Panik ist noch in der kleinsten Zelle

24. Juni 2011, 17:11
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Peter Weiss' "Der Schatten des Körpers des Kutschers" als Hörbuch

Hermetisch. Geschlossen. Dicht. Auf einem Hof und seiner Satz für Satz erstickender werdenden Atmosphäre siedelte der heute kaum präsente deutsche Autor Peter Weiss (1916-1982), der über England und Böhmen 1939 nach Schweden kam, wo er bis zu seinem Tod lebte, sein erstes Prosabuch an. Nachdem ihm jahrelang schwedische Verlage seine auf Schwedisch verfassten Texte abschlägig beschieden hatten und er Mitte der 1950er-Jahre zu seiner Muttersprache rückgewechselt war, brachte der Suhrkamp Verlag 1960 Der Schatten des Körpers des Kutschers heraus, das literarische Debüt des bis dahin mehr als bildender Künstler tätigen Berliners.

Wie eine von einem Verwaltungsbeamten mit Beschreibungen unterlegte Kamera beobachtet ein Junge die Vorgänge auf dem Hof. Rätselhaftes, Verlangsamtes, Einfaches, das in bewusst neutralisierenden Sätzen schein-sachlich daherkommt.

Das Sehmosaik ergibt eine fragile, panisch beengte Angstwelt. Michael Farin, der in dieser Produktion des Bayerischen Rundfunks Regie führte, hat dies audiofon klug bearbeitet. Und die unterschiedlichen Stimmen und Stimmlagen von Jochen Noch, Tobias Lelle, Paul Herwig und Volker Bruch gut eingesetzt. Der Komponist Zeitblom hingegen, der asketische Musikeinsprengsel beisteuerte, hätte diese klanglich bedrohlicher ausarbeiten können.   (Alexander Kluy / DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.6.2011)

 

  • Peter Weiss, "Der Schatten des Körpers des Kutschers". € 14,95 / 77 min.
 Der 
Hörverlag, München 2011
    foto: hörverlag

    Peter Weiss, "Der Schatten des Körpers des Kutschers". € 14,95 / 77 min. Der Hörverlag, München 2011

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