Im Stil einer großen TV-Show wurde das von Annette und Peter Raffalt initiierte Schülertheatertreffen im Kasino des Burgtheaters eröffnet
Sieben Jugendgruppen spielen bis Samstag um den Theater-Oskar.
Wien
- "... fünf, sechs, sieben, acht - alle mittanzen!" Mit dieser
Aufforderung von Aerobictrainer Tim wurden die Teilnehmer des zweiten
Schülertheatertreffens von ihren Sitzen gerissen. In neonfarbener
Fitnessmode stürmten die Animateure - allesamt Mitglieder des
Theaterjahres der Jungen Burg - auf die Bühne des Kasinos am
Schwarzenbergplatz, wo die Eröffnung des Wettbewerbes stattfand:
fulminanter Vorgeschmack auf die täglich angebotenen Warm-Ups für die
Jungschauspieler, die aus beinahe ganz Österreich angereist sind..
Abgelöst
wurden die Vorturner von Moderator David Böse, der den Theaterraum in
ein TV-Studio verwandelte. Auf der Showcouch begrüßte er im Lauf der
"Sendung" eine Reihe schriller Gäste. Unterstützt von Außenreportern,
zugeschaltet via Großbildübertragung, wurde den Jugendlichen die
Programmpunkte und Besonderheiten des Festivals vorgestellt. So erklärte
etwa Korrespondentin Verena den vermeintlichen Landeiern - in
authentischem Salzburgerisch -, dass man in Wien auf den Halteknopf
drücken muss, um aus der Straßenbahn aussteigen zu können. Wild
gestikulierend präsentierte Pablo, der Restauranttester die
"Essensmärkchen" für das tägliche Mittagessen im Burgtheater,
Shoppingexperte Julian lobte die kuschelweiche Qualität der
Festivalpässe.
Bunt und
bewegt begann heuer das Wettspielen von Schüler- und
Jugendtheatergruppen um den mit 1250 Euro dotierten Oskar sowie um den
Publikumspreis an der Burg. Aus mehr als dreißig Anmeldungen wurden
sieben Gruppen aus der Steiermark, Kärnten, Wien und Niederösterreich
eingeladen. Vom 22. bis 25. Juni sind ihre Produktionen im
Akademietheater und im Kasino zu sehen.
Workshops und Diskussionen
Aber sie
können nicht nur zeigen, was sie schauspielerisch schon drauf haben,
sondern in von Profis geleiteten Workshops jede Menge Neues lernen.
Am
Samstag werden schließlich alle Teilnehmer gemeinsam zur Preisverleihung
und großen Abschlussparty auf den roten Teppich ins Kasino gebeten.
Nicht jeder fühlt sich vom Wettkampf angespornt: "Die
Konkurrenzsituation kann schon verunsichern", gesteht Gwendolin vom
Grazer Theater Ortweinplatz, das hikikomori, H. verweigert zeigt.
Aber von
der temporeich inszenierten Eröffnungsveranstaltung waren alle
begeistert: "Es hat bombastisch begonnen", schwärmt Tobias von der
intergroup, einem Theater-Spielclub am Schauspielhaus Graz. Heute Abend
ist ihr Stück Yvonne, die Burgunderprinzessin von Witold Gombrowicz zu sehen (siehe Seite 31).
Wie alle anderen auch, freut sich Tobias besonders auf den Austausch
mit den anderen Gruppen. Die beste Gelegenheit dazu bietet sich bei den
Aufführungsgesprächen, wo die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler
dazu aufgefordert sind, ihre Meinung zu den Stücken zu formulieren.
Cool an der Burg
Als
dritte steirische Gruppe ist der Skating Amadeus Chor gemeinsam mit der
Theatergruppe Next Liberty angereist. Ihr Beitrag: Die szenische
Gestaltung von Haydns Schöpfung. Überzeugend Laras Erklärung für
die steirische Dominanz: "Fast jedes Theater in Graz hat eine
Jugendschiene, so ist das Interesse am Bühnenspiel für uns ganz normal."
Mit Shakespeares Der Sturm
hat sich die Wiener Schülergruppe vom Theater in der Hegelgasse
beschäftigt. Aus Gablitz in Niederösterreich ist die Jugendtheatergruppe
Peter Pilat mit Oscar Wildes Bunburry oder Ernst sein ist alles an die Burg gekommen. Ihre Kärntner Kollegen von der HTL Villach zeigen Außer Kontrolle
von Ray Cooney.Wie schon im Vorjahr ist auch heuer ein zweisprachiges
Werk im Bewerb: Die Teatergruppe des slowenischen Kulturvereins Sentjanz
aus St. Johann hat Jack ali (Schälchen Kaffee) von Alenka Hain erarbeitet.
Einig
sind sich alle darüber, dass "cool" ist, auf einer der größten Bühnen
Österreichs zu stehen. "Ich freue mich hauptsächlich aufs Spielen",
bringt es Miro auf den Punkt. (Elisa Weingartner, Sabina Zeithammer / DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2011)