Im luftleeren Raum

24. Juni 2011, 13:10
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"hikikomori": wenn Jugendliche dichtmachen

 Wien - Irgendwann war alles aussichtslos geworden. Was genau passiert ist? Nichts Bestimmtes und doch viel. Der Druck auf Teenager ist groß und fühlt sich oft ungleich größer an. H. jedenfalls konnte nicht mehr - er zog sich zurück und machte dicht.

Das Grazer Theater am Ortweinplatz brachte mit hikikomori, H. verweigert im Burgtheater-Kasino einen geglückten und thematisch naheliegenden Beitrag zum Schülertheatertreffen auf die Bühne. Regisseurin Beatrice Dermond hat das Stück von Holger Schober bearbeitet und über die Umgangssprache nahe an den Lebenswelten heimischer Jugendlicher umgesetzt.

"Hikikomori" werden in Japan junge Menschen genannt, die sich in eine moderne Form des Einsiedlertums flüchten. So wie H. (David Valentek), der sich, in seinem vergammelten Kinderzimmer verschanzt, ins Weltall träumt.

Wie Major Tom aus David Bowies Song Space Oddity hat er den Kontakt zur Bodenkontrolle verloren und schwebt ziellos im luftleeren Raum. Hier erklärt H. sich und seine Sicht auf die Welt, diesen Moloch, von dem er sich abgekapselt hat.

Der sechzehnjährige Valentek spielt den wütenden, dahinvegetierenden Außenseiter in eindringlicher Weise: Er bewegt sich zwischen Zorn, Zynismus, bitterer Verzweiflung. Seine Monologe werden nur von Stippvisiten der Mutter (Anna Fallmann) unterbrochen, die einmal versucht, ihm gut zuzureden, anderntags die Nerven wegschmeißt.

In einem Chat lernt der Eremit das Mädchen Rosenkind (Gwendolin Barnard) kennen. Als sie versucht, ihrem Major Tom näher zu kommen, zeigt sich, woran dieser laboriert: schlicht an seiner Angst vor allem. Die Zuwendung kommt spät - H. hat sich bereits entschieden: "Das ist meine Raumkapsel, mein Untergang." (Benjamin Koffu / DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2011)

  • H. kämpft - vor allem mit sich.
    foto: clemens nestroy

    H. kämpft - vor allem mit sich.

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