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Ein hell leuchtendes Geburtstagsgeschenk: Das Leopold-Museum öffnet mithilfe der Bremer Künstlergruppe Urbanscreen seine Wände.
Bei einem vielfältigen Programm sollten alle Besucher ins Staunen kommen, so sich Petrus kooperativ verhält.
Wien - Als Johann Bernhard Fischer von Erlach von Karl VI. den Auftrag zur Errichtung eines Hofstallgebäudes bekam, hätten sich beide Herren sicher nicht träumen lassen, dass knapp 300 Jahre später das Wiener Jungvolk an diesem Ort dafür protestieren würde, auf zitronengelben Liegemöbeln Bier trinken zu dürfen. Wie es aber die Geschichte wollte, wurden die Hofstallungen zum Wiener Museumsquartier.
Mit dem 30. Juni jährt sich nun die Eröffnung des Museumsquartiers zum zehnten Mal. In der Zeit konnte sich das Areal mit seinen Museen, Lokalen und Kulturräumen als populärer Tummelplatz urbanisierter Wiener nördlich des Naschmarkts etablieren.
Dementsprechend wird der Geburtstag mit einem großen Open-Air-Fest gefeiert. Drei im europäischen Osten verwurzelte Bands sollen zunächst für Partystimmung sorgen. Anschließend ist es an der deutschen Künstlergruppe Urbanscreen, die Außenhülle des Leopold-Museums mit einer audiovisuellen Performance zu inszenieren und dabei für ein Feuerwerk der besonderen Art zu sorgen.
Für den Auftakt sorgen Bára Kratochvílová und Jan Kratochvíl alias DVA. Wie die Namen der beiden jungen Tschechen bereits vermuten lassen, handelt es sich um Geschwister, die musizierend die Welt zu einem besseren Platz machen wollen.
Dies könnte ihnen sogar gelingen, so sich genügend Leute finden, die ihren Liedern Gehör schenken. Songtitel wie Huhu oder Hap Hej weisen bereits in die richtige Richtung: es ist eine Musik der kindlichen Unschuld, vorgetragen in einer Fantasiesprache und jenseits aller Schubladen.
Während Jan die Gitarre spielt, greift sich Bára scheinbar alles, was sie in ihrem Kinderzimmer finden konnte, um damit ihren Bruder zu begleiten. So sie nicht gerade mit lieblicher Stimme singt, sind es bevorzugt Blasinstrumente, mit denen sie den Sound der Band prägt. Wer das als Babykram abkanzelt, möge zur Strafe dreimal das Teletubby-Lied singen.
Amtliche Mucke zum Fest
Bei den anschließend auftretenden Gästen aus Polen ist besonders der Name der fernsten Kindheit geschuldet. Miloopa kommen dabei aber durchaus ernsthaft daher. In einem Bett aus elektronischen Klängen erhebt Sängerin Natalia Lubrano ihre zarten Stimme. Das britische Duo Lamb war hier deutlich Vorbild.
Wenn zum Abschluss des Musikprogramms Miss Platnum die Bühne betritt, wird das Tempo erhöht werden. Die gebürtige Rumänin sorgt von Berlin aus für amtliche Mucke zwischen Soul und rabiat-forschem Balkan Brass. Seit sie 2007 mit den fordernden Singles Give Me The Food und Come Marry Me den Durchbruch schaffte, ist die Queen aus Berlin hierzulande ein gern gesehener Partygast. Dass sie sich mittlerweile etwas geglättet präsentiert, sehen wir im Sinne der Völkerverständigung gnädig nach.
FM4-Afterparty
Wer mit dem Auftritt von Frau Chefa auf Touren gekommen ist, verlängert nach der Lichtshow von Urbanscreen die Sause noch mit der FM4-Afterparty. Jahrgangskollegen des Museumsquartiers gehören dann aber natürlich schon in die Federn. (Dorian Waller / DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2011)
Tanzende Bilder aus brummenden Rechnern
Mit einer Lichtshow beschließen Urbanscreen das MQ-Open-Air
Wien - Menschen fliegen scheinbar schwerelos Häuserfassaden hoch, Mauerteile bewegen sich wie Blätter im Wind, Wasserfälle ergießen sich aus Fenstern, Regenbogenfarben spannen sich über graue Wände. Das achtköpfige Team von Urbanscreen verwandelt starre Architektur in belebte Spielflächen des Lichts. Einen Namen für ihre patentierte Arbeit haben die Künstler auch: Lumentektur.
In Kooperation mit dem von Eva Fischer kuratierten Soundframe-Festival macht die junge Bremer Truppe nun die Fassade des Leopold-Museums zur Bühne. Als Höhepunkt der MQ-Geburtstagsfeier soll Bildmaterial mit Beamern derart kunstvoll auf die weiße Kalkfassade des Hauses projiziert werden, dass sich kaum mehr unterscheiden lässt, was real und was lediglich ein Lichtspiel ist.
Bevor die Bilder tanzen, sind für das seit 2005 zusammenarbeitende Team von Urbanscreen jedoch stets unzählige Arbeitsstunden in das Projekt zu investieren. So werden etwa Fassadenmodelle in Originalgröße vor laufender Kamera bespielt.
Später legt sich das so entstandene Filmmaterial wie eine maßgeschneiderte Folie auf die bestrahlte Fläche. Dazu gesellt sich noch allerhand dreidimensionales Material, das in den brummenden Urbanscreen-Rechnern gebacken wird.
Dabei ist dem aus allen möglichen Sparten wie Architektur, Musik oder Informatik zusammengesetzten Kollektiv wichtig, dass das Gezeigte in einem Zusammenhang mit dem Ort der Aufführung steht.
Jedes Projekt von Urbanscreen ist somit in doppelter Hinsicht einmalig. Zum einen ist es stets an einen bestimmten Raum gebunden, zum anderen verschwinden die Bilder so schnell, wie man bei einem Beamer den Stecker ziehen kann. Man darf gespannt sein, wie sich das Museum nicht nur als Kunstbehälter, sondern auch als ein nach außen kommunizierender Akteur präsentiert. (wall)
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