Lehrer und Leiter von Schülertheatern bringen mit geringen finanziellen Mitteln eindrucksvolle Projekte auf die Bühne
Ihre Arbeit beinhaltet
Kulturvermittlung und Persönlichkeitsbildung von jungen Menschen.
Wien
- Wenn beim Schülertheatertreffen naturgemäß die Schüler im Mittelpunkt
stehen, dürfen jene Menschen nicht vergessen werden, die in den Wochen
und Monaten davor unermüdlichen Einsatz leisten, um für eine
reibungslose künstlerische und organisatorische Vorbereitung zu sorgen.
Gemeint
sind die Lehrer und Leiter der Theatergruppen. Sie betreiben durch ihre
Arbeit an Schulen oder Jugendtheatern Kulturvermittlung. Andererseits
tragen sie mittels theaterpädagogischer Maßnahmen zur Bildung sozialer
Kompetenz bei und unterstützen die Jugendlichen in ihrer
Persönlichkeitsentwicklung parallel zum Schulalltag. Die körperliche und
stimmliche Darstellungskunst am Theater scheint hier besonders geeignet
zu sein.
Das
sieht auch Lehrer Günther Hollauf so, der untypischerweise nicht
Deutsch, sondern Baukonstruktion an der HTL Villach unterrichtet. Er
führte vor drei Jahren das Freifach Theater ein und öffnete, wie er
begeistert meint, den Schülern neue Welten, die anderen verschlossen
bleiben: "Wir wollten einen Gegenpart zur technischen Ausbildung
anbieten", erinnert er sich. "Bei den Schülern, die das Fach wählten,
war ein ganz anderes Auftreten zu beobachten. Unsere Schüler sollen
nicht nur gute Techniker werden, sondern selbstbewusste Menschen, die im
Leben bestehen", sagt Energiebündel Hollauf, der neben seiner
Lehrertätigkeit auch als Architekt arbeitet und einen
Theaterpädagogik-Master in Linz absolviert.
Für den 49-jährigen Kärntner, dessen Truppe mit dem Stück Außer Kontrolle
das Fest in Wien bereichert, ist das Schülertheatertreffen ein schöner
Moment, die reifen Früchte einer langen Arbeit zu ernten, die jährlich
im Herbst beginnt: "Die ersten drei Monate gelten dem Theaterunterricht,
wobei die Grundlagen der Schauspielkunst erlernt werden. Dann beginnen
die Proben mit Unterstützung eines externen Regisseurs." Viele Schüler
nehmen das Fach Schultheater an und bleiben bis zur Matura dabei.
Nicht
von Schultheater, sondern von Schülertheater sprechen Annette und Peter
Raffalt, die das Treffen leiten: "Das Alter der Jugendlichen ist
wichtig, es nehmen daher auch Gruppen teil, die in ihrer Freizeit
Theater machen." Sie verteidigen die diesjährige Auswahl, bei der nur
zwei der sieben Kollektive Schultheater sind. "Es hebt das Niveau, und
beide Formen sind unterstützenswürdig."
Arbeit und Freizeit
Viel
Idealismus und Kreativität brauchen Lehrer, um mit Schülern die Bretter
zu rocken. "Wenn ich dafür zwei Stunden bezahlt bekomme und im Schnitt
fünf arbeite, muss ich Freude an meinem Beruf haben und mich auch abends
damit beschäftigen", sagt Hollauf, der gegen eine strikte Trennung von
Arbeit und Freizeit ist. "Es kommt immer auf die Menschen an, die
unterrichten, ob sie etwas machen oder nicht. Große Hürden sieht er
bezüglich der Organisation von Schülertheater nicht: "Es kommt nur auf
das Engagement an." Etwas resigniert fügt er aber hinzu: "Jede zweite
Schule bietet Golf oder Tennis als Schwerpunkte an, kaum eine Theater.
Im Moment ist Schultheater nicht cool genug."
Raffalt
bemerkt zur Situation der österreichischen Schülertheaterszene, dass das
Budget für dieses Kontrastprogramm zum Schulalltag gering ist. Die
Villacher verfügen über 3000 Euro, die von Sponsoren gestellt werden.
Das Festival ermöglicht den jungen Mimen, ihre Arbeit vor großem
Publikum zu zeigen und sich mit anderen zu messen. Die Kärntner erhoffen
"natürlich den Sieg", gewinnen aber jedenfalls, nämlich neue
Erfahrungen und regen Austausch mit anderen Gruppen. (Sebastian Gilli / DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2011)