Ben Ali erzählt

24. Juni 2011, 13:52
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Zine El Abidine Ben Ali sieht sich als Opfer einer Verschwörung. Wie diese aussah, erklärte der 74-Jährige angesichts eines Gerichtsverfahrens gegen ihn. Schriftlich versteht sich. Denn der Ex-Diktator lebt seit seinem Sturz am 14. Jänner 2011 im Exil in Jeddah in Saudi-Arabien.

Im Verfahren am Montag, den 20. Juni, bei dem Ben Ali wegen unrechtmäßiger Bereicherung in Abwesenheit zu 35 Jahren Haft verurteilt wurde, stellte sein Anwalt die Flucht Ben Alis aus dessen Sicht dar.

Er sei "nicht geflohen" sondern auf "russische Art" abgesägt worden, berichtet Ben Ali in einem Schreibens. Der Sicherheitschef habe ihn am Nachmittag des 14. Jänner von einem Mordkomplott gegen ihn und seine Familie informiert. "Er bestand darauf, dass ich meine Familie für einige Stunden nach Jeddah begleite, damit der Sicherheitsdienst das Komplott zerschlagen und für meine Sicherheit garantieren könne."

So sei er denn in die Maschine nach Jeddah gestiegen. "Nach unserer Ankunft ist das Flugzeug nach Tunesien zurückgekehrt, ohne auf mich zu warten, obwohl ich das befohlen hatte." Ben Ali sass im Exil und "später wurde dann bekannt gegeben, ich sei aus Tunesien geflohen".

Unklar bleibt bei der Beschreibung der Reise nach Saudi-Arabien, warum die Präsidentenmaschine zuerst Richtung Frankreich flog, und als sie dort keine Landegenehmigung erhielt, weiter über Italien auf die arabische Halbinsel.

Ben Ali bestreitet außerdem alle Anschuldigungen gegen ihn. Er habe kein Privatvermögen angehäuft. Und "ich habe nicht den Befehl gegeben, auf die Demonstranten scharf zu schießen", heißt es unter anderem in seiner Erklärung. All die Vorwürfe und Ermittlungen gegen ihn, hätten nur ein Ziel: "Die vorherige Periode soll als das absolut Schlechte dargestellt werden, damit die Tunesier ein neues politisches System akzeptieren, das von Extremisten ausgearbeitet wird".

"Das heißt nicht, dass sich Herr Ben Ali noch als rechtmäßiger Präsident Tunesiens sieht", erklärte sein Anwalt. Ein gewissen Realitätssinn scheint der Geflohene noch zu haben.

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    foto: reiner wandler
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