Streit um Sitzenbleiben

"Sonst wird Wien noch ein blaues Wunder erleben"

24. Juni 2011, 17:11
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    foto: wildbild

    Der Salzburger Wilfried Haslauer unterstützt Parteichef Spindelegger, erinnert diesen aber, dass die ÖVP nicht nur aus Niederösterreichern besteht.

Der Salzburger VP-Landesparteiobmann Wilfried Haslauer plädiert für mehr Gemeinsamkeit in der Bundesregierung - Drei Fünfer sind aber auch für ihn kein Schulerfolg

STANDARD: Wenn Sie die vergangenen Wochen Bundespolitik Revue passieren lassen - sind Sie froh, dass Sie im Zuge des Wechsels von Pröll zu Spindelegger doch nicht Justizminister geworden sind?

Haslauer: Es war ein ehrendes Angebot und wäre eine reizvolle Aufgabe gewesen. Es war aber klar, nach siebeneinhalb Jahre Aufbauarbeit in Salzburg kann ich nicht so ohne weiteres weg.

STANDARD: Trotz Obmannwechsels kommt die ÖVP im Bund nicht so recht vom Fleck. Sie haben einmal gesagt, in Wien sei zu viel Taktik und Parteipolitik im Spiel. Was meinen Sie damit? War das auch an die eigene Partei gerichtet?

Haslauer: Das Kernproblem ist die Führungslosigkeit der Regierung, das liegt beim Kanzler. Dort wird eine politische Kultur gelebt, die sich nur nach taktischen Gesichtspunkten richtet. Eine Koalition funktioniert aber nur, wenn beide mitmachen. Es funktioniert nicht, wenn einer der Partner dem anderen - in dem Fall dem kleineren Koalitionspartner - keinen Erfolg gönnt. Ich habe eine andere Auffassung von Koalition. Beide müssen Erfolge haben - leben und leben lassen. Das muss sich durchsetzen, sonst wird Wien noch ein blaues Wunder erleben.

STANDARD: Bei der Debatte um die Oberstufenreform spielt aber die ÖVP doch auch dieses Spiel. Werner Amon verhandelt, und die Partei pfeift ihn zurück.

Haslauer: Das ist sicher problematisch, da bedarf es einer Verbesserung der Kommunikation. Gerade bei so emotionalen Themen wie dem Aufsteigen mit drei Fünfern muss das vorher intern abgesprochen werden. Möglicherweise ist da Werner Amon vorschnell in die Öffentlichkeit gegangen. Es ist derzeit wenig Verständnis in der Bevölkerung vorhanden, dass man mit drei "Nicht genügend" aufsteigen soll. Das modulare System ist in einigen Salzburger Schulen aber in Erprobung - mit eher positiven Ergebnissen. Wir brauchen als ÖVP in dieser Diskussion sicher mehr Gelassenheit, auch mehr Offenheit, aber wir werden sicher nicht an der Kernmeinung unserer bürgerlichen Anhänger vorbeigehen.

STANDARD: Sie sind also letztlich der Meinung, dass die Regelung Aufsteigen mit drei Fünfern keine gute Idee wäre?

Haslauer: Ich bin skeptisch, aber man soll die Verhandlungen unter Beiziehung der Experten führen. Es muss möglich sein, dass man da eine Lösung findet, die sich nicht an ideologischen Theoremen aufhängt.

STANDARD: Eine andere Baustelle ist die Heeresreform und die Frage der Wehrpflicht. Sie haben einmal gemeint, wenn das Bundesheer so bleibt, wie es ist, ist es bald am Ende. Wir erleben einen weitgehenden Stillstand in dieser Frage. Wie soll es denn weitergehen?

Haslauer: Das Schlimmste ist, dass sich nichts ändert, dass man weder Reformen macht, noch eine Volksbefragung durchführt. Staats-politisch ist sicher ein Bundesheer aus der Bevölkerung für die Bevölkerung der richtige Weg.

STANDARD: Darf man da die ÖVP ganz aus der Verantwortung entlassen? Bei der jüngsten Klausur der Bundesregierung hat man sich nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt und die Heeresreform völlig ausgeklammert.

Haslauer: Das Dilemma der ÖVP in der Regierung besteht darin, dass sie auf der einen Seite ihre Standpunkte nicht durchsetzen kann, weil der Koalitionspartner diese nicht will. Auf der anderen Seite versucht die ÖVP immer noch Brücken offen zu halten, um doch noch Lösungen zu ermöglichen. Das wird ihr als Schwäche ausgelegt. Vielleicht wäre es besser, klar Position zu beziehen: bis daher und nicht weiter!

STANDARD: Die nächste Baustelle sind die Universitäten. Der Salzburger Rektor droht sogar mit Klage. Haben Sie dafür Verständnis?

Haslauer: Ich habe absolut Verständnis für seine Situation. Man hat den Eindruck, als wären die Universitäten von der Republik alleingelassen. Die Unis bekommen die Studentenzahlen nicht in den Griff. Gerade in Salzburg kommen immer mehr Studierende aus dem Ausland. Da sind wir auch bei einer politischen Problematik: Im September 2008 wurden die Studiengebühren abgeschafft. Das war ein Fehler; das waren nämlich genau die zehn Prozent des Gesamtbudgets, die jetzt abgehen. Juristisch will ich eine Klage nicht beurteilen. Die Drohung ist eine politische Maßnahme.

STANDARD: Sie haben vom "blauen Wunder" gesprochen. FPÖ-Chef Strache klopft bereits an die Kanzlertür. Können Sie sich Strache in der Bundesregierung vorstellen?

Haslauer: Diese Diskussion stellt sich vorerst nicht. Michael Spindelegger macht die Sache gut, man kann von ihm aber nicht erwarten, dass er in wenigen Wochen eine Trendwende herbeiführt. Dazu ist der Karren zu verfahren. Spindelegger ist ein großer Verbinder, er ist parteiintern einer, der gut mit einbezieht.

STANDARD: Sie sagen Parteiobmann Spindelegger sei ein großer Verbinder. Ihre steirischen Parteifreunde sprechen von einer Gesamtfrustration, einer Verengung. Was ist denn da los in der ÖVP?

Haslauer: Es ist vonseiten der Länder zu wenig, nur über Wien und die Bundespartei zu schimpfen. Die Länder sollten in der schwierigen Situation, in der die ÖVP ist, in Vorleistung treten und sagen: Michael Spindelegger, du übernimmst die Partei in einer so schwierigen Zeit, wie sie lange nicht gewesen ist. Suche dir dein Team und mach das Beste daraus. Wir dürfen nicht auf die Vertretung von Bünden oder Ländern das Hauptaugenmerk legen. Wir müssen dem Parteiobmann die Freiheit geben, sein Team zusammenzustellen. Natürlich fordern wir dann auch eine gewisse Sensibilität, dass nicht alles Niederösterreich im Vornamen führt.

STANDARD: Sehen Sie eine "Verniederösterreicherung" der ÖVP?

Haslauer: Niederösterreich hat immer eine besonders starke Rolle gespielt. Mir kommen auch die Interessen der westlichen Bundesländer personell zu wenig vor, keine Frage. Das empfinden eben momentan die Steirer auch, aber deswegen den Krieg zu erklären, halte ich für völlig verfehlt.

STANDARD: In Salzburg regiert wie im Bund eine rot-schwarze Koalition. Wie ist denn an der Salzach das Koalitionsklima?

Haslauer: Besser als im Bund. Im Unterschied zum Bund glänzt in Salzburg die zweite Ebene nicht so hell. In Wien tragen die diversen Parteisekretäre und -strategen einen wesentlichen Teil dazu bei, dass das Klima vergiftet ist; auf Ministerebene ist mehr Goodwill vorhanden. (Thomas Neuhold, STANDARD-Printausgabe, 25./26.6.2011)

WILFRIED HASLAUER (55) ist seit 2004 Landeshauptfraustellvertreter von Salzburg und ÖVP-Landesparteiobmann. Sein Vater war von 1977 bis 1989 Landeshauptmann von Salzburg.

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16 Postings
La Balance
00
27.6.2011, 08:23

Irgendetwas ist mir da anscheinend entgangen. Wenn das modulartige Schulsystem eingeführt werden soll, dann kann ja das eh kein Problem sein. Müssen halt alle Module bis zur Matura oder Schulabschluss positiv sein, damit ein Abschlusszeugnis überreicht werden kann. - Oder ist dieses Modell auch schon wieder verworfen worden?

Sternchen100
00
27.6.2011, 10:47
Für die SPÖ sind Menschen nur uniforme Automaten und Schafe ohne jede Individualität und sollen als solche abgespeist werden

Die Schüler werden also z.B. vor die Wahl gestellt, entweder Geschichte, Kunsterziehung, mehr Physik oder Sprachen zu lernen, weil offenbar mehr Wissen als das absolute Minimum eine Schande ist und umfassend gebildete Schüler den Korruptionisten (Politik und Wirtschaft) später nur Ärger machen.

Statt eine umfassende Bildung für alle, vor allem für Arbeitnehmerschichten, zu garantieren, noch dazu in der heutigen Zeit globalen Wettbewerbs, führt die SPÖ eine Klassengesellschaft (gute teure Privatschule contra miserable öffentliche Schule) ein, und einen Schul-Einheitsbrei auf niedrigstem Niveau für finanzschwache Schichten. Begabtenförderung existiert nicht und ist nicht vorgesehen, nein man will bewusst am untersten Level unterrichten!

marie berg
00
27.6.2011, 20:40
geh

hören sie auf parteipolitisch gefärbten blödsinn zu tippen. schauen sie sich doch an, was unser tolles vielfältiges schulsystem derzeit für einen output hat. das gehört geändert und zwar flott: gesamtschule, modulare oberstufe und flächendeckendes ganztagsschulen netz.

Sternchen100
00
27.6.2011, 10:38

Die wollen Fächer wie Geographie, Englisch und Geschichte zu einem Modul zusammenfassen, so Androsch gestern im Club 2. Und die Module hätten jedes Jahr einen separaten Lehrstoff, der nichts mit dem neuen Stoff des folgenden Jahres zu tun hätte. Hä???? Was bitte haben diese Fächer miteinander zu tun?????? Und seit wann baut Englisch nicht jedes Jahr auf die vorigen Lektionen auf????

Hier wird eine Zwangsvereinigung von Fächern vorbereitet, die ein Lehrer zu unterrichten hat, drei natürlich weil ja nur noch schlechter ausgebildete Pädak-Lehrer übrig bleiben sollen, da billiger.

Klaro, und die Schüler können wie an der Uni die angebotenen Fächer frei wählen. Werden aber anzahlsmäßig (siehe Uni) nur zum absoluten Minimum angeboten.

sepp schilehrer
00
27.6.2011, 08:02

Man kann über ihn denken wie man will, aber er hat im Alleingang gegen den Widerstand auch und vor allem aus seiner Partei die Pinzgaubahn gerettet.

Daher sind alle, die an einer vernünftigen Verkehrspolitik in diesem Land interessiert sind, ihm irgendwie zu Dank verpflichtet!

RaceOfficer
 
00
27.6.2011, 06:15
"Sonst wird Wien noch ein blaues Wunder erleben"

das ist eine werbeeinschaltung der fpö

bei nebenwirkungen und sonstigen beschwerden (besonders bei geistigem plemplemismus) wenden sie sich bitte an arzt und apotheker.

Sternchen100
00
27.6.2011, 10:51

Die FPÖ hätte weniger leichtes Spiel wenn SPÖ und ÖVP auf die Wünsche der Mehrheit der Bevölkerung hören würde, aber deren Wünsche sind diesen Parteien so was von egal... Die keinen nur jeweils idiotische Ideologie - allesamt, von Vernunft, Ratio, Agieren zum Wohle des ganzen Staates ist weit und breit keine Spur. Einfach unerhört.

lebowsky1
00
27.6.2011, 02:50

der Typ soll doch einfach die Klappe halten, wenn er keine Ahnung hat.
So ein Flachdenker!

johann steiner
00
26.6.2011, 12:41
lustig lustig ha ha

"nach 7 1/2 Jahren Aufbauarbeit in Salzburg," ja was hat er denn aufgebaut, richtig ist dass sein Vater ( WEB Skandal mit dem einhergehenden Verlust der Unabhängigkeit der Salzburger Sparkasse) und dessen Günstling Schausberger als Landeshauptmannnachfolger , dessen Spezi wiederum der Juniorhaslauer ist, völlig abgewirtschaftet haben, aber dass zwischenzeitig ein Wiederaufbau stattgefunden hätte ist nirgendwo ersichtlich, Burgstaller kann sich auf den nächsten Wahlsieg freuen, denn wenn die Personen Burgstaller und Haslauer bei der Wahl aufeinanderstoßen ist klar wer am längeren Ast sitzt, außerdem laufen viel zu viele Wähler der ÖVP regelmäßig zu Karl Schnell davon.

wienerberger
00
26.6.2011, 11:39
Für alle Leseschwachen und Zuhörunwillige:

Fünfer in drei MODULEN (Fächern) erlauben dann einem/r SchülerIn die ANDEREN Module (Fächer) in normalen Fortschritt weiter zu machen. Die ein, zwei, drei Fünfer-Module müssen wiederholt werden. Nur wer ALLE Module am Ende positiv erledigt hat, darf zur Matura antreten.

Für die Schüler gäbe es endlich die Chance, ihre Schwächen abzubauen und ihre Stärken auszubauen.

Sternchen100
00
27.6.2011, 11:00
Nö, der bleibt in seiner Jahrgangsklasse, obwohl sich allesamt frei ihre Module zusammenstellen und sich kaum sehen.

Und die Module werden einfach wiederholt, zeitlich und örtlich parallel in einem Paralleluniversum, denn die Schüler werden sich spalten und an zwei Stellen gleichzeitig sitzen. Selbstredend werden sie den neuen Stoff in Sprachen, Mathe, Physik, Geometrie, Buchhaltung usw. mühelos folgen, denn der baut ja nicht (*lach*) auf den vorigen Stoff auf, den man nicht beherrscht...

Natürlich wird man die Schüler auch nur fördern, wenn sie bereits nichtgenügend haben, und nicht vorher. Sonst kostet es ja dem Staat Geld. Und man wird die 8 Std./Jahr die Gehrer gestrichen hat nicht wieder einführen und die langen Semesterferien (seit der Opec-Krise eingeführte Energieferien) nicht kürzen. Man will einfach billigste Schulen für Arbeitnehmerkinder.

zkk
 
00
26.6.2011, 11:59
wie jetzt?

bisher wurde es doch so dargestellt, dass im nächsten semester das nächste NEUE modul mit den anderen mitschülern mitgemacht wird und das ALTE, nicht bestandene modul ZUSÄTZLICH ausgebessert werden kann und nicht, dass das ALTE modul nochmals wiederholt wird.

oder verstehe ich ihr posting falsch?

Mario Ahner
11
25.6.2011, 12:32

"Aufsteigen mit drei Nicht Genügend" ist ja nicht geplant, wäre bei einem Modulsystem auch ein Widerspruch. Wenn das schon der schwarze Dolm nicht schnallt, sollte wenigstens der Journalist besser informiert sein.

D/E
03
25.6.2011, 14:50
Na ja, ich denke, beide sind mit der verqueren Sicht der Dinge

in ziemlich guter Gesellschaft.

Bislang habe ich keinen Medienbericht gefunden, in dem das vorgeschlagene Modulsystem korrekt beschrieben wurde, mit Ausnahme der Kritik von Christoph Chorherr.

Sibylle Rosenstrauch
00
24.6.2011, 20:57

Wieder einer, der die Hausübungen nicht gemacht hat - http://tirol.orf.at/stories/522579/ - und den PIA-Test wahrscheinlich heut noch nicht bestehen würde. Auch interessant: http://chorherr.twoday.net/stories/29747481/

FloW ERlebnis
12
24.6.2011, 19:36
Ah, die versuchen jetzt die Mitleidstour. *lol*

.
'.Es funktioniert nicht, wenn einer der Partner dem anderen - in dem Fall dem kleineren Koalitionspartner - keinen Erfolg gönnt.'

'Das Dilemma der ÖVP in der Regierung besteht darin, dass sie auf der einen Seite ihre Standpunkte nicht durchsetzen kann, weil der Koalitionspartner diese nicht will.'

Dabei hat die ÖVP doch grad für ihr Klientel der Konzerne, Vermögenden, Bauern und Lehergewerkschafter gemauert und alles herausgeholt.

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