Medieninterviews von Verdächtiger sorgen für Befremden

Justizministerium sieht Gefährdung bei Ermittlungen - Bisher noch keine verwertbare Aussage von Goidsargi E. C.

Wien - Die im Fall der sogenannten Kellerleichen von Wien-Meidling verdächtige Eissalon-Besitzerin Goidsargi E. C. hat bisher keinerlei verwertbare Aussage abgegeben. Das teilte die Staatsanwaltschaft Wien am Mittwoch mit. Die 32-jährige Spanierin war am 10. Juni in Udine verhaftet worden, sitzt seit beinahe zwei Wochen in einem Gefängnis in Triest und wartet auf ihre Auslieferung an Österreich.

Es gebe auch keinerlei Information über eine verwertbare Einvernahme der Verdächtigen durch italienische Behörden, sagte Michaela Schnell, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien. Bereits am 10. Juni ging seitens der österreichischen Justizbehörden ein Rechtshilfeersuchen an die italienische Justiz zur Einvernahme von Goidsargi E. C., das bisher nicht beantwortet wurde. Dabei wurden in Italien Terminschwierigkeiten des Anwalts der Verdächtigen geltend gemacht.

Nicht mehr geplant ist, dass die Ermittler des Wiener Landeskriminalamtes (Gruppe Fleischhacker) nach Triest fahren, um die 32-Jährige einzuvernehmen. Ihrer Auslieferung steht nichts mehr im Wege. Die Behörden rechnen damit, dass Goidsargi E. C. ohnehin bald in Wien Rede und Antwort stehen wird.

Medieninterviews als Gefährdung

Befremden herrschte in Kreisen der Strafverfolgungsbehörden darüber, dass der 32-Jährigen Medieninterviews ermöglicht wurden, obwohl der Fall nicht in die Zuständigkeit der italienischen Justiz fällt und obwohl noch keine Vernehmung durch die österreichischen Strafverfolgungsbehörden stattfand. Nicht zuletzt Verdunkelungsgefahr wird befürchtet. Die Staatsanwaltschaft Wien wollte sich dazu nicht äußern.

Allerdings hat das Justizministerium in diesem Kontext ein Schreiben an die italienischen Behörden gerichtet. Darin wurde darauf hingewiesen, dass solche Interviews für den Erfolg des Ermittlungsverfahrens gefährlich sein könnten. Auch drückte die heimische Justiz ihr Befremden darüber aus, dass die Interviews zugelassen wurden, ohne dass eine verwertbare Aussage von Goidsargi E. C. vorliegt. Schließlich wurde die Justiz in Triest gebeten, die Möglichkeit zu weiteren Interviews hintanzuhalten, sofern dies nach italienischem Recht zulässig ist.

Goidsargi E. C., die in der Meidlinger Oswaldgasse ein Eisgeschäft mit dem Namen "Schleckeria" betrieb, soll ihren deutschen Ehemann im Jahr 2008 ermordet haben. Ihr Ex-Freund, der seit November des Vorjahres vermisste Oberösterreicher Manfred H., sei im vergangenen November getötet worden. Nach den Morden soll die Frau die Leichen zerstückelt, in Plastiksäcke gepackt und im Keller des Eissalons in Wien einbetoniert haben. (APA)

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