"hikikomori": wenn Jugendliche dichtmachen
Wien - Irgendwann war alles aussichtslos geworden. Was genau passiert ist?
Nichts Bestimmtes und doch viel. Der Druck auf Teenager ist groß und
fühlt sich oft ungleich größer an. H. jedenfalls konnte nicht mehr - er
zog sich zurück und machte dicht.
Das Grazer Theater am Ortweinplatz brachte mit hikikomori, H. verweigert
im Burgtheater-Kasino einen geglückten und thematisch naheliegenden
Beitrag zum Schülertheatertreffen auf die Bühne. Regisseurin Beatrice
Dermond hat das Stück von Holger Schober bearbeitet und über die
Umgangssprache nahe an den Lebenswelten heimischer Jugendlicher
umgesetzt.
"Hikikomori"
werden in Japan junge Menschen genannt, die sich in eine moderne Form
des Einsiedlertums flüchten. So wie H. (David Valentek), der sich, in
seinem vergammelten Kinderzimmer verschanzt, ins Weltall träumt.
Wie Major Tom aus David Bowies Song Space Oddity hat
er den Kontakt zur Bodenkontrolle verloren und schwebt ziellos im
luftleeren Raum. Hier erklärt H. sich und seine Sicht auf die Welt,
diesen Moloch, von dem er sich abgekapselt hat.
Der
sechzehnjährige Valentek spielt den wütenden, dahinvegetierenden
Außenseiter in eindringlicher Weise: Er bewegt sich zwischen Zorn,
Zynismus, bitterer Verzweiflung. Seine Monologe werden nur von
Stippvisiten der Mutter (Anna Fallmann) unterbrochen, die einmal
versucht, ihm gut zuzureden, anderntags die Nerven wegschmeißt.
In einem
Chat lernt der Eremit das Mädchen Rosenkind (Gwendolin Barnard) kennen.
Als sie versucht, ihrem Major Tom näher zu kommen, zeigt sich, woran
dieser laboriert: schlicht an seiner Angst vor allem. Die Zuwendung
kommt spät - H. hat sich bereits entschieden: "Das ist meine Raumkapsel,
mein Untergang." (Benjamin Koffu / DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2011)