Teater Sentanz zeigt "Jack ali (Schälchen Kaffee)"
Wien - Wenn am Samstag die jungen Kärntner von Teater Sentjanz / St. Johann den Stückereigen des diesjährigen Schülertheatertreffens mit Jack ali (Schälchen Kaffee)
beschließen, wird eine junge Tradition fortgeschrieben. Auch im letzten
Jahr kam die letzte Aufführung aus Kärnten, auch damals stand die
slowenische Sprache im Mittelpunkt. Die Herangehensweise könnte aber
unterschiedlicher nicht sein.
Die
Mitglieder des Slowenischen Kulturvereins St. Johann versuchen nicht,
ihre persönlichen Bezugspunkte zum Slowenischen direkt auf die Bühne zu
übertragen. Das von Alenka Hain sowohl geschriebene als auch inszenierte
Stück erweckt vielmehr den Anschein eines dystopischen Experiments.
Zwei Frauen und zwei Männer in verschiedenfarbigen Oberteilen teilen
sich die weitestgehend leere Bühne. Aus einem Tanz mit Tassen entwickelt
sich erst ein Streit um den Kaffee, dann um die Identitäten. Während
seine Kollegen in der Hoffnung auf mehr Bohnenbrühe bereitwillig ihre
Namen ablegen und zukünftig Jack heißen wollen, möchte Miro lieber Miro
bleiben.
Eine in der Welt von Jack ali äußerst
unkluge Entscheidung. Miro soll nun nämlich einer Gehirnwäsche
unterzogen werden. Diese findet, wie es sich für eine gründliche Wäsche
gehört, in einer Badewanne statt. Die darin enthaltenen Tischtennisbälle
sorgen nicht nur für einen schönen Rascheleffekt, sondern werden
alsbald auf die unterschiedlichsten Arten als Folterinstrumente
missbraucht. Bis auf eine kleine Pause, in welcher der artifizielle
Charakter des Stücks einmal mehr betont wird, muss der arme Miro tüchtig
leiden. Sogar das Publikum darf in dieser speziellen Demokratie über
den Therapieverlauf entscheiden - oder auch nicht.
Bis zur
Auslöschung des Subjekts ist es ein weiter Weg, auf dem Alenka Hain
ihren Darstellern einiges zu tun gibt. Mit viel Körpereinsatz und Freude
am schnellen Spiel mit der vom Slowenischen immer wieder ins Deutsche
oder Englische kippenden Sprache zeigen die jungen Schauspieler mitunter
großartige Leistungen. Die unterschiedlichsten Rollenbilder einer Welt,
die Individualität bestraft und systemkonforme Leistungsträger belohnt,
werden so unter Hochdruck bearbeitet.
Viele
Ideen bleiben dabei jedoch nur skizzenhaft, der Wunsch nach ein paar
Momenten der Auflockerung unerfüllt. Das Ende, welches man als offene
Finsternis bezeichnen könnte, erscheint da nur konsequent. (Dorian Waller / DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2011)