Spiel, Spaß und Spannung erfüllen vier Nachmittage lang die Räume des Burgtheaters: In acht Workshops können die Teilnehmer des Schülertheatertreffens von Profis lernen und netzwerken
Wien - Wilde Blicke werden ausgetauscht, es wird gestöhnt, gerungen und vor
allem: nach Leibeskräften gewürgt. Zufrieden begutachtet Stuntfrau und
Kampfchoreografin Cornelia Dworak, ob es auch echt aussieht, was ihre Schüler da
treiben. Und warnt sie, auf ihre Nasen aufzupassen.
Im Workshop Action und Reaction, der im Rahmen des
Schülertheatertreffens jeden Nachmittag hoch oben auf dem Lusterboden der Burg
stattfindet, lernen die Jungschauspieler spektakuläre Bühnenkampftechniken.
Schritt für Schritt erklärt die Trainerin, wie man stößt, stürzt, ohrfeigt,
schlägt und sterbend zu Boden sinkt. Mit Begeisterung üben die Jugendlichen die
ideale Körperhaltung, um eine glaubwürdige Prügelei auf die Bühne zu stellen.
Am Action-Workshop gefällt den Jungschauspielern nicht nur die Möglichkeit,
sich auszutoben, ein Teilnehmer betont auch die Vorteile für seine zukünftige
Theaterkarriere: "Ich habe schon festgestellt, dass Bühnenkampf im
Theaterbetrieb gefordert ist. Wenn man sich nicht damit auseinandergesetzt hat,
kann es zu gröberen Verletzungen kommen."
Ein paar Treppen weiter bietet sich ein völlig anderes Bild. Sieben
Jugendliche liegen regungslos am Boden. Es sind zum Glück nicht die Folgen einer
missglückten Fechtübung, vielmehr ist es der Beginn einer Reise zu den Wurzeln
jedes Theaterstücks. Bodo Bühling, Leiter des Workshops Vom Text zur
Szene, schärft die Sinne und das Körpergefühl seiner Schützlinge, ehe er sie
hinaus auf die Straße schickt. Hier, in freier Wildbahn, sollen sie Zitate
aufschnappen, welche die Grundlage eines in den nächsten Tagen zu erarbeitenden
Textes bilden werden. Die Außenwelt wird so als Theater erlebbar.
Nach ihrem Ausflug sind die Feldforscher teilweise skeptisch, ob sich mit
Sätzen wie "Wenn der umfliegt, dann war's das!" oder "Warum ist meine
Schultasche so schwer?" große Dramen dichten lassen. Im Gespräch lässt der
erfahrene Theaterpädagoge Bühling die Workshopteilnehmer erkennen, wie manche
Sätze Türen öffnen, hinter denen ganze Welten stecken.
Auch in anderen Kammern herrscht emsiges Treiben: In fünf weiteren Workshops
werden die jungen Bühnenbegeisterten von Profis in so unterschiedlichen
Bereichen wie Improvisation, Tanz, Körpersprache oder Slam Poetry zu
Höchstleistungen angespornt. Für Lehrer und Betreuer gibt es zudem die
Möglichkeit, in einem eigenen Workshop einen Einblick in verschiedene
Inszenierungsmodelle zu erhaschen.
Wie enthusiastische Gesichter allerorts zeigen, sind die Workshops ein
Erfolg: Die Gäste gewinnen nicht nur neue Erfahrungen, auch die
Facebookfreundesliste wird sicher wachsen. (Dorian Waller, Sabina Zeithammer/ DER STANDARD, Printausgabe,
25./26.6.2011)