Verzicht statt Entschädigung als Absicht? - Privatstiftung weist Kritik zurück
Wien - Kritik an der Vorgehensweise des Leopold
Museums im Fall des ermordeten jüdischen Kunstsammlers Karl Mayländer
hat am Mittwoch die Israelitische Kultusgemeinde geübt. Laut deren
Präsident Ariel Muzicant bestehe aufseiten der Leopold Museum
Privatstiftung keine Absicht, die Erben nach Mayländer finanziell zu
entschädigen oder die fünf Schiele-Bilder, die sich ursprünglich im
Besitz des Wiener Kaufmanns befanden, zu restituieren. Vielmehr sei
die Stiftung an die Erben mit der Bitte herangetreten, auf ihre
Ansprüche zu verzichten; dieser Verzicht werde dann auf der Webseite
und im Erklärungstext zu den Bildern ausgewiesen.
Die Privatstiftung weist die Kritik zurück. Man habe "nicht die
Absicht, die Gespräche mit der Erbin über den Umweg der
Kultusgemeinde zu führen", sagte der Vorstandsvorsitzende Helmut
Moser, sondern werde "in direkten Verhandlungen nach einer
fairen und gemeinsamen Lösung suchen". Die Erbin wird laut Moser durch amerikanische Anwälte vertreten,
an die man auch herangetreten sei. (Ohne in dem Brief die Restitutionswürdigkeit der Objekte zu erwähnen, wie DER STANDARD berichtete, Anm.) Nun warte die Stiftung auf eine
Antwort.
Streitereien seien dem Verhandlungsprozess kaum zuträglich, so Moser: "Man muss seriös seine Hausaufgaben
machen, wesentlich ist eine faire und gerechte Lösung im Sinne des
Washingtoner Abkommens." Über den Verhandlungsinhalt wolle er während
des Verlaufs auf jeden Fall nicht sprechen. "Ariel Muzicant soll
seine Ansicht haben, die steht ihm zu, ich habe aber nicht die
Absicht, dazu Stellung zu nehmen."
Muzicant dagegen kritisierte Moser, dass dieser es offenbar
"besser weiß als der Kunstrückgabebeirat". Das Angebot der
Verzichtserklärung bei gleichzeitiger Nennung der Verzichtenden reiht
sich für den Kultusgemeinde-Präsidenten "nahtlos in die Geschichte
der Blamagen ("Wally") und recenter Geschmacklosigkeiten ("Häuser am
Meer") ein".
Das Leopold Museum hatte zuletzt im Restitutionsfall des
Schiele-Gemäldes "Häuser am Meer" mit der einzigen Enkelin der
Vorbesitzerin Jenny Steiner sowie bei zwei Werken Anton Romakos mit
den Erben nach dem ursprünglichen Besitzer Moric Eisler Einigungen
erzielt.
Im Fall Mayländer geht es um fünf Schiele-Bilder, die der
Kunstsammler, der 1941 nach Lodz deportiert und ermordet wurde, zuvor
seiner Lebensgefährtin Etelka Hoffmann geschenkt hatte. Hoffmann
verkaufte die Bilder nach 1945.
Stünde die Leopold
Museum-Privatstiftung in Bundeseigentum und fiele somit unter das
Kunstrückgabegesetz, wären diese Werke an die Erben nach Mayländer zu
restituieren. Zu diesem Schluss war die Michalek-Kommission im
November vergangenen Jahres gekommen, da die Kommission von einer
ursprünglichen "Schenkung unter Druck" ausgeht. (APA)