Europaweit

Kennzeichnung der Lebensmittel soll vereinheitlicht werden

24. Juni 2011, 17:40

Ein "Nährwertkästchen" muss gut lesbar auf der Vorderseite angebracht werden

Der Gesetzgebungsmarathon der EU, von EU-Parlamentariern gern als Pingpong bezeichnet, geht in Sachen Lebensmittelkennzeichnung zu Ende: Bis auf wenige Details stehen die gemeinsamen Regeln fest. Bis zum Herbst, spätestens zum Jahresende dürften die Regeln im Amtsblatt der EU veröffentlicht sein, so die EU-Abgeordnete Parlamentsberichterstatterin Renate Sommer, eine Christdemokratin.

Damit geht eine gut dreijährige Arbeit zu Ende, von der Sommer anlässlich eines Seminars über "Food labelling" vor Journalisten sagte, es habe "riesiges Lobbying von Seiten des Lebensmittelsektors" gegeben. Vor der 2. parlamentarischen Lesung seien die Versuche zur Einflussnahme "richtiggehend unverschämt" geworden.

Laut Glenis Willmott, einer britischen EU-Abgeordneten, wurde vor allem von Seiten der Tiefkühl- und Fertigwarenhersteller Druck ausgeübt. Allerdings, so Sommer, "man muss sich alle Seiten anhören, um sich ein Bild über die Anforderungen machen zu können".

Verbraucher werden also in Zukunft schon auf der Vorderseite eines Produkts über die wichtigsten Lebensmittel-Kennzahlen aufgeklärt werden: Energie in kJ und Kcal. Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlehydrate, Zucker, Eiweiß und Salz in Gramm, und zwar jeweils bezogen auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter. Diese wichtigsten Angaben, die als "Nährwertkästchen" bezeichnet werden, müssen in einer entsprechenden Schriftgröße und vor gut lesbarem Hintergrund angebracht werden.

Lebensmittelimitate wie Analogkäse (ohne Milch) oder Schummelschinken (Wasser, Gelatine und wenig Fleisch) müssen durch Angabe der Ersatzzutat auf der Verpackung klar identifiziert werden können. Allergene sollen auf den ersten Blick zu erkennen sein. Außerdem wird es zu umfangreichen Herkunftsbezeichnungen für Frischfleisch kommen, auch bei Fertiggerichten. Derzeit gibt es lediglich eine Herkunftsbenennung bei Rindfleisch.

Ampel kommt nicht

Die sogenannte "Ampel-Kennzeichnung" (mit drei Signalfarben wird schnell signalisiert, ob ein Lebensmittel gesund ist oder nicht), wird in der EU bekanntlich nicht eingeführt. Da sie aber in Großbritannien recht erfolgreich ist, wird ihr von britischen EU-Abgeordneten nachgetrauert. Der Konservative Struan Stevenson verwies auf den erzieherischen Effekt von Ampel-Lösungen. Er kenne einen großen Chips-Hersteller, der den Salz- und Fettgehalt seiner Ware zurückgenommen habe, um von der ungünstigen Farbe rot wegzukommen.

In Österreich wird die EU-Regelung größere gesetzliche Umbauarbeiten nach sich ziehen. Derzeit gibt es nämlich keine Regelung für staatliche Gütezeichen, da die Gütezeichenverordnung zum Jahreswechsel ausgelaufen ist. Im Gegensatz zu Gütesiegel, die private Initiativen regeln, gibt es also keine gesetzliche Grundlage für wichtige Bezeichnungen wie dem AMA-Gütezeichen. Im Regierungsprogramm ist allerdings vorgesehen, die gesetzliche Lage für Gütezeichen auf eine neue, moderne Basis zu stellen. Die ausgelaufene Gütezeichenverordnung stammte nämlich aus der Zeit des Nationalsozialismus, aus 1942. (Johanna Ruzicka aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26. Juni 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 111
1 2 3
der schwitzbär der schwitzt sehr
14
26.6.2011, 15:35
Ich spendiere mal ein Stück Journalismus

der erhellt die Brüssel-Verlautbarungen vielleicht

http://www.wiwo.de/technik-w... en-468301/

Mahlzeit !

der Xote
04
26.6.2011, 14:46
AMA-Gütezeichen-Verarsche!

Auch polnisches Fleisch bekommt das AMA-Gütezeichen, wenn es in Österreich gut verpackt/weiterverarbeitet wurde, da somit mehr als 50% der Wertschöpfung in Österreich liegt.

Soviel zu unseren zahnlosen Gütezeichen!

Mathias
 
00
27.6.2011, 12:47
Moment!

Sind das nicht diese unsagbaren Lebendtiertransporte, weil der polnische Schlachthof günstiger ist, und der Betrieb noch eine Exportförderung bekommt?

Salz Burger
01
27.6.2011, 13:46

Exportförderung gibt es innerhalb der EU nicht. Sie haben aber recht, der Schlachthof ist ganz entscheidend. Ich kenne den Manager eines Agrarbetriebes in der Slowakei, der lässt seine Rinder im 500 km entfernten Schlachthof hier in Salzburg schlachten, weil er dort einen guten Preis bekommt und vor allem gleich bezahlt wird.
Wenn die Tiere mal aufgeladen sind am LKW, dürfte die Entfernung nicht so viel Rolle spielen.

Thomas Höbelt
 
01
26.6.2011, 14:41
Herkunftsbezeichnung schön und gut,

ist aber fast niemals nachvollziehbar, und wenn man es dennoch versucht, war's eine leider unvermeidliche Computerpanne, die da den falschen Namen aufgedruckt hat. Zwei mal selber erlebt: Am Etikett der Name eines Verwandten eines Arbeitskollegen, der schon seit 5 Jahren kein Fleisch mehr produziert ( Billa ); und ein anderes mal, die Hälfte eines australischen Lammrücken gekauft, und zusehen dürfen, wie die zweite Hälfte neu verpackt plötzlich zum österreichiscnen Bio-Tauernlamm mutierte ( Merkur )

Salz Burger
00
27.6.2011, 13:49

Das ist das eigentliche Problem: Der Unterschied ist am Produkt nicht erkennbar, dann können Etiketten leicht ausgetauscht werden.
Andererseits: Wenn am Produkt eh kein Unterschied ist, was soll dann der ganze Aufwand mit der Herkunftsbezeichnung? Wenn ich ganz sicher gehen will, kaufe ich direkt beim Erzeuger. Gibt eh genug. Alles andere ist eher Etikettenschwindel.

Thomas Höbelt
 
01
27.6.2011, 14:53
Darf sie da zum Thema Fleisch

auf einen anderen Standard Artikel verweisen, da war die Rede vom LTZTEN Wiener Fleischhauer, der noch selber schlachtet ( produziert ) , also sooo einfach ist das mit direkt beim Produzenten in einer Großstadt leider nicht mehr.

macstar
00
26.6.2011, 13:13
nährwerttabelle: gibts im hofer schon lange

zwar nicht auf der vorderseite (mir auch eher egal) aber dafür auf jedem produkt - garantiert.

krra
12
26.6.2011, 10:29

es wäre schön, wenn sich die regierung für plastikarme, reduzierte und natürlich abbaubare verpackungen einsetzen würde. sogar tomaten sind in plastik verpackt. vielleicht würde auf so manchem süßzeugklumpert auch so ein zigarettenpackerlsatz seine wirkung tun "dieses gemisch aus chemisch hergestelltem mischmasch gaukelt ihnen in hohem maß vor, es wäre gesund und/oder bekömmlich und/oder bereichernd für ihre gesundheit. "genuss" auf eigene gefahr."

Sudern bis der Arzt kommt
01
26.6.2011, 10:10

die Herkunftsbezeichnung ist durch die erfolgreiche Lobbyarbeit der Nahrungsmittelindustrie schon zur Farce geworden.

Ein Beispiel, selbst bestaunt, bei Honig: "Enthält Honig aus EU-Staaten und nicht-EU-Staaten".

Wir hatten einmal vor langer Zeit ein hervorragendes Lebensmitttelkennzeichnungs-Gesetz. Leider können sich viele daran gar nicht mehr erinnern.

Salz Burger
01
27.6.2011, 13:50

Ist doch korrekt. Was haben Sie denn für ein Problem damit? Sie müssen es ja nicht kaufen!

Poldi Fesch
11
26.6.2011, 10:34
denselben einfach

nicht kaufen. Keine Idee ?

hflock
01
26.6.2011, 12:24

Nein, nein, man wird ja mit vorgehaltener Pistole gezwungen, dieses oder jenes Produkt zu kaufen. Es muss daher gesetzlich verboten werden!

Poldi Fesch
01
26.6.2011, 12:44
ja, bei manchen

hat man dieses Gefuehl

Salz Burger
00
27.6.2011, 13:51

schaut so aus.
Manchmal vermute ich aber, dass es vielen einfach nicht passt, dass den meisten Menschen die Herkunft eh wurscht ist.

Poldi Fesch
00
27.6.2011, 14:14
ja, kann

auch sein. Der Verlust des Qualitaetsbewusztsein ist ja ganz allgm. festzustellen

Roter Baron
00
26.6.2011, 09:03
lesbar sollten sie werden

es ist ja schon ne verars*hung an sich
dass man mit der lupe einkaufen gehen sollte.

roter baron

broncoo
212
26.6.2011, 06:08
Das Problem wär' viel kleiner, wenn die Leute sich wieder die Zeit nehmen würden, ab und zu zu kochen

- man weiß, was man ißt
- man weiß Nahrung wieder eher zu schätzen, wenn sie "Mühe" gemacht hat
- man ernährt sich zwangläufig gesünder, weil man ehher drüber nachdenkt, was man ißt und nicht einfach 1/4 kg Schmalz (übertrieben ausgedrückt) in sein Abendessen rührt
- Konservierungsmittel kommen in Rezepten einfach nicht vor
- vielleicht färbt davon sogar was auf die Kinder ab

... und ich krieg' jetzt vermutlich viele rote Stricherl, weil ja in unserer "Leistungsgesellschaft" einfach keine Zeit mehr für's Einkaufen und Kochen ist und ich arbeitslos und Sozialschmarotzer sein muß, wenn ich glaub', daß der Manager von Heute nach einem 26-Stunden-Tag noch zu mehr Zeit und Lust hat, als auf ein fettiges Mikrowellen-Zeug.

Salz Burger
00
27.6.2011, 13:54

Gerade das möchte ich nicht. Endlich haben uns die Lebensmittelproduzenten davon befreit, dass wir selber uns täglich mühsam die Nahrung suchen, fangen, töten und noch kochen müssen, sollen wir das wieder selber machen? Freiwillig kann eh jeder, ich schätze es aber, wenn Profis das machen und ich mich zum gedeckten Tisch setzen kann. Dafür gebe ich gern mein Geld.

broncoo
01
27.6.2011, 19:04

beim Wirtshaus um die Ecke - ja ...

ich geb meinen senf dazu
01
26.6.2011, 16:20

Sie sprechen mir aus der Seele! Ich hatte selbst das Privileg Kochen in der Schule zu lernen (jaja, Knödel-Hak, damals hab ich das nicht so zu schätzen gewusst) und auch wenn ich jetzt des öfteren aufgrund des Berufs nicht so viel Zeit aufbringen kann, so ist mir doch das Bewusstsein für gesunde Ernährung geblieben.

Und wenn mal nicht soviel Zeit ist, Pasta ist immer eine gute Idee. Etwas frisches Gemüse, notfalls auch nur Knoblauch und Olivenöl und ein paar Kräuter und in 15 Minuten ist das Essen fertig.

SCANone
02
26.6.2011, 14:40

ist vielleicht eine Ausrede, aber ich bin so jemand, der ca 70-80 Std. pro Woche arbeitet.

Wenn ich dienstlich unterwegs bin, gibts sowieso Essen aus dem Restaurant. Zu Hause bin ich nach einem 12-14 Stunden Tag schlicht viel zu müde um zu kochen.

Außerdem macht es mMn einen großen Unterschied, ob man für eine Person, oder eine Familie kocht.
Aber sonst: ja, bin total ihrer Meinung, dass selbst kochen viel gesünder wäre. (vorallem wenn es um den Salzgehalt geht)

Ganymede
00
26.6.2011, 12:03

Das Problem sind oft gerade die "offenen" Waren. Wenn sie zB.Fleisch ohne Verpackung kaufen, dann wissen sie weder wie alt es ist, noch wo es herkommt. Zusätzlich die rote Beleuchtung im Regal bze der Vitrine. Daheim ist das offene Fleisch oft grün statt rot und stinkt schon.

Obst und Gemüse ähnliches Problem: Die Herkunft "offener" Ware ist schwer feststellbar. Mir persönlich geht es bei pflanzlichen Lebensmittel nicht um "BIO", sondern primär um kurze Transportwege.

Obwohl ich gegen den Verpackungswahnsinn bin, kaufe ich manche Dinge lieber verpackt, wiel hier wenigstens ein paar (hoffentlich) verbindliche Informationen von der Verpackung ablesbar sind. Lebensmittelhändlern traue ich noch weniger als der LM-Industrie.

Solodreier
00
27.6.2011, 19:02
Problem "offene Waren"/ Problem verpackte Waren

Abgepacktes Fleisch in Supermarkttheken trägt häufig den Hinweis „Unter Schutzatmosphäre verpackt". Das bedeutet, dass den Verpackungen ein Gasgemisch mit einem teilweise hohen Sauerstoffanteil zugesetzt wird. Das Fleisch behält so deutlich länger seine rote Farbe, verändert aber seinen Geruch und Geschmack offenbar schneller als anderes Frischfleisch. Offenbar bilden sich aber in der sauerstoffangereicherten Atmosphäre mehr Cholesterinoxidationsprodukte (COP).

Poldi Fesch
00
26.6.2011, 12:49
???

ich weisz, das wird in aut nicht sehr streng gehandhabt, aber die Dokumente der Ware muessen im Laden ausgehanegt sein, it. Fleischer tun das auch

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 111
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.