Online lässt es sich leichter hassen

24. Juni 2011, 10:37
  • Trolle - ärgerlich, aber noch unter den harmloseren Übeltätern im Netz.
    foto: patrick/wikimedia commons

    Trolle - ärgerlich, aber noch unter den harmloseren Übeltätern im Netz.

Kommunikationswissenschafterin Carmel Vaisman sprach in Wien über Gründe und Ausprägungen von virtueller Gewalt

"Man fühlt zwar keine physischen Schmerzen, trotzdem kann das Leid viel größer sein." Dass Gewalt im Internet nicht weniger schlimm ist als reale, war eine der Kernaussagen von Carmel Vaismans Referat "Don’t Feed The Trolls. Countering The Discourse Patterns of Online Harassments". Die israelische Kommunikationswissenschafterin sprach auf Einladung der Universität Wien über Mobbing, Beschimpfungen und Erniedrigungen als Phänomen in Foren und Online-Medien.

Das Gerüst für den Vortrag bildeten zwei Kapitel aus Vaismans Buch "Hebrew Online", für das sie ein Stufenmodell virtuellen Fehlverhaltens erstellte.

Als mildeste Ebene bezeichnete sie das auf die Monty-Python-Wortschöpfung "Spam" zurückgehende Wiederholen informationsleerer bis -armer Inhalte. Über Flaming – polemische Kommentare, die immerhin noch einen Bezug zum Diskussionsthema haben – führt die Leiter zum bekannteren Trolling: Trolle sind Menschen, die Aufmerksamkeit erregen und Chaos stiften wollen, meist nicht argumentativ in Debatten eingreifen, sondern bloß einen Köder werfen, um Vertreter verschiedener Weltanschauungen gegeneinander aufzuhetzen.

Stalking und Cyberbullying

Als weitaus schlimmere Grenzübertretung wertet Vaisman Stalking. Wiederholte unerwünschte Kontaktaufnahme kann wie offline als penetrantes Nachstellen empfunden werden: "Wenn es jemanden gibt, der Blogposts immer als erster kommentiert, in Facebook unter jedes Update zuerst auf 'Like' klickt und immer den ersten Retweet versendet, dann ist das zwar nicht verboten, für die Betroffenen aber höchst unangenehm, weil sie ständig das Gefühl haben, jemand beobachtet in Echtzeit jeden Schritt, den sie virtuell setzen."

Auf der vorletzten Stufe platzierte Vaisman Cyberbullying – die systematische Verleumdung einer Person oder Gruppe, die sogar schlimmer sein kann als ihr Pendant im Real Life: "Das Mobbing am Schulhof oder im Büro hört mit der Schlussglocke oder dem Feierabend auf, diverse Hassgruppen auf Facebook sind aber rund um die Uhr erreichbar und auch für jedermann außerhalb von Schule oder Arbeit einsehbar."

"Online-Persönlichkeit ist Teil unserer Persönlichkeit"

Als Kapitalverbrechen im Internet bezeichnet Vaisman schließlich die "virtuelle Vergewaltigung". Der Begriff "Vergewaltigung" als Schädigung der Person sei laut der Sozialwissenschafterin durchaus auch hier angebracht, "denn wir leben nicht nur offline, sondern auch online und die Online-Persönlichkeit besteht nicht neben, sondern als Teil unserer Persönlichkeit. Wenn nun jemand ein gefälschtes Profil von jemandem erstellt oder das richtige hackt, dort Telefonnummern, rufschädigende Bilder oder wahre oder falsche Aussagen über die sexuelle Ausrichtung des Betroffenen veröffentlicht, dann ist das ein Missbrauch der Persönlichkeit, die tiefe Spuren hinterlässt. In letzter Zeit haben solche Aktionen nicht nur zu vermehrten Anzeigen, sondern sogar zu Selbstmorden geführt."

Hier würde laut Vaisman am deutlichsten sichtbar, welch zweischneidiges Schwert die "Macht zu veröffentlichen" ist. Während früher Professionisten für die publizierten Inhalte einstehen mussten, habe es heute jeder Achtjährige in der Hand, vor einer qualifizierten Öffentlichkeit eine Verleumdungskampagne gegen seinen Lehrer zu starten.

Barriere zwischen on- und offline

Warum aber gehen die Menschen in Kommentaren, Foren und Facebook derart grob miteinander um? Der erste Gedanke führte Vaisman zur Annahme, dass die vermeintliche Anonymität dafür verantwortlich sein könnte. Doch in den letzten Jahren zeigte das Klarnamensystem auf Facebook, dass viele Menschen auch unter Angabe ihrer vollen Identität vor Hassbekundungen nicht zurückschrecken.

Vaismans finale These fußt in einer technischen und gleichzeitig biologischen Begründung: der Mittelbarkeit des Mediums. Weil wir uns nicht persönlich gegenüberstehen, sondern alleine vor dem Computer sitzen, falle eine Barriere, die laut Vaisman auch bei Skype zu spüren ist: Man sieht sich zwar von Angesicht zu Angesicht und kann Gestik und Mimik des Gegenübers einschätzen, trotzdem fehle online immer eine gewisse Authentizität zur persönlichen Kommunikation.

So würden manche User mit vollem Namen andere diffamieren, selbst wenn sie ihnen am nächsten Tag im Büro begegnen – und sich dort nicht trauen würden, die Beleidigungen persönlich zu wiederholen. Dieser Graben würde laut Vaisman auch die Reaktionen auf die Absichten eines 19-Jährigen erklären, der 2008 über ein bekanntes Streaming-Portal seinen Selbstmord ankündigte und vor laufender Webcam vollzog: Während die meisten, wenn sie persönlich Zeuge eines Suizidversuchs wären, die Polizei anrufen würden, sahen im Internet 1.500 Menschen zu, von denen nicht wenige den jungen Mann aufforderten, den Schlussstrich unter sein Leben zu setzen. (mm, derStandard.at, 23.6.2011)

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Ja,

ich glaube obige Überschrift trifft ziemlich genau auf Guybrush Threepwood zu. Der ist im echten Leben wahrscheinlich auch nur irgendein Sesselwärmer der mal ein Android handy geschenkt bekommen hat und ansonsten ganz schüchtern is.

No shit, Sherlock?!

Unfassbar, dass es immer noch Leute gibt, die mit derart "neuen Informationen" auch noch Geld verdienen und/oder ihren Bekanntheitsgrad steigern.

suizid ist kein onlinephänomen. leider!

nur weil es kein plagiat ist, bedeutet es noch nicht das es richtig sein muss.

außerdem:
wia kann man jemand anonymen stalken?
nur weil sie nicht im büro oder im schulhof sind mögen sie ihre kollegen plötzlich?
ist die "Macht zu veröffentlichen" wirklich eine macht? Nein, willkommen im internet!
ist das problem, dass die menschen nicht so gut sind wie wir sie gerne hätten, oder dass wir dank internet jetzt davon wissen?
Köder werfen; stufenmodell virtuellen fehlverhaltens; virtuelle vergewaltigung; Online-Persönlichkeit; Authentizität zur persönlichen Kommunikation *facepalm*

tl;dr: Wissenschaft darf kein wissensfreier Raum sein!

Ihr werded es aus mangel an verständnis Medienkompetenz nennen! Meine eigene Inkompetenz kotzt mich mehr an.

"Das Mobbing am Schulhof oder im Büro hört mit der Schlussglocke oder dem Feierabend auf,..."

süß!
aber blödsinn!

gezieltes Mobbing erleben wir gerade im Kindergarten.
:-(

Falsch

Online trauen sich nur die feigsten Bürohengste auch mal offen ihre Meinung zu sagen, und die ist meistens depressive, philanthrop und heuchlerisch, damit sie auch endlich mal im Mittelpunkt stehen, folglicherweise kommt der Hass einiger normaler extrovertierter Spießgesellen auch hier zum Vorschein

Finde ich auch

Weil wenn man sich anhört was sonst oft so unter 4 Augen gesprochen wird, ist das was man online-liest viel eher was die Menschen in Wahrheit denken, als was man sonst so öffentlich höhrt.

Deshalb halte ich auch nichts von der Entanonymisierung zB von Diskussionforen durch Facebook

Weil die schlimmeren Missbrauchsarten (Cyberpulling, Stalking) sind eigentlich bei nicht Anonymen Auftreten viel schlimmer.

Man kann natürlich sagen dass Anonymisierung das Schlechte im Menschen verbal hervorkommen lässt (Trolling, Spamming etc) aber:

a) ist das nicht zu schlimm
b) ist das darauf zurückzuführen, dass das erstemal in der Geschichte die meisten Menschen einfach sagen können was sie wollen ohne (soziale) represionen zu befürchten - und das ist das größte Ziel der Aufklärung hinauf bis Habermas.

Dass da auch unschöne Seiten hervorkommen ist klar, aber in einem gesellschaftlichen Lernprozess wird sich das besser einpendeln und dann sind wir insgesamt freier.

"aber in einem gesellschaftlichen Lernprozess wird sich das besser einpendeln"

unangebrachter Optimismus: der Mensch wird nicht unbedingt von selber zivilisierter, sondern eher durch gesellschaftliche Konventionen... scheint zumindest die Empirie zu belegen.

entanonymisierung bringt eh nix. ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich facebook jemals nach meinem wirklichen namen gefragt hat. schützt genau einen: den, der seine identität nicht preisgeben will. der rest wiegt sich in pseudo-sicherheit durch diese "entanonymisierung" welche keine ist.

entweder streng regulierte entanonymisierung über eine zentrale stelle mit dem vorweisen (mindestens) eines staatlich anerkannten und gültigen lichtbildausweises (keine kopie, kein scan, nur echte papiere) als verifizierung oder es ist keine.

solche diskussionen hab ich schon öfter durchgemacht. effektiv gibt es nur ein fazit daraus: die meisten internetuser sind naiv wie kleine kinder.

trolls? on the internet?

shoot him, if you spot one :-D

CB Funk anno 1977 ...

Soll ja nicht nach Allgemein-Bashing klingen aber Kommunikationswissenschafter, Soziologen hinken irgendwie immer der techn. Realität hinterher. In den späten 70ern gabs auch erst Soziologen die dem Sony Walkman das Potential nachsagten, "eine ganze authistische Generation von Kindern heranzuzüchten" und der CB Funk wurde auch zur Brutstätte dunkler Persönlichkeiten o.ä. (weil sich manche Teilnehmer anonymisiert hatten um Schimpfkanonaden usw. loszulassen) 1995 gab es dann im für die Öffentlichkeit noch relativ neuen Internet nur Kinderpornos usw. usw. Seit mir nicht böse aber mit Begriffen wie "virtuelle Vergewaltigung" kann ich recht wenig anfangen ...

Ich glaube...

sie meinen nicht hinterherhinken sondern schlechtreden. Und da bin ich mir nicht sicher ob sie sich dabei ernsthaft auf Kommunikationswissenschaftler bzw. Soziologen beziehen. Es gibt aber sicherlich viele selbsternannte Pädagogen die entsprechendes von sich gegeben haben. Aber natürlich auch diverse Beamte oder Minister - im Interesse einer stärkeren Kontrolle des Mediums.

Ich denke man sollte "autistisch" schreiben, si wie "Auto", auch ohne "h" (vom griech. a?t?? „selbst“.)

vielen Dank

mir ist bewust dass in Autismus die gr. Vorsilbe auto für 'selbst' drin steckt. Da diese kleine orthographische Flücktigkeit aber in keinster Weise sinnverändernd oder uneindeutig auslegbar ist, denke ich, ist sie auch vernachlässigbar ... :)

Wenn man "googelt" sieht man, dass in den meisten Internetforen das Wort mit "th" geschrieben wird; wahrscheinlich findet man diese Schreibung irgendwie wissenschaftlicher.

Top-Mobber/Stalker/Trolle bei der Arbeit

http://www.feelguide.com/wp-conten... onRoom.jpg

Und:

C-Klasse Mobber/Stalker/Trolle bei der Arbeit:

http://images.derstandard.at/t/12/2011... 281417.jpg

Ich bin froh das es damals zu meiner Schulzeit noch kein Facebook gab. Allerdings bringt das Internet ab und zu auch großartigen Sachen hervor.

cliffs:
Typ ist broke, er hat keine Wohnung muss in einem Auto schlafen. Jeder verarscht ihm.
Forumuser bieten ihm Geld dafür wenn er sich in der Öffentlichkeit lächerlich macht oder das macht was die Poster wollen. Der Typ macht die Videos aber mit soviel Lebensfreude http://www.youtube.com/watch?v=-QaH1FUI1gU das alle im Forum von ihm begeistert sind. Plötzlich probiert ihm jeder aus dem Forum zu helfen. Ende der Story ist, dass er bei einer TV Pokerrunde mitspielen darf.

Nachdem es eines meiner zehn Lebensziele ist, nie bei einer TV-Pokerrunde mitzuspielen, muss ich schaun, dass ich irgendwie mein Auto los werd ... oder das Internet.

ja, ja. der amerikanische traum!

"Forumuser bieten ihm Geld dafür wenn er sich in der Öffentlichkeit lächerlich macht oder das macht was die Poster wollen"

auch eine form von hilfe. aber eine mir sehr unsympathische.

Ich bin froh das es damals zu meiner Schulzeit noch kein Facebook gab. Allerdings bringt das Internet ab und zu auch großartigen Sachen hervor.

http://forumserver.twoplustwo.com/54/poker-... ry-715623/

cliffs:
Typ ist broke, er hat keine Wohnung muss in einem Auto schlafen. Jeder verarscht ihm.
Forumuser bieten ihm Geld dafür wenn er sich in der Öffentlichkeit lächerlich macht oder das macht was die Poster wollen. Der Typ macht die Videos aber mit soviel Lebensfreude http://www.youtube.com/watch?v=-QaH1FUI1gU das alle im Forum von ihm begeistert sind. Plötzlich probiert ihm jeder aus dem Forum zu helfen. Ende der Story ist, dass er bei einer TV Pokerrunde mitspielen darf.

Heutzutage

geht es doch viel weiter

Zuerst psychologisches Profil und dann unterschwellige VIRTUELLE UND REALE Suggestionen - mit offenem Ausgang.

erzähl das mal einem

verdammt.....heutzutage wird man auch überall nur wegen seiner "alternativen" meinung diskriminiert !!

Ich bin FPÖ Wähler und finde diese Partei ist die beste der Welt, ich hoffe darauf das sie bald auf Platz 1 steht und alle Ausländer wieder heimreisen dürfen. Dazu sollten sie bitte noch das Internet regulieren am besten wäre es wenn jeder sich verpflichten müsste einen Internethelm zu tragen, eine Gelbe Warnweste während dem surfen so tragen bei den heutigen Geschwindigkeiten von bis zu 100mbit/s ist es doch Lebensgefährlich ohne Warnweste unterwegs zu sein und rechte sollten Internetuser auch bekommen dazu sollten sie nach jedem Posting im Internet eine Kopie an die FPÖ Zentrale mit Name und Anschrift schicken müssen.

http://www.allmystery.de/dateien/u... llface.png

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