor der großen Pleite fließt ist im Fass ohne Boden. Ein paar Banken werden darum rittern, unter dem Fass etwas abzufangen.

Wenn Sie sich ein bisserl informieren, werden Sie lernen, das der sogenannte Westen kaum noch zu retten ist, außer mit allgemeiner, massiver Bescheidenheit und neuen Spielregeln für die Banken.
Freie Wirtschaft heißt auch, dass wer Kredite nachschmeißt, dafür das Risiko zu tragen hat.
Man sollte daher zurst die Ursachen der Pleite "nachhaltig" beheben. Sonst haben wir in anderen finanzmaroden Ländern den gleichen Ärger.

Die Rettung der Banken, (nicht der Besitzer der Banken) kommt viel billiger, als die Rettung der Schuldner.

Banken vs Besitzer von Banken

Wie soll man das trennen koennen?

In dem man durch eine Kapitalerhöhung die Altanteile verwässert. Altbesitzer müssen dann sehr viel Privates Geld zuschießen, oder verlieren Einfluß und Gewinnanteil.

Interessant

Danke.

ohne einen Plan B, geb ich Ihnen recht.

Tja, wirklich dumm

Kann sein, dass ihre Einschätzung richtig ist,

aber haben es nicht diese "zu Unrecht" gescholtenen Politiker zugelassen, dass Griechenland sich mit getürkten Zahlen sozusagen den Euro erschlichen hat?
Man hat gewusst, dass die Zahlen nicht stimmen können, hat aber einfach darüber hinweggesehen.
Machen die das bei Kroatien wieder? Schnell, schnell rein, und dann kuck ma mal?

"hat aber einfach darüber hinweggesehen"

Das Problem war, dass sich Rot/Grün in Deutschland mit seiner Schuldenpolitik selbst über die Konvergenzkriterien hinweggesetzt hat. Und sagten, ja wenn wir, warum dann die Griechen nicht auch.

http://www.youtube.com/watch?v=-RbJnRftXx8

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