"Es kommt nur auf das Engagement an"

24. Juni 2011, 13:28
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Lehrer und Leiter von Schülertheatern bringen mit geringen finanziellen Mitteln eindrucksvolle Projekte auf die Bühne

Ihre Arbeit beinhaltet Kulturvermittlung und Persönlichkeitsbildung von jungen Menschen.

Wien – Wenn beim Schülertheatertreffen naturgemäß die Schüler im Mittelpunkt stehen, dürfen jene Menschen nicht vergessen werden, die in den Wochen und Monaten davor unermüdlichen Einsatz leisten, um für eine reibungslose künstlerische und organisatorische Vorbereitung zu sorgen.

Gemeint sind die Lehrer und Leiter der Theatergruppen. Sie betreiben durch ihre Arbeit an Schulen oder Jugendtheatern Kulturvermittlung. Andererseits tragen sie mittels theaterpädagogischer Maßnahmen zur Bildung sozialer Kompetenz bei und unterstützen die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung parallel zum Schulalltag. Die körperliche und stimmliche Darstellungskunst am Theater scheint hier besonders geeignet zu sein.

Das sieht auch Lehrer Günther Hollauf so, der untypischerweise nicht Deutsch, sondern Baukonstruktion an der HTL Villach unterrichtet. Er führte vor drei Jahren das Freifach Theater ein und öffnete, wie er begeistert meint, den Schülern neue Welten, die anderen verschlossen bleiben: "Wir wollten einen Gegenpart zur technischen Ausbildung anbieten", erinnert er sich. "Bei den Schülern, die das Fach wählten, war ein ganz anderes Auftreten zu beobachten. Unsere Schüler sollen nicht nur gute Techniker werden, sondern selbstbewusste Menschen, die im Leben bestehen", sagt Energiebündel Hollauf, der neben seiner Lehrertätigkeit auch als Architekt arbeitet und einen Theaterpädagogik-Master in Linz absolviert.

Für den 49-jährigen Kärntner, dessen Truppe mit dem Stück Außer Kontrolle das Fest in Wien bereichert, ist das Schülertheatertreffen ein schöner Moment, die reifen Früchte einer langen Arbeit zu ernten, die jährlich im Herbst beginnt: "Die ersten drei Monate gelten dem Theaterunterricht, wobei die Grundlagen der Schauspielkunst erlernt werden. Dann beginnen die Proben mit Unterstützung eines externen Regisseurs." Viele Schüler nehmen das Fach Schultheater an und bleiben bis zur Matura dabei.

Nicht von Schultheater, sondern von Schülertheater sprechen Annette und Peter Raffalt, die das Treffen leiten: "Das Alter der Jugendlichen ist wichtig, es nehmen daher auch Gruppen teil, die in ihrer Freizeit Theater machen." Sie verteidigen die diesjährige Auswahl, bei der nur zwei der sieben Kollektive Schultheater sind. "Es hebt das Niveau, und beide Formen sind unterstützenswürdig."

Arbeit und Freizeit

Viel Idealismus und Kreativität brauchen Lehrer, um mit Schülern die Bretter zu rocken. "Wenn ich dafür zwei Stunden bezahlt bekomme und im Schnitt fünf arbeite, muss ich Freude an meinem Beruf haben und mich auch abends damit beschäftigen", sagt Hollauf, der gegen eine strikte Trennung von Arbeit und Freizeit ist. "Es kommt immer auf die Menschen an, die unterrichten, ob sie etwas machen oder nicht. Große Hürden sieht er bezüglich der Organisation von Schülertheater nicht: "Es kommt nur auf das Engagement an." Etwas resigniert fügt er aber hinzu: "Jede zweite Schule bietet Golf oder Tennis als Schwerpunkte an, kaum eine Theater. Im Moment ist Schultheater nicht cool genug."

Raffalt bemerkt zur Situation der österreichischen Schülertheaterszene, dass das Budget für dieses Kontrastprogramm zum Schulalltag gering ist. Die Villacher verfügen über 3000 Euro, die von Sponsoren gestellt werden. Das Festival ermöglicht den jungen Mimen, ihre Arbeit vor großem Publikum zu zeigen und sich mit anderen zu messen. Die Kärntner erhoffen "natürlich den Sieg", gewinnen aber jedenfalls, nämlich neue Erfahrungen und regen Austausch mit anderen Gruppen. (Sebastian Gilli / DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2011)

  • HTL-Lehrer Günther Hollauf schäkert mit seinen Mimen und sagt nicht ohne Pathos: "Für uns Kärntner ist es toll und aufregend, die heiligen Hallen des Wiener Theaters bespielen zu dürfen."
    foto: reinhard werner

    HTL-Lehrer Günther Hollauf schäkert mit seinen Mimen und sagt nicht ohne Pathos: "Für uns Kärntner ist es toll und aufregend, die heiligen Hallen des Wiener Theaters bespielen zu dürfen."

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