Nachwuchs aufbauen, halten und entwickeln

27. Juni 2011, 10:03
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Junge Akademiker am russischen Arbeitsmarkt verändern sich gerne alle zwei bis drei Jahre - Strukturen wurden bei Bosch eingerichtet

18 Monate lang, von Oktober 2009 bis Ende März 2001, war Johanna Hummelbrunner, Personalleiterin der Robert Bosch AG in Moskau stationiert. Und sie brachte eine Menge Eindrücke mit.

Ihre Aufgabe bestand im Kern darin, die Human-Ressources-Funktion für Russland, Kasachstan, Weißrussland und die Ukraine an die HR-Standards im Konzern anzupassen, zu implementieren oder weiterzuentwickeln - wie etwa das "Junior Manager Program", sagt sie.

Großes Thema ist der Aufbau von jungen Mitarbeitern und deren Verbleib im Unternehmen, selbstredend. Eine Aufgabe, für die Hummelbrunner in Moskau andere Bedingungen vorfand als etwa hierzulande, holt sie ein wenig aus. "Wie in anderen osteuropäischen Ländern tritt man in Russland sehr frühzeitig ins Arbeitsleben ein - und zwar mit akademischem Abschluss", sagt sie.

Die Mitarbeiter seien in der Regel 22 oder 23 Jahre alt, "fühlen sich aber ähnlich wie die Akademiker bei uns, die aber im Schnitt vier Jahre älter sind", so Hummelbrunner weiter. Dazu komme, dass "diese Leute einen sehr hohen Anspruch auf eine rasche Karriereentwicklung haben". Dafür müsse man als Arbeitgeber eine kontinuierlich planbare Entwicklungsmöglichkeit liefern.

Schneller, höher, weiter

"Wenn Sie in Russland einen jungen Akademiker aufnehmen, möchte er oder sie am liebsten alle zwei bis drei Jahre eine Veränderung erfahren - und will das auch schriftlich", so Hummelbrunner. Wenn man entsprechende Programme oder Strukturen nicht bieten könne, zeigen sich diese jungen Akademiker höchst wechselbereit, so die Personalleiterin sinngemäß. Zusätzlich gelte es die Herausforderung einer gesetzlich verankerten Kündigungsfrist von nur 14 Tagen entsprechend zu managen.

Diese Erfahrung könne sie insofern nützen, als sie sich heute viel besser auf jüngere Mitarbeiter und auf deren individuelle Karrierewünsche einstellen könne, sagt sie. Wenngleich hier nicht in dieser Menge "Nachwuchs aufgebaut" werde, so Hummelbrunner weiter.

"War überwältigt"

Dieser Auslandsaufenthalt sei sicher die bislang einprägendste Karriereerfahrung gewesen, so die Personalleiterin. Sie habe sich einfach sehr über diese Möglichkeit gefreut und war vom Leben wie Arbeiten in Moskau durchwegs positiv überrascht, sagt sie. "Ich war überwältigt von dieser pulsierenden Großstadt, von der Herzlichkeit der Menschen und deren Aufgeschlossenheit gegenüber Ausländern und dem hohen Gemeinschaftsgefühl", so Hummelbrunner weiter.

Abgegangen sei ihr nichts, sagt sie, vielmehr habe sie es als berufstätige Frau genossen, dass samstags wie sonntags die Geschäfte geöffnet hatten. (haa/DER STANDARD; Printausgabe, 25./26.6.2011)

  • Johanna Hummelbrunner, Personalleiterin der Robert Bosch AG, ist seit März dieses Jahres wieder zurück aus Moskau.
    foto: bosch

    Johanna Hummelbrunner, Personalleiterin der Robert Bosch AG, ist seit März dieses Jahres wieder zurück aus Moskau.

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