Streit um Golfplatzpläne beim Reha-Zentrum

23. Juni 2011, 19:20
19 Postings

Die Pläne für einen Golfplatz auf AUVA-Gründen wurden schon einmal vom Gesundheitsministerium abgelehnt - Jetzt muss es erneut darüber entscheiden

Klosterneuburg/Wien - Einlochen am Green statt Drachensteigen auf der Wiese könnte es in Zukunft in Klosterneuburg heißen. Der Plan für eine 18-Loch-Anlage auf einem Areal der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) beim Reha-Zentrum "Weißer Hof" wurde zwar schon 2010 abgewiesen. Das Vorhaben sei "zu risikoreich", hieß es damals. Jetzt liegt er Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) aber erneut vor.

2700 besorgte Bürger trugen sich in eine Unterschriftenliste gegen das Projekt ein. Eines der Bedenken gegen die Anlage in der Größe von rund 70 Hektar ist laut Christiane Rille-Pfeiffer, Leiterin der Bürgerinitiative, dass nach der Pleite des Hotels Park Inn im Ort "eine gewisse Skepsis gegenüber Großprojekten" herrsche.

Über die finanzielle Lage des Firmenchefs, der die mediale Öffentlichkeit scheut, kursieren jede Menge Gerüchte. Fakt ist: Eines der Unternehmen des Mannes ist laut Firmenbuch seit Mai in einem Sanierungsverfahren. Der Unternehmer selbst war bis vor kurzem noch Gesellschafter der Golfclub Klosterneuburg Betriebs GmbH und ist dort Geschäftsführer.

Er sieht die Lage naturgemäß anders: "Die Auflagen sind so strikt, dass man sich um die Finanzierung keine Sorgen machen muss." Das Projekt würde mithilfe privater Investoren realisiert.

Das Hauptargument der Golfplatzgegner ist, dass die derzeit an Landwirte verpachtete Grünfläche noch eines der wenigen frei zugänglichen Naherholungsgebiete darstellt. Der Standort sei zudem "völlig ungeeignet", wie Rille-Pfeiffer sagt, das abschüssige Gelände müsse stark bearbeitet werden. Weiters existieren ethische Bedenken gegen einen Golfplatz neben einer Reha-Station für Unfallverletzte. Und die landwirtschaftlichen Flächen um Wien würden soundso stetig kleiner.

"Kein elitärer Club"

Der künftiger Betreiber des Platzes kennt die gegnerischen Argumente alle. Im Gespräch mit dem Standard erklärte er, keinen elitären Club mit hohen Einschreibgebühren zu planen. Er habe auch Ideen, wie man Golfinteressierte mit geringen finanziellen Möglichkeiten oder Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung miteinbeziehen könne. Zu den Umweltsorgen merkt er an, dass ohnehin eine Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen müsste und bei Erdbewegungen strenge Vorschriften herrschten.

Allen Bedenken zum Trotz hat die AUVA dem Projekt intern bereits zugestimmt. Eine Pressesprecherin sagte, es gehe der Versicherungsanstalt darum, ihre Flächen bestmöglich zu nutzen. Man sei gesetzlich zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet. AUVA und Betreiber haben auch schon einen Vertrag über die baurechtliche Nutzung unterzeichnet. Die Gemeinde müsste der Umwidmung noch zustimmen - wenn Minister Stöger das Projekt durchwinkt.

Seit wenigen Tagen liegen ihm die Unterlagen vor. Für die Überprüfung ist bis zu einem halben Jahr Zeit. Golfplatzgegner und potenzieller Betreiber bleiben inzwischen nicht untätig. Erstere rufen am 1. Juli (16 Uhr) zur Demo auf. Letzterer will im September den exakten Golfplatzplan vorlegen. (Gudrun Springer, DER STANDARD; Printausgabe, 24.6.2011)

  • Die Fläche beim Reha-Zentrum "Weißer Hof" (im Bild) ist - noch - an Landwirte verpachtet.
    foto: privat

    Die Fläche beim Reha-Zentrum "Weißer Hof" (im Bild) ist - noch - an Landwirte verpachtet.

Share if you care.