Lächle, und alles wird gut!

24. Juni 2011, 13:35
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"Yvonne, die Burgunderprinzessin" der intergroup aus Graz regt zum Nachdenken an

Wien – Was für ein Fest, wenn König Ignaz und Königin Margarete sich ihrem Hofstaat präsentieren: Man singt und tanzt, und Prinz Philipp stampft den Takt dazu. Aber ach, eine seltsame Missmutigkeit hat vom Prinz Besitz ergriffen: Das adelige Leben langweilt ihn. Da taucht Yvonne auf, die sich durch ihre Hässlichkeit und ihr beharrliches Schweigen von allen anderen unterscheidet.

Nein, es folgt keine Handlung der Marke "Traumtyp macht Schwan aus hässlichem Mädchen". Die intergroup, ein Theater-Spielclub am Schauspielhaus Graz, bringt mit Yvonne, die Burgunderprinzessin alles andere als ein nettes Märchen auf die Wiener Bühne: Aus einer Laune heraus beschließt der Prinz, die linkische, aber stolze Yvonne zu heiraten, die er zuerst quält und bedrängt. So sehr sich Philipp zu seiner eigenen Überraschung im Folgenden bemüht, sie wirklich liebzugewinnen, und so sehr der Hofstaat sich bemüht, nur hinter vorgehaltener Hand zu lachen, schlägt die Stimmung bald um. Philipp will nicht Ziel des Spottes sein, und Yvonnes Verhalten wird vom Königspaar und den Damen als Verhöhnung ihrer Makel interpretiert. So beschließt jeder für sich, den personifizierten "Gewissensbiss" Yvonne loszuwerden ...

Witold Gombrowiczs Stück, das Anja Sczilinski inszeniert, erschließt sich nicht ganz einfach. Es ist absurdes Theater: Man muss sich mit einem stark konstruierten Inhalt, Handlungsumschwüngen und unschlüssigen Reaktionen der Figuren anfreunden. Dennoch ist das Stück spannend und reich an pointierten Aussagen. Trachtenkostüme (Kostüme: Peter Schultze) und Lieder im Dialekt bringen die Steiermark auf die Bühne, der Spielort eines fiktiven Königshofs enthebt den Inhalt aber der Realität. Das zwanzigköpfige Ensemble spielt hervorragend und erschafft eine Stimmung, die sich einerseits der Satire annähert, und andererseits durch starke sprachliche Gewalt jedes Lachen erstickt.

Die absurde, symbolisch überhöhte Geschichte um die verschlossene Yvonne, deren Unterwerfung unverständlich bleibt, regt in ihrer Unbequemlichkeit zum Nachdenken an: Warum holt das Fremde und Andersartige oft das Schlechteste aus den Menschen heraus? Warum muss es ausgegrenzt oder vernichtet werden, um das Gefühl von Ruhe und Sicherheit zu wahren?

Mit diesen komplexen Themen kann man sich am Freitag um 19.30 im Kasino auseinandersetzen. (Sabina Zeithammer / DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2011)

  • Prinz Philipp ist des Lebens bei Hof überdrüssig.
    foto: peter manninger

    Prinz Philipp ist des Lebens bei Hof überdrüssig.

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