Das Vortäuschen von Arbeit kann auch Arbeit sein

24. Juni 2011, 17:05
  • Unorthodoxe Unterrichtsmethoden praktiziert Cameron Diaz (re.) in und 
als 
"Bad Teacher". Im Hintergrund lacht sich Jason Segel eins, während 
Kaitlyn Dever 
um die Gesundheit ihrer Klassenkameraden fürchtet.
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    Unorthodoxe Unterrichtsmethoden praktiziert Cameron Diaz (re.) in und als "Bad Teacher". Im Hintergrund lacht sich Jason Segel eins, während Kaitlyn Dever um die Gesundheit ihrer Klassenkameraden fürchtet.

Sommerkinovergnügen: Die professionelle Ulknudel Cameron Diaz als Lehrerin in Jake Kasdans US-Komödie "Bad Teacher"

Wien - Elizabeth Halsey geht nur mit größtem Widerwillen in die Schule. Kaum hat der Unterricht begonnen, verkriecht sie sich in ihre schwarze Strickjacke. Später verkürzt ein heimlicher Joint am Parkplatz den Tag. Pflichtübungen im Dienste der Gemeinschaft lässt Elizabeth am liebsten von anderen erledigen. Das und mehr einschlägiges Verhalten wäre nicht ganz so ungewöhnlich, wenn sie als Schülerin zur Schule ginge. Aber die Mittdreißigerin, die Cameron Diaz sehr passend lässig bis nachlässig spielt, ist eine wenig motivierte Pädagogin.

Bad Teacher heißt der dazu gehörige Film, den Jake Kasdan inszeniert hat. Üblicherweise würde in einer US-Komödie, die noch dazu mit einer geplatzten Hochzeit beginnt, alsbald mit der Umerziehung der Heldin zum ordentlichen weiblichen Mitglied der Gesellschaft begonnen. Hier geschieht nichts dergleichen. Stattdessen wird lieber der Minderleistung und der Schlamperei gehuldigt. Das Lehrerkollegium, ein grundsympathischer Haufen beflissener bis leicht verschrullter Pädagogen, übt sich in Toleranz und sanfter Kritik. Nur die Übererfüllerin Amy Squirrel (Lucy Punch) glaubt Elizabeth zu durchschauen und bricht einen erbitterten Arbeitskampf vom Zaun.

Komische Vielarbeiter ...

Die männlichen Kollegen bleiben eher Randfiguren: Justin Timberlake, der es offenbar ernst meint mit einer Schauspielkarriere, macht sich seiner Rolle entsprechend zum Äffchen. Als entspanntes Gegenstück zu Diaz fungiert Jason Segel, ein komischer Vielarbeiter aus der Filmfamilie von Judd Apatow.

In deren Initialunternehmung, der TV-Serie Freaks & Geeks (Voll daneben, voll im Leben, 1999 - 2000) spielte Segel selbst einen tölpeligen Oberschüler. Kasdan wiederum debütierte als Regisseur bei der bald wieder eingestellten Coming-of-age-Geschichte. Inzwischen bespielt deren Personal einen Gutteil des US-Serien- und Filmkomödien-Universums. Allerdings profilieren sich dabei vorerst die männlichen Autoren, Produzenten und Akteure. Vor allem den Kinofilmen (von 40 Year Old Virgin über Superbad und Forgetting Sarah Marshall bis Get Him To The Greek) fehlten bislang gute, große Frauenrollen.

Katherine Heigl wurde in Knocked Up noch von Hormonen gesteuert und über ihre Geschlechterrolle als komisch definiert (zwischen Karriere und Mutterschaft). Cameron Diaz, die sich schon in There's Something about Mary mit Sperma-Festiger als unerschrockene Ulknudel empfahl, darf jetzt eine interessante und effiziente Komödienheldin sein:

Elizabeth Halsey wird weder von romantischen, noch von karrieretechnischen Beweggründen, sondern ausschließlich von niederen Motiven geleitet. Sie ist genau so schlau und attraktiv wie sie stinkfaul und berechnend ist. Ihre Vorzüge setzt sie ausschließlich zum eigenen Vorteil ein. Aber ein kleines bisschen Mitmenschlichkeit und das notorische Scheitern ihrer Egotrips stellen sicher, dass sie als Sympathieträgerin durchgeht.

... aus der "Office"-Filiale

Weil Bad Teacher nicht zuletzt auch eine Angestelltenkomödie ist, hat Kasdan außerdem mit den Autoren Gene Stupnitsky und Lee Eisenberg fusioniert. Die wiederum haben mit famosen Charakterköpfen (und -stimmen) wie Phyllis Smith (hier als Elizabeths Kollegin Lynn) die US-Filiale der Serie The Office aufgebaut.

Alles in allem durchweg erfreuliche Entwicklungen. Und mit den Bridesmaids, die bei uns in den Startlöchern scharren, kann das Sommerkino abseits des Blockbuster- und 3-D-Geschäfts gleich mit der nächsten famosen Weiberkomödie punkten.   (Isabella Reicher / DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.6.2011)

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22 Postings
Mir kommt es eher so vor, ...

als wäre die Rezensentin eher ungern in den Film gegangen (tja, Arbeit ist nun mal Arbeit), hat den Film ungern gesehen und hat sehr ungern darüber geschrieben. Ist doch nicht so schlimm, liebe Frau Rezensentin.

Was bitte heißt hier, ihr Bezug zu J. Timberlake, "er meint es mit der Schauspielerei ernst". Der Mann kennt nichts anderes als das Showbiz. Er singt, tanzt, spielt. Das gehört doch alles irgendwie dazu. Mit dem Singen und Tanzen meint er es auch ernst. Sie müssens nicht mögen.

weiberkomödie - na dann muss ich wohl hin!

obwohl dem trailer nach soll's wohl eher sowas wie ein schlampen-match sein.

äh, nur weil ein film VON einer frau gemacht wurde, muss er - offensichtlich - nicht automatisch FÜR frauen gemacht sein ....

Liebe Posterinnen und Poster

die autorin nimmt vermutlich bezug auf einen diskurs, den man hierzulande (und speziell in standardpostings) als weiberdiskurs abtun wuerde, zu unrecht. comedy ist immer ein messgrad fuer den intellektuellen zustand einer gesellschaft.

richtig. kurz nachgedacht, da gibts ja eigentlich sehr wenig im deutschsprachigen raum. ganz zu schweigen von einem diskurs, der ins politische oder emanzipatorische reichen wuerde.

tina fey, kristen wiig, amy poehler, sind nur drei herausragende, schreibende und produzierende weibliche comediens. und darum gehts in diesem artikel, wenngleich auch seicht und vorsichtig um die lokalen leser nicht zu ueberfordern.

scheinbar ists nicht ganz gelungen. ihr seid ueberfordert, jungs.

Liebe Journalistin,

Ihre verbalen Begeisterungsstürme für diesen Film zeugen aber nicht unbedingt von einer hohen Intelligenz. Die Handlung ist seicht, der Film vulgär, primitiv und billig und das Ganze bitte auch noch mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren. Besonders geschmacklos ist die Sexszene mit Diaz und Timberlake in der es beide angezogen "treiben" und Timberlake einen durch einen Fleck sichtbaren Samenerguss in seiner Hose hat. Und einen solchen Film bezeichnen Sie als echtes Sommerkinovergnügen. Da frag ich mich schon...

Arbeitsauftrag war wahrscheinlich:
"Schreib was gutes über den Film."

Versuch dich doch in die Charaktere hinein zu versetzen.
Ich würde so eine Begegnung durchaus als lustig bezeichnen.

Fremdschämen ist doch auch ganz witzig.

Wer sagt, dass der Fleck von ihm ist, könnte ja auch von ihr sein ;-)

Sichtbare Flecken

sind spätestens, seit ein Präsident es durch ein blaues Cocktail-Kleid zum Mainstream gemacht hat, durchaus witzig.

Na Hauptsache eine ordentliche Rolle für eine Frau. Darauf kommt es der Autorin scheinbar an.

Eine typisch Film

fur FreeTv.

See you there, within 2 years.

Bezieht sich der Titel des Artikels auf den Artikel selbst?

Ha ha, Treffer, versenkt.
Die Autorin hat es tatsächlich geschafft, dass Russellsche Paradoxon zu verifizieren.

Ups, gebe ein das für ein dass.

Würde ich mir nie freiwillig ansehen.

Diese Kritik ist mindestens so schlecht geschrieben, wie der dazugehörige Film anspruchslos.

ich glaub nicht,

dass die so gut ist wie black jack!

Danke, das ist ja eine peinlich humorlose Kritik.

Na gut, von der norddeutschen Zeit ist vielleicht auch nichts anderes zu erwarten.

Lauter (Film)experten eben...

klingt ja wie eine doku

aus dem österreichischen schulalltag ...

Also meine Lehrer haben sich nie die Mühe gegeben Arbeit vorzutäuschen

Naja,

vor den schplern brauchen sie das ja auch nicht zu tun, sondern vor den Kollegen und dem direktor!

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