Rewe will Stecker aus der Dose ziehen

24. Juni 2011, 00:09
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In der Rewe-Gruppe (Billa, Merkur ...) träumt man von der Nullenergiefiliale

Ob Spar, Hofer oder Baumax - Produkte zu verkaufen und Energie zu sparen gehen immer öfters Hand in Hand - Rewe (Billa, Merkur ...) will jetzt noch mehr - In der Gruppe träumt man von der Nullenergiefiliale.

Wien - Dosen mit Fisch, stapelweise Dosen mit geschälten Tomaten und jede Menge Steckdosen, aus denen Strom zum Betrieb diverser elektrischer Geräte inklusive Kühlung fließt. Das bleibt haften, wenn man heute offenen Auges durch die Supermärkte streift.

Beim zweiten Hinsehen sieht es oft schon anders aus: LED-Leuchten, die stromsparend für das passende Licht sorgen, abgedeckte Kühlregale, die das rasche Entweichen der Kälte verhindern, Vorkehrungen, damit die Sonne nicht direkt in die Regale knallt und dennoch genug natürliches Licht in die Verkaufsräume fällt.

Energierechnung der Unternehmen wird entlastet

"Zur Imagepflege einer Marke ist Nachhaltigkeit, der sparsame Umgang mit Energie, ganz wichtig", sagt David Pfarrhofer vom Linzer Market-Institut. Das sei mit ein Grund, warum Rewe, Spar oder Hofer da viel Energie, Arbeit und Geld hineinsteckten.

"Kaufentscheidend ist das freilich nur bedingt", schränkt Pfarrhofer im Standard-Gespräch ein. Unterm Strich würden sich die Investitionen aber lohnen, zumal die Energierechnung der Unternehmen deutlich entlastet werde.

Die Rewe Gruppe (Billa, Merkur, Penny, Bipa) war eines der ersten Handelsunternehmen in Österreich, das sich in breitem Stil einen grünen Anstrich verpasst hat. 2004 wurde in Blindenmarkt (NÖ) eine erste Billa-Filiale mit einer energieeffizienten Kälte- und Heizungsanlage ausgestattet. Danach wurden die Energieverbrauchswerte zwei Jahre lang aufgezeichnet, ebenso die Umgebungstemperaturen. Parallel dazu wurden in vergleichbaren Billa-Supermärkten die Verbrauchswerte der Standardanlagen überprüft. Der Unterschied sei eklatant gewesen, sagt Peter Breuss, technischer Direktor der Rewe Group. Zu Beginn der großen Umbauoffensive 2007 habe man diese Erkenntnisse mitberücksichtigt und zusätzlich Neues ausprobiert.

Schlüsselstelle Kühlung

Rund 60 Prozent des Strombedarfs einer Filiale entfalle auf die Kühlung der Ware. Als Konsequenz werden nun in Billa- und Merkurmärkten sämtliche Regale im Fleisch- und Convenience-Bereich mit Türen nachgerüstet. Das koste pro Markt 4000 bis 8000 Euro. Bei Milchprodukten mache der Türeinbau wenig Sinn. Die Türöffnungsintervalle seien wegen der hohen Nachfrage zu dicht.

Insgesamt verbrauchte die Rewe-Gruppe in Österreich zuletzt rund 550 Gigawattstunden Strom, das sind etwa 0,8 Prozent des gesamten österreichischen Strombedarfs. Der Strom wiederum stammt zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen, ein kleinerer Teil sogar aus Rewe-eigenen Windrädern oder Fotovoltaikanlagen.

Ein Drittel der Energie eingespart

Durch verschiedenste Maßnahmen, die bei der Gebäudehülle - Stichwort Green Building - beginnen und bis zur Beleuchtung reichen, konnte im Durchschnitt aller umgerüsteten Filialen rund ein Drittel der Energie im Vergleich zu 2006 eingespart werden. Die Folge: rund 11.000 Tonnen weniger CO2. Etwa ein Fünftel der Filialen ist auf dem neuesten Stand, die verbleibenden rund 1500 sollen folgen. Messlatte ist die Billa-Energiesparfiliale in Deutsch-Wagram, wo 54 Prozent des Energieverbrauchs eingespart wurden.

Breuss hat einen Traum - eine Nullenergiefiliale, die genauso viel Strom erzeugt, wie sie verbraucht. "Das ist eine Vision, die entstanden ist aus der Zusammenarbeit mit dem Energiecluster Niederösterreich", sagt Breuss. Eine Jahreszahl möchte er nicht nennen, das Ziel sei weit weg. Aber die Vision soll Ansporn sein, darauf hinzuarbeiten. (Günther Strobl, DER STANDARD; Printausgabe, 24.6.2011)

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    Durch verschiedenste Maßnahmen konnte im Durchschnitt aller umgerüsteten Rewe-Filialen rund ein Drittel der Energie im Vergleich zu 2006 eingespart werden.

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