Triste Riten auf den Hebriden

24. Juni 2011, 17:12
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Peter Mays Kriminalroman "Blackhouse"

Man muss nicht in exotische Gegenden reisen, um auf befremdlich archaische Riten zu stoßen, es genügt ein Felsen vor den schottischen Hebriden. Der wird alljährlich von Männern erklettert, welche den dort brütenden Basstölpeln 2000 Junge aus dem Nest nehmen und töten, um sie zur ölig schmeckenden Delikatesse "Guga" zu verarbeiten.

Das Ritual ist eine Art Initiationsritus für einheimische Buben, und nicht alle erinnern sich gern daran. Schon gar nicht Fin McLeod, der aus der bigotten Enge der rauen Landschaft zur Kripo nach Edinburgh geflohen ist und nun zurückkehren muss, um den Mord an einem brutalen Schläger aufzuklären. Der grausam Hingerichtete war schon als Schüler allseits unbeliebt gewesen, und keiner der von ihm Bedrohten weint ihm eine Träne nach.

Fin wandelt widerwillig auf den Spuren seiner Jugend. Ein Schulfreund entpuppt sich als unversöhnlicher Rivale, eine Frau, die er einst geliebt hat, als Lügnerin, und auf seine Erinnerungen kann Fin sich auch nicht verlassen. Rückblenden und Erzählerwechsel brechen die lineare Struktur auf. Es wird viel gesoffen auf den Inseln, und Raufereien gehören zur normalen Freizeitgestaltung.

Ein nicht sehr verlockendes Ambiente, das der schottische Autor schildert, wäre da nicht die beeindruckende Natur, die sich um die Narreteien der Menschen nicht schert. (Ingeborg Sperl, www.krimiblog.at /DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.6.2011)

 

  • Peter May, "Blackhouse". Deutsch: Anke und Eberhard Kreutzer, € 20,60 / 
460 
Seiten. Kindler, München 2011
    foto: kindler

    Peter May, "Blackhouse". Deutsch: Anke und Eberhard Kreutzer, € 20,60 / 460 Seiten. Kindler, München 2011

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