Fußball in der Diktatur

Mythen, Fragezeichen und Aufarbeitung

23. Juni 2011, 18:41
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    foto: rapidmuseum

    Mannschaftsfoto von Rapid Wien, 1941 gewannen die Grün-Weißen die "Großdeutsche Meisterschaft".

Rapid-Sieg gegen Schalke und Rolle des österreichischen Fußballs während Nazi-Zeit bei Tagung beleuchtet - Historiker Forster: Sindelar als "Fall Waldheim des Fußballs"

Wien - Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des Rapid-Erfolgs über Schalke 04 im Finalspiel um die Großdeutsche Meisterschaft 1941 und des Jahrestags des Angriffs auf die Sowjetunion durch Hitler-Deutschland sind am Mittwoch auf einer mehrstündigen Tagung in Wien die Verbindungen der Wiener Fußball-Clubs zum Nationalsozialismus im Mittelpunkt gestanden. Als Veranstaltungsort diente das Hanappi-Stadion, die Heimstätte des SK Rapid, der sich als erster Bundesliga-Verein mit seiner Rolle im Nazi-Regime beschäftigte.

In diesem Zusammenhang hatten die Politikwissenschaftler Georg Spitaler und Jakob Rosenberg, Redakteure des Fußball-Magazins "ballesterer", im März eine Studie mit dem Titel "Fußball unterm Hakenkreuz, 70 Jahre Großdeutscher Meister Sportklub Rapid" veröffentlicht. Darin kam das Duo zum Schluss, dass Rapid samt seinen Funktionären und Spielern wohl in die Alltags-Geschehnisse im Dritten Reich verstrickt war, aber keine besonderen Leichen im Keller liegen hatte.

Legendäres Duell

Diskutiert wurde am Mittwoch vor allem über das legendäre Duell in Berlin zwischen Rapid und Schalke am 22. Juni 1941, das Außenseiter Rapid nach 0:3-Rückstand mit 4:3 gewann. Um das Spiel ranken sich zahlreiche Mythen - so wurde zum Beispiel von Schalker Seite kolportiert, dass Rapid das Match gewinnen sollte, um die Bevölkerung in der "Ostmark" nach dem nationalsozialistischen Angriff auf die Sowjetunion ruhig zu halten.

In Wien wurde beklagt, dass die siegreiche Mannschaft zur Strafe an die Front versetzt worden sei. Beide Thesen lassen sich nicht belegen, wie Hardy Grüne, Autor einer Schalke-Vereinschronik, sowie Rosenberg und Spitaler ausführten. Auch der 90-jährige Überraschungsgast Leopold Gernhardt, einziger noch lebender Spieler der damaligen Rapid-Mannschaft, tat die Schiebungsgerüchte als "Unfug" ab.

Fragezeichen in violetten Annalen

Für Diskussion sorgte der Historiker David Forster in seiner Analyse zur Geschichte der Wiener Austria unter dem Hakenkreuz. "Der Verein muss sich - so wie Rapid - ehrlich und offensiv seiner Geschichte stellen", forderte der Wissenschaftler. Schließlich stehen auch in den violetten Annalen von 1938 bis 1945 einige Fragezeichen. Die umstrittene Geschichte von Wunderteam-Star Matthias Sindelar - über den zahlreiche Widerstandserzählungen existieren, der aber gleichzeitig von der Arisierung eines Kaffeehauses profitierte - bezeichnete Forster in Anspielung an den österreichischen Opfermythos als "Fall Waldheim des Fußballs".

Auch die Vienna möchte ihre Geschichte in der NS-Zeit aufrollen, wie Historiker Alexander Juraske von der Universität Wien berichtete. Der älteste Fußball-Club Österreichs gewann 1943 den Tschammer-Pokal (benannt nach dem obersten NS-Sportfunktionär Hans von Tschammer und Osten).

Diskussionen über die Verbindungen zwischen deutschen Nazi-Größen und dem Wiener Fußball, ein Vergleich zwischen der österreichischen Situation mit jener in der besetzten Tschechoslowakei und ein Blick auf das Prater-Stadion, das den Nazis auch als Deportationslager gefangener Juden gedient hatte, rundeten die Konferenz ab. Conclusio der Wissenschaftler: Der großteils ungehinderte Fußballbetrieb sollte im Nazi-Regime den Anschein von Normalität erwecken - in Zeiten der totalitären Diktatur. (APA)


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Posting 1 bis 25 von 167
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kooling
00
18.11.2011, 13:48

Danke, finde den Artikel recht interessant. wo anders liest man darüebr wenig.
Nur, bei "[...] ein Blick auf das Prater-Stadion, das den Nazis auch als Deportationslager gefangener Juden gedient hatte, rundeten die Konferenz ab."
hat's mir ein bißl den Magen verdreht!

deiml
00
26.6.2011, 14:14
kommts mal wieder runter.

wir reden über geschichte und geschichte ist nunmal nur vordergründig eine abfolge von fakten.
für die ggw ist die auslegung der geschichte um ein vielfaches relevanter als die tatsächlichen geschehnisse. ob eine zeit als glorreich oder dunkel gilt sagt mehr über uns als über die geschichte an sich.
was ich sagen will: egal wie die austria oder rapid in der nazizeit gehandelt haben, die zuschreibung austria=judenverein, rapid=von den nazis privilegierter arbeiterverein hat sich über jahrzehnte in den köpfen der fans beider seiten gehalten und ist nunmal zum mythos geworden. um diese mythen zu ändern ist die aufarbeitung der fakten nur der erste schritt. bis die umschreibung in den köpfen ankommt können noch mal ein paar jahrzehnte vergehen.

Gras_macht_Spaß!
00
26.6.2011, 03:00
"Auch die Vienna möchte ihre Geschichte in der NS-Zeit aufrollen"

Fehlt nur mehr der Wiener Sportclub ....

travelmike
11
25.6.2011, 02:09
Ein Verein in dem ein Panenka, Krankl und Maradona spielten,

hat es nicht nötig, sich mit solchen Banalitäten zu befassen.

ziegenhals
 
10
25.6.2011, 15:16
wann hat maradona bei rapid gespielt?

hab ich da was verpaßt???

ziegenhals
 
00
26.6.2011, 06:22

ach so, ja, der ...

trevor_francis
11
25.6.2011, 08:14

genau, Banalitäten.....

kein Wunder, dass die Straches unserer Zeit so viel Zulauf haben, es waren ja nur Banalitäten. Unsere Ehre heisst Blödheit....

travelmike
00
25.6.2011, 10:33
Weiß den wirklich keiner,

wie´s unterm Krieg gelaufen ist??? Natürlich war mitlaufen angesagt, wenn man eine Mannschaft halten wollte. Die Alternative war die Front für die Spieler. Natürlich sind sie alle mitgelaufen, so intensiv wie möglich.
Es gab in dem Krieg üblere Verbrechen als Leuten die Front zu ersparen....

trevor_francis
00
27.6.2011, 12:50

Du weisst schon, dass etwa Sindelars Todestag etwa der 23.01.1939 war.... Nun, ich wollte nur direkten Bezug nehmen auf den Vorposter, dass alles banal ist, wenn dort ein Panenka, Hugo M. etc. gespielt haben. Meine böse Anspielung mit diesem Wahlspruch ist mir rausgerutscht.... genauso wie sich die heutigen Bezirksräte einer bestimmten Partei an ebensolche BAnalitäten als begnatete Spätgeborene weder erinnern, noch halten können/wollen... deshalb tätowieren wir soclhe leiwaunden Sprüche auf die Unterarme , etc. is eh ois banal hoit..... unpackbar.

pablo pontè
04
24.6.2011, 16:48
wurde bei dem projekt

auch darauf eingegangen, ob sich rapid zurecht rekordmeister nennen darf oder nicht?

frk
53
24.6.2011, 21:37

rapid = durch wienerliga rekordmeister
austria = österreichische bundesliga rekordmeister

sollte mittlerweile e schon jedem klar sein..

Richard III
08
24.6.2011, 19:10
Wieso? Das ist ja jedem klar!

Austria ist glorreicher Rekord-Staatsmeister in dieser international so bedeutenden (vor allem in den Jahrzenten ab 1961 bis Ende der 70er und dann wieder ab Mitte/Ende der 80er: DA war und ist diese Liga international unglaublich bedeutend!) , auf jeden Fall österreichweit ausgetragenen Liga ab 1949.

Rapid hingegen hat seine meiten Titel in dieser unbedeutenden "Wiener Liga" in einer Zeit, als der Wiener Klubfußball und das Nationalteam- wir sprechen von den 10er bis 30er Jahren vor 1938 - halt komischerweise Weltklasse war.

Tja, und jetzt kann jeder beurteilen, welcher Verein insgesamt gesehen erfolgreicher war.....und sich insgesamt auch völlig zurecht "österreichischer Rekordmeister" nennen darf.....

LG,

Ri

der echte
10
25.6.2011, 07:55
ist das so schwer zu verstehen,

das in jeder statistik rapid als rekordmeister geführt wird.
die lilanen habe auch 1930 mitgespiel, weil sie zu schwach waren und daher nur 2 titel einfahren konnten, wird es einfach nicht akzeptiert, sehr ENGSTIRNIG...

Philipp B.
12
24.6.2011, 19:09
nein

wurde nicht.

ja, rapid darf sich rekordmeister nennen.

glg

Herr Gruber
00
25.6.2011, 18:27

von mir aus darf sich auch meine tante frieda rekordmeister nennen!

wird euch diese infantile, bereits zum 1000. mal geführte diskussion nicht selbst irgendwann zu blöd?

Philipp B.
00
25.6.2011, 20:10
nein

glg

Herr Gruber
00
26.6.2011, 17:54

danke, alles klar.

Richard III
00
27.6.2011, 13:38
wer fängt denn immer mit diesem blöden "wir sind die wahren Rekordmeister" an???

LG,

Ri

e.sigwurst
01
24.6.2011, 15:01
dringender ist die heutige Situation

zu beleuchten, ich denke an die Derby-Platzstürmer mit "Lonsdale" Sweater..........

ajax999
35
24.6.2011, 13:40

ziemlich abartig von diesem sog. historiker dieses heikle thema zu nutzen um wiener derbyrivalitäten zu schüren. Sindelar mit Waldheim zu vergleichen ist ja überhaupt das allerdümmste.

ceiberweiber.at
01
24.6.2011, 19:54
es ging forster um die legendenbildung

am mittwoche waren den ganzen tag vorträge, die diskussion war dann am ebend, und da ist sicher manches erneut angesprochen worden. legenden gab es in vieler hinsicht, man hat ja vorher auch die austria als "judenklub" wahrgenommen und rapid als "proletarisch", die einen spielten profifussball für geld, die anderen waren idealisten, die von ehrlicher arbeit lebten usw. tatsächlich gab es 12 jahre profifussball, ehe er von den nazis abgeschafft wurde, bei der austria mussten einige funktionäre fliehen - aber die gemeinsamkeiten zwischen den vereinen waren grösser als die unterschiede. die austria hatte einen sa-mann, bei rapid war kein spieler bei der nsdap, beide klubs brauchten naziproktion usw.

ziegenhals
 
00
25.6.2011, 15:15

was bitte ist "naziproktion" ... ?

Schabbesgoi
00
25.6.2011, 12:28
... beide klubs brauchten naziproktion usw.

Falsch!

beide klubs hatten naziproktion - Korrekt. Wie auch alle anderen Wiener Klubs.

hedgehog
01
26.6.2011, 18:17

?????

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