Erinnerung an Argentiniens Krise

Leser-Kommentar | 24. Juni 2011, 14:40

Griechenland erlebt jetzt, was Argentinien vor 2002 durchmachte

Die Situation Argentiniens vor der Staatspleite im Jahr 2002 spiegelt weitgehend die griechische Tragödie, die sich in den letzten Jahren vor unserer Tür am Rand Europas aufbaute und entwickelte.

Wie alles begann

Anfang der 1990er Jahre band Argentinien seinen Peso fest an den amerikanischen Dollar. Das kam in der Wirkung einer gemeinsamen Währung sehr nahe und die Finanzmärkte belohnten diesen Schritt. Kredite waren sehr viel günstiger zu haben und Argentiniens Wirtschaft wurde belebt.

Jedoch schon nach wenigen Jahren wendete sich das Blatt. Die Inflation war zwar gesunken, aber nicht besiegt. So schwand die Wettbewerbsfähigkeit der argentinischen Wirtschaft, das Land sank in eine Rezession und die ausländischen Investoren verloren das Vertrauen.

Die Maßnahmen und ihre Folgen

Die argentinische Regierung reduzierte die Ausgaben scharf und erhöhte die Steuern, um das Vertrauen des Marktes wieder zu gewinnen. Der Internationale Währungsfonds half mit Überbrückungskrediten.

Infolge der Sparmaßnahmen stieg die Arbeitslosigkeit massiv. Elend machte sich breit und erfasste weite Kreise der Mittelschicht. Unruhen brachen aus. Doch die Regierung stemmte sich vehement gegen die Freigabe des Wechselkurses.

Die Eskalation

Schließlich kam es zum Sturm auf die Banken und zur Kapitalflucht. Die Regierung war gezwungen, Obergrenzen für Kontobehebungen einzuführen, der Peso fiel auf ein Drittel seines Werts und zuletzt kam es zur Umschuldung mit einem Nachlass von cirka 65 Prozent.

Die Armutsquote stieg auf mehr als 50 Prozent. In manchen Teilen des Landes hatten mehr als ein Fünftel der Kleinkinder Untergewicht. Die Reallöhne sanken um nahezu 25 Prozent, während die (offizielle) Arbeitslosenquote auf 25 Prozent stieg. Die Wirtschaftsleistung, gemessen in US$, fiel auf ein Drittel des Werts vor der Krise. Tauschhandel war weit verbreitet.

Lehren für Griechenland

Einerseits ist Griechenland auf einem ähnlichen Entwicklungspfad schon weit fortgeschritten. Ob es jedoch die Krise auf die argentinische Weise lösen kann, ist ungewiss, denn vom Euro auf eine neue Währung umzusteigen, ist sicher schwieriger, als eine gebundene Währung zu lösen.

Andererseits ist zu beachten, dass die Krise Argentiniens weniger zerstörerisch für die Bevölkerung und weniger verlustreich für die Gläubiger verlaufen wäre, wenn Argentinien die Bindung des Peso an den Dollar bereits zu Beginn der Krise aufgegeben hätte. (Leser-Kommentar, Andreas Sierek, derStandard.at, 24.6.2011)

Autor

Andreas Sierek ist Unternehmer im Bereich der Informationstechnologie mit Interesse an gesellschaftlichen Phänomenen

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Frodo Der Hobbit
00
25.6.2011, 15:26

von argentinien kann man die wirtschaftskooperativen lernen, die ohne bargeld weiter gearbeitet hatten.

aber griechenland ist in europa, der trick mit dem peso oder einer neo-drachme kann nicht klappen. ausserdem ist eine abwertung im zustand der schulden auch nur ein transfer.

das problem der niedrigen bewertung der region, in sachen potenzial, produktivität und wachstum ist mit einem finanztrick unlösbar.
die bewertung und gleichmachung selbst ist falsch und die gibts auch mit drachme identisch.

die inseln haben einen natürlich bedingten subsistenzfaktor, wer will sie endgültig zubetonieren und erwartet noch mehr touristen?
weil dies als wertlos gilt, lässt mans sterben.

ichbinsofrei.net
00
25.6.2011, 13:44

Erinnerung an die Argentinienkrise:
http://youtu.be/yT2iYmTL140

Geilomobilo
00
25.6.2011, 08:14

Der Abschnitt zu "Wie alles begann" scheint mir etwas unterbelichtet formuliert zu sein!
Steuerhinterziehung auf breitem Niveau?
Lohnsteigerungen weit über Produktivitäts-steigerungen?
Massenhaft unnötige Ausgaben des Öffentlichen Sektors?
Jaja, gab es ja alles nicht ... !

Oder gab es das alles nur in Griechenland?
(Falls ja, warum wird denn dann GL überhaupt mit ARG verglichen?)

Enrico Furioso
00
25.6.2011, 13:34
"warum wird denn dann GL überhaupt mit ARG verglichen?"

Zwar hinkt jeder Vergleich, aber wenn alles, was geschieht, ein unvergleichlicher Einzelfall ist, kann man aus nichts etwas lernen.

Es gibt sicherlich viele Unterschiede zwischen dem Fall Griechenland und jenem von Argentinien. Es gibt aber auch viele Gemeinsamkeiten. Und aus diesen Gemeinsamkeiten lassen sich zulässig Schlüsse ziehen.

the comedian
 
31
24.6.2011, 20:17
und wer hat wieder daran verdient?

die bankster, die das ungeheuerliche privileg der privaten geldschöpfung an sich gerissen haben.
die haben geld verliehen, das sie nie hatten; für die ist der haircut immer noch ein riesengewinn.

wenn wir nicht mehr wollen, dass alle staaten schulden haben während die bankster im geld schwimmen, dann müssen wir die geldmacht endlich demokratisch legitimieren. auf lange sicht gibts keinen anderen weg aus der "krise".

die griechen sind in eu nur das erste opfer einer wahnsinnig gewordenen finanzmisswirtschaft.

sowas kapiert ein unternehmer und bwl-schnösel natürlich nicht. der kaut brav die banksterpropaganda wieder. entbehrlich.

Volksbefreiungsfront Alt-Ottakring
 
00
26.6.2011, 12:33

Dem ist nicht so! Die argentinische Staatspleite hat vielen privaten Investoren ganze Vermögen gekostet. Ich kenne persönlich einen Privatmann, der 180.000 EUR verlor, weil er in argentinische Staatsanleihen gespart hat. Infolge der Pleite war das Geld einfach weg und keiner hat es ihm ersetzt. Natürlich ist Argentinien jetzt völlig kreditunwürdig. Keiner leiht dem Argentinier sein Geld.

the comedian
 
00
26.6.2011, 16:55
sie dürfen

jetzt über den unterschied zwischen
bankster und privatem investor
meditieren.
viel spaß!

Prinzipal
00
28.6.2011, 22:46
habe ich jetzt auch versucht - leider ohne erfolg

was ist der unterschied zwischen "geld weg" und "geld weg" ? die anzahl der nullen?

the comedian
 
00
29.6.2011, 07:44
der unterschied:

der bankster hat die 180.000,- nie gehabt.
für 180.000,- muss der bankster in der eu nicht mehr als 3.600,- mindesteinlage haben. wenn der das geld verspielt ist der verlust nur in den büchern, da er das geld als buchgeld selbst gedruckt hat.
der privatmann hingegen muss die 180.000,- irgendwann real erwirtschaftet haben. für den ist das geld wirklich weg.
dieses ungeheuerliche privileg der privaten geldschöpfung muss den bankstern entzogen und endlich demokratisch legitimiert werden.

calcium9
00
26.6.2011, 10:22
das geld ist auch schon privatisiert

nicht der staat/EZB hat mehr die Kontrolle über die Geldschöpfun, sonderen der markt. Früher konnt man noch Angst vor dem "Gelddrucken" des Staates haben, aber auch in einer Demokratie daruf einfluss nehmen. jetzt wird das geld in PRIVATbanken erzeugt ohne jeglichen Einfluss. Davor habe ich mehr angst.
Ich habe kein Vertrauen in das Pseudo-Geld, das ich mit unserem erarbeiteten vermischt, un nicht mehr unterscheidbar wird!

wer wenn nicht er
00
25.6.2011, 10:14
"die haben geld verliehen, das sie nie hatten; für die ist der haircut immer noch ein riesengewinn."

Schon faszinierend, wie hartneckig auf vollkommenem Unwissen beruhende Unwahrheiten verbreitet werden:

Die "Geldschöpfung" einer Bank erfordert die zuvorige Ausleihung dieses Geldes von der Nationalbank. Dieser muss eine Bank jeden Cent zurück zahlen, das Ausfallrisiko tragen die Bankeneigentümer.

Insofern beruht Ihr Hass auf Banken auf diesem Unwissen.

Die Wahrheit: Die Nationalbanken sind die Proviteure der virtuellen Gelddruckerei, keine Geschäftsbank!! Die Gewinne der Nationalbank (=Zinsen der Banken) bekommt der Staat.

calcium9
00
26.6.2011, 10:44
der Zins deckt pe se auch Risiko eines Ausfalls ab!

Es wird in der diskussion völlig ignoriert, dass es die regel ist dass der eine oder andere kredit ausfällt. Also bei konsumentenkrediten ist das üblich. Auch sicherheiten werden verlangt, etc. Daher gibt es auch eine zinsspanne. Jetzt wird so getan, als gäbe es da nicht. Das wort Haircut wurde für die FEHLPLANUNG der banken erfunden.
Die banken haben unverantwortlich(!) kredite vergeben. Ob nun die EZB regelungen hat, dass staatsanleihen als AAA geratet in der bilanz akzeptiert werden ist, davon völlig unabhängig. Das ist nur der administrative rahmen, damit die banken weniger eigenkapital halten müssen und auch noch zinsen dafür bekommen.

Wozu braucht man noch einen privaten Banker, wenn der sich auf die Konventionen der EZB ausredet?

wer wenn nicht er
00
27.6.2011, 07:29
"Das ist nur der administrative rahmen, damit die banken weniger eigenkapital halten müssen und auch noch zinsen dafür bekommen."

Falsch: Das wurde erfunden, damit die Staaten VIEL WENIGER Zinsen für ihre Staatsschulden zahlen müssen.

calcium9
00
28.6.2011, 09:31
beides ist richtig

banke bekommen für staatspapiere einen weit höheren zinssatz als sie auf ihrem sparbuch. Die differenz ist eine (bisher) risikolose anlage für die banken.

wer wenn nicht er
00
28.6.2011, 10:10
Das Geschäft der Banken ist unter Anderem Fristentransformation

Es steht nämlich jedem Menschen frei, Staatsanleihen jedes beliebigen Landes zu kaufen.
Das Problem ist, dass diese meistens 10, 20 oder 30 Jahre Laufzeit haben.
Über so lange Zeiträume hat man zwar einen gewissen Zinsvorteil, andererseits kann man absolut nicht von "risikofrei" sprechen.
1. Sie könnten das Geld vielleicht schon früher brauchen
2. Die Inflation könnte steigen
3. Die Zinsen (auf Spareinlagen) könnten steigen
4. Der Staat könnte zahlungsunfähig werden

Wer auf 30 Jahre veranlagt, schaut sich ganz andere historische Entwicklungen zur Risikoeinschätzung an. Die Mehrzahl aller Länder (z.B. auch Deutschland oder Österreich) gehen mehrmals pro Jahrhundert in Konkurs. Hochinflations- und Hochzinskrisen gibt es sogar noch häufiger.

the comedian
 
00
25.6.2011, 11:54
das sollte so sein

nur:
die rücklagen der bankster belaufen sich lediglich auf 2-10% je nach nationalität.
dh. wenn der bankster 2000,- euronen als rücklage hat kann er bis zu 100.000,- euronen verleihen, die dann noch dazu mit zins und zinseszins zurückzuzahlen sind. dieses ungeheuerliche privileg muss den bankstern entzogen werden. das was sie beschreiben ist eine reine depositenbank mit 100% deckung. genau dort müssen wir hin.
so schauts aus!

wer wenn nicht er
00
27.6.2011, 07:52
Stimmt schon

Die Banken müssen Kredite mit EIGENkapital hinterlegen. Somit können Banken mit Ihren 2-10% Eigenkapital 100% Kredite ausgeben.
Allerdings muss die Bank die restlichen 98% als FREMDkapital halten, d.h. eine Bank die 100.000 EUR Kredit ausgeben will, braucht z.B. 10.000 EUR Eigenkapital (=z.B. von den Aktionären eingelegt) und 90.000 EUR (=z.B. Spareinlagen).

Bei Staatsanleihen ist Ihr Eigenkapitalbeispiel genau genommen sogar noch schlimmer, da die staatlichen Auflagen so gebaut sind dass Staatsanleihen immer gekauft werden:
Die Bank kann im Grunde Spareinlagen OHNE JEGLICHE Eigenkapitaldeckung in Staatsanleihen investieren!! (Außer der Mindestreserve).

the comedian
 
00
27.6.2011, 18:14
kognitive dissonanz

http://de.wikipedia.org/wiki/Geld... C3%B6pfung

Barbestände der Bank verringern die Mindestreserveverpflichtung.

the comedian
 
00
25.6.2011, 15:49
ach ja:

und wenns mir nicht glauben wollen, dann vielleicht:
http://en.wikipedia.org/wiki/Rese... equirement
soviel zur unwissenheit.....

Karl Krammer
01
24.6.2011, 18:58
die Insolvenz hat nur zu einem kleinen Teil zur Erholung beigetragen

der Peso hat von 1:1 zum Dollar auf bis zu 1:4 abgewertet (http://en.wikipedia.org/wiki/Arge... ine_peso), das war eine Lohnsenkung von bis zu 75% ab 2002. Die Wirtschaft hat sich ab da kräftig erholt: http://krugman.blogs.nytimes.com/2011/06/2... argentina/ - kein Wunder: argentinische Waren waren wieder konkurrenzfähig und die Importe sind drastisch zurückgegangen. Die Staatsschuldenlast ist dagegen in Peso nicht zurückgegangen: es gab zwar einen Haircut auf ~30-40%, aber der Peso hat ja bis auf 25% abgewertet.

Für Griechenland gibt es jetzt einen Abwertungsbedarf von ca. 30%. Das bekommt man auch ohne eigene Währung hin, aber es ist weit mühsamer: es quengeln nämlich keine Gewerkschaften herum, wenn die Währung im Außenwert fä

Totaler Durchblicksstrudel
00
24.6.2011, 22:48

Gute Analyse.
Die Politiker in den Weichwährungsländer sind/waren eben verwöhnt. Es wurde ihnen erspart die Wahrheit zu sagen. Und nach 2001 wollten viele im gleichen Fahrwasser weiter ziehen, aber die Marktgesetze sind eben unbarmherzig.
Heute einen ausländischen Schuldigen zu suchen (und zu finden: Deutschland, Frankreich) zeigt nur von der Merkbefreiung dieser Politiker.
Wenn Europa tatsächlich zusammen wachsen will, wird man nicht umhin kommen, auch ungeliebte Wahrheiten auszusprechen. Die jetzige Krise zeigt aber genau das Gegenteil davon.

Wasser
00
24.6.2011, 17:28
Analogie passt !

Scheint so, als ob einige LeserInnen des Standards mehr ökonmischen Durchblick als so manche der JournalistInnen haben.....
Argentinien stellte damals die Zinszahlungen auf seine Staatsanleihen komplett ein und der Kurs der Anleihe ging von ca. 90 komplett "in den Keller" und es brauchte recht lang, bis der Kurs sich zwischen 20 und 30 einpendelte. Die Verlustquote lag demnach bei gut 65%.
Die Lehre daraus: Staaten gehen durchaus bankrott, wenn sie danach auch weiter existieren. Die Marie war halt futsch.
Hätte man damals schon die umfangreichen Staatsbankrottanalysen von Reinhardt & Rogoff 2009: This time is different (Princeton University Press) gelesen.....kann ich nur empfehlen !

Totaler Durchblicksstrudel
00
24.6.2011, 18:15

Ich schrieb schon unten, dass die Quote deutlich drunter liegt -l bei etwa 40%. Kann man überall nachlesen, dementsprechend überrascht es mich auch, dass so einfachen Tatsachen so falsch wieder gegeben werden.

sm101
00
24.6.2011, 18:52

Machen einige Prozent mehr oder weniger Quote einen großen Unterschied im Gesamtbild?

Die IWF-Kredite wurde vollständig zurückgezahlt. Vereinbarungen mit privaten Kreditgebern wurden in zwei Umschuldungsrunden zu unterschiedlichen Quoten getroffen. Für 9 Milliarden Dollar gibt es noch keine Vereinbarung (Pariser Kreditorenklub).

Totaler Durchblicksstrudel
00
24.6.2011, 22:40

Für Argentinischen macht das keinen großen Unterschied. Aber in der Analogiebetrachtung zu Griechenland, weil es eben auch zeigt, dass trotz Haircuts die Gesamt-Belastung die gleiche blieb (wenn nicht sogar größer wurde). Was ja allerorten - wie auch hier - immer wieder gerne in Abrede gestellt wurde/wird.

Das Problem Argentiniens waren, wie in Griechenland, nicht die Schulden. Die waren eher ein Ergebnis. Das Problem war eine kurzfristig agierende, entscheidungsschwache Politik.
Und das heraus zu stellen macht tatsächlich einen großen Unterschied. Alleine schon um den Heilsversprechen der Netz-Kommunisten entgegen zu treten!

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