Österreich-Präsenz in Wettbewerben des Moskauer Filmfestivals

24. Juni 2011, 12:31
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Christoph Starks Georg-Trakl-Drama "Tabu" im Hauptbewerb, Ludwig Wüsts "Tape End" in der Nebenschiene

Moskau  - Österreich ist mit dem vom deutschen Regisseur Christoph Stark inszenierten Künstlerdrama "Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" in diesem Jahr beim Hauptwettbewerb des 33. Moskauer Internationalen Filmfestivals vertreten.  Die österreichisch-deutsch-luxemburgische Koproduktion, die im Laufe ihrer Entstehung auch den Titel "Für immer und ewig" trugt, erzählt die Geschichte des in Salzburg geborenen expressionistischen Dichters Georg Trakl (1887-1914) und seiner ihm inzestuös verbundenen Schwester Grete. In den Hauptrollen sind Lars Eidinger und Peri Baumeister zu sehen, gedreht wurde im Sommer 2010 u.a. an Originalschauplätzen in Wien.

Im zweiten Wettbewerb, der sogenannten "Perspectives Competition", geht Ludwig Wüsts "Tape End", der im März bei der Diagonale seine Uraufführung feierte, in Rennen: eine inszenatorisch minimalistische wie schauspielerisch  sehr intensive Spielfilmstudie über Casting-Spielchen eines hinterfotzigen Bühnenregisseurs.

Insgesamt werde die Jury unter Leitung der Schauspielerin Geraldine Chaplin bis 2. Juli 17 Filme aus unterschiedlichen Ländern bewerten, teilten die Organisatoren in Moskau mit. Ein weiterer Programmpunkt in Moskau ist eine Werner Herzog-Retrospektive, bei der der deutsche Regisseur seine Filme wie "Woyzeck" von 1979 und andere selbst präsentieren wird. An den zehn Festivaltagen werden im Kinotheater Oktjabr und anderen Spielstätten tausende Cineasten erwartet. Nach Angaben der Organisatoren kamen im Vorjahr 128.000 Zuschauer. Festivalpräsident Nikita Michalkow lobte zur Eröffnung am Donnerstag das große Interesse der internationalen Filmwelt an dem Kinoereignis.

Moskau gehört wie Berlin, Cannes oder Venedig zu den A-Festivals der internationalen Produzentenvereinigung FIAPF. Das vorwiegend vom Staat finanzierte Kinoereignis wurde 1959 gegründet, seit 2000 wird es jährlich organisiert. Kritiker beklagen aber immer wieder die verstaubte Atmosphäre und den Mangel an Glamour. Kulturminister Alexander Awdejew kritisierte zudem, dass es seit Jahren kein passendes Filmtheater für das Festival gebe. Die Aufteilung auf verschiedene Kinos in der Stadt - ohne ein repräsentatives Foyer - verursache immer wieder Unbequemlichkeiten. (APA)

  • Die Casting-Couch ist leergeräumt, die Kamera angedreht: Nenad Šmigoc in  "Tape End"
    foto: ludwig wüst

    Die Casting-Couch ist leergeräumt, die Kamera angedreht: Nenad Šmigoc in  "Tape End"

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