Sloweniens Präsident Danilo Türk nach 20 Jahren Unabhängigkeit: "Wir glauben an die EU und den Euro"
20 Jahre Unabhängigkeit sind für den slowenischen Präsidenten Danilo Türk ein Anlass, über sein Land nachzudenken. Die Schlussfolgerungen sind pro-europäisch: "Wir fühlen uns der Europäischen Union stark verpflichtet und glauben an den Euro", sagte der Staatspräsident am Donnerstag im Gespräch mit Journalisten.
Die Vorteile der Gemeinschaftswährung seien größer als die Nachteile. Konkret sprach sich Türk für eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild aus. "Wir müssen unsere Schulden beschränken, auch mit verfassungsrechtlichen Mitteln." Slowenien wurde 1991 unabhängig, kam 2004 in die EU und wurde 2007 in die Währungsunion aufgenommen. "Wir konnten rasch viel erreichen, ohne einen wahnsinnig hohen Preis zahlen zu müssen", resümierte Türk. "Natürlich haben wir heute Probleme, wie andere Länder auch. Aber das Gesamtbild ist in Ordnung."
Ein zentrales Problem ist etwa die Zahl der Arbeitslosen, die sich seit 2008 auf mehr als 110.000 verdoppelt hat. Türk aber signalisierte beharrlich Optimismus. "Wir sind ein junges Land und haben durchaus noch mit Problemen des Erwachsenwerdens zu kämpfen."
Der Zwillingspartner in Sachen Unabhängigkeit - Kroatien - hat es hier schon bedeutend schwerer: Während sich Slowenien nach dem Zehntagekrieg vom Juni 1991 seiner demokratischen Zukunft widmen konnte, geriet Kroatien erst in einen langen Krieg hinein. Und statt wie Slowenien bereits 2004 in die EU aufgenommen zu werden, schließt Zagreb seine EU-Verhandlungen gerade in diesen Tagen erst ab.
Türk scheint die EU-Mitgliedschaft Kroatiens herbeizusehnen: "Natürlich sind wir in Slowenien viel besser dran, wenn auch Kroatien Teil der Union ist." Die bilateralen Beziehungen hätten sich seit dem Vorjahr "sehr entspannt".
Die Beziehungen zu Österreich nennt Türk, wie zu erwarten, "exzellent". Nach dem Ortstafel-Kompromiss hofft der Präsident noch auf weitere Verbesserungen für die Kärntner Slowenen. Ljubljana habe den Kompromiss unterstützt, weil er von der Minderheitenvertretung mitgetragen wurde. "Das schließt aber weitere positive Entwicklungen nicht aus. Jeder Vertrag kann auf eine noch bessere Weise erfüllt werden." (DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2011)