Wo die ganz Großen spielen

24. Juni 2011, 18:00
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Junge Schauspieler erkunden die Burg

Wien - "Was für ein Gefühl!" Gwendolin, Nachwuchsschauspielerin vom Theater am Ortweinplatz Graz, steht auf der Bühne des Burgtheaters und blickt in den Zuschauerraum für rund 1400 Menschen. Keine Spur von Hektik, obwohl in einer guten Stunde die Besucher hereinströmen werden. Bis auf einen Klavierstimmer ist die Bühne verwaist. Gwendolin und zehn ihrer Jungschauspielerkollegen spähen unterdessen hinter die Kulissen von einem der bedeutendsten deutschsprachigen Theater.

Nach mehr als 20 Jahren in der Burg kennt Publikumsdienstleiter Karl Heindl alle Winkel und Geschichte(n): Schon seit 1776 hatte das Teutsche Nationaltheater, damals allerdings noch am Micha-elerplatz, die schichtenübergreifende "Sehnsucht nach geistiger Nahrung" gestillt - ein Service, den Kaiser Josef II. für unabdingbar hielt. Nachdem das Haus zu klein geworden war, übersiedelte das Ensemble ins heutige Burgtheater: Nach 14jähriger Bauzeit wurde das letzte Prunkgebäude am Ring 1888 fertiggestellt.

Nach dieser Einführung geht es in die Maschinenräume unter der Bühne, vorbei an einem Feuerwehrmann. "Kurz vor jeder Vorstellung wird der Brandschutz überprüft", erklärt Heindl. Im Ernstfall trennt der elf Tonnen schwere Eisenvorhang die Bühne vom Zuschauerraum. Ob er schon einmal zum Einsatz gekommen ist? "Nein, zum Glück noch nicht."

Im stählernen Bauch des Theaters werden die Mechanismen der Bühne erklärt. Fazit: Alles ist möglich - auch alle Arten von Unfällen. In der aktuellen Inszenierung von Yasmina Rezas Gott des Gemetzels etwa kippt die ganze Bühne langsam in Richtung Zuschauerraum, was schon zu so manchem Abrutsch führte. Anekdoten wie diese machen den aufwändigen Theaterbetrieb anschaulich: "Die Professionalität der Burg begeistert mich", sagt Ursula, Darstellerin vom Theaterclub intergroup aus Graz - auch wenn sie selbst am liebsten tanzt und ihr schon kleinere Bretter die Welt bedeuten, die Möglichkeiten sind faszinierend: "Schon wenn es eine professionelle Maske gibt, ist das ein ganz anderes Gefühl." Am Freitagabend führte ihre Truppe das Stück Yvonne, Prinzessin von Burgund im Kasino am Schwarzenbergplatz auf. Dort saßen 200 Zuschauer - ein guter Anfang.  (Lisa Arnold, Florian Bayer/ DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.6.2011)

  • "Schaut mal!" - Insider Heindl erklärt die Burg.
    foto: reinhard werner

    "Schaut mal!" - Insider Heindl erklärt die Burg.

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