Lokal im 7. Bezirk

Una auf chinesisch

25. Juni 2011, 11:00
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    foto: gerhard wasserbauer

    Inspirierte Fischküche, viele Schmorgerichte.

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    foto: gerhard wasserbauer

    Die China Bar führt Una Abrahams Konzept fort - nur halt auf chinesisch.

Nach seinem ON in Wien-Margareten sperrt Simon Xie Hong nun ein zweites bestes Chinarestaurant der Stadt auf - in der Burggasse

Die Frage nach dem besten Chinesen ist wie jene nach der Pizza, dem Würstelstand, dem Schnitzel: müßig. Jeder hat eine andere Antwort parat, und so taugen Fragen wie diese ganz wunderbar für gepflegte Konversation - niemand erwartet eine gültige Antwort. Nur bei der ersten Frage gibt sich die Wiener Ausgehszene seit ein paar Jahren in eintönigem Gleichklang: Wer einmal in Simon Xie Hongs Restaurant ON war, dem fällt so schnell kein anderes ein. Die Art, wie da in entspanntem Ambiente (und, wichtig, mit effizient freundlichem Service!) eine facettenreiche, vor Würzkraft schillernde, durch und durch handgemachte Küche geboten wird, die große Sorgfalt auf die Herkunft der Grundprodukte nimmt - die kennt man sonst nicht so in Wien.

Nach langem Suchen hat Simon sich nun ein neues Lokal dazugenommen, und man darf davon ausgehen, dass damit frische Energie in oben erwähnte Diskussion kommt. Seit vergangener Woche ist die "China Bar" geöffnet, und zwar dort, wo zuvor Una Abrahams Una war. Xie Hong, ein Fan der legendären Schmorgerichte im Una, veränderte das Lokal mit der prachtvollen Bretschneider-Schank und dem markanten Luster über dem Stammtisch nur in Details.

Tartare vom Thunfisch mit Kernöl und Tofu

Aus der unverändert winzigen Küche kommt eine Reihe von Klassikern, die bei ON-Stammgästen für Wiedersehensfreude sorgen dürften. Das Tartare vom Thunfisch mit Kernöl und Tofu gehört ebenso dazu, wie der rohe Lachs, der mit Gurke und Kräutern in hauchdünnes Reispapier gewickelt und mit zweierlei Saucen überzogen wird. Das nach Szechuan-Art pikant geschmorte und kühl in Scheiben geschnittene Rindfleisch wird hier mit einem Salat aus breiten, von Hand gezogenen Nudeln aus Bioweizen kombiniert, der an heißen Tagen wunderbar tonische Qualitäten beweist.

Überhaupt sind hausgemachte Nudeln ein ziemliches Thema. Es gibt sie auch mit einer hoch verdichteten Sauce aus eingelegtem Tofu und knackigem Gemüse, die auf eigentümliche Art an Pasta alla bolognese erinnert und eben deshalb besonders exotisch wirkt. Oder, vielleicht die beste Kombination von allen, mit butterweichen, kurz sautierten Calamari und einer Salsa aus allerhand frischen Kräutern, unter die sich neben Lemongrass & Co auch zwei mutmaßlich illegale Einheimische in Form von Majoran und Dill geschmuggelt haben - sehr gut!

Gute Schmorgerichte

Die Hauptrolle aber spielen, durchaus als Reverenz an Una Abraham, ganz außergewöhnlich gute Schmorgerichte, die auf der Speisekarte aber nur zum Teil vermerkt sind. Fragen lohnt sich! Wer meint, dass derlei an heißen Tagen fehl am Platz sei, soll sich in Südostasien umsehen - oder gleich in der China Bar eines Besseren belehren lassen. Man sollte nach Chinesen-Manier halt auf Reis verzichten und lieber gleich ein weiteres Gericht bestellen.

Zum Beispiel Kitz in gelbem Kokoscurry, bei dem sich das Fleisch mürbe und saftig vom Knochen löst. Oder Ochsenschlepp in einer würzig funkelnden Sauce, in der Sternanis, getrocknete Sepia und Zimt die Hauptrolle spielen - herrlich. Oder geschmortes Rind mit Ingwer und Zwiebeln, das ausnahmsweise (weil's auf der Standardkarte steht?) ohne Knochen, dafür mit reichlich weich geschmurgeltem Bindegewebsanteil serviert wird: wunderbar schlutzig, aber sicher nichts für jene, die ihr Gulasch auch ohne Flachsen mögen - angeblich soll es die wirklich geben. Wie stets beim Asiaten gilt: Wer teilt, hat deutlich mehr vom Leben! (Severin Corti/Der Standard/rondo/24/06/2011)

China Bar
Burggasse 76
1070 Wien
Tel.: 01/522 08 31
Mo-Fr (auch feiertags) 12-24 Uhr
VS EURO 3,20-8,90 HS EURO 7,50-14,90 Mittagsteller EURO 7,80-8,90

IHR WERNER HANSCH
00
9.11.2011, 13:49

war vom ON massloss enttäuscht. bin das aber auch von YOHM und co....
setzen Sie mal einen chinesen ins tsing-tao und ins ON....ich kann mir gut vorstellen was dessen urteil ist.

Martin Müller10
 
20
26.6.2011, 07:43
Ich liebe die chinesische Küche, vor allem Yunnan, Sichuan,

Xingjiang und Innere Mongolei. Hier in Wien habe ich chinesische Restaurants aller Preisklassen versucht und war immer enttäuscht. Meine Empfehlung: Entweder Ticket nach Beijing oder chinesische Freunde finden und sich zum Essen einladen lassen ;-)

Loyalist
00
26.6.2011, 23:13
Ich verstehe schon dass chin. Küche nur in China und nur von echten Chinesen zubereitet gut ist.

Dasselbe gilt für ital., griech., franz. oder amerik. Essen - nur im Ursprungsland ist es am Besten.
Aber trotzdem sollten wir froh sein dass Menschen versuchen ihre kulinarischen Gerichte in Wien zu verbreiten.

SimDum
00
25.6.2011, 20:33
Hier isst man

angeblich auch nicht schlecht
http://derstandard.at/157783708... chinesisch

Ultimate Power
11
25.6.2011, 13:08

Wer wirklich so essen möchte wie in China, dem kann ich nur "zum Kaiserlichen Thron" empfehlen [1]. War selber schon in China und kann die Authentizität nur bestätigen. Vor allem für große Gruppen ist es sehr empfehlenswert, da gibt es nämlich tolle Menüs!

Zum Koch (aus falter.at [2]):
"Zhang Gouzhu ist einer der höchstdekorierten Köche Chinas, er trägt den Titel "internationaler Richter der chinesischen Küche " (gibt es nur fünf in Europa)"

[1] http://www.zumkaiserlichenthron.at/
[2] http://www.falter.at/bov/detai... hp?id=1966

joseba beloki
00
25.6.2011, 18:50

ich war mal mit einem chinesen in einem lokal, das sonst die normale 0815-panasiatische-whatever-küche serviert. plötzlich war die karte nur noch auf mandarin und englisch verfügbar, mein bekannte hat gedolmetscht und das essen war dann plötzlich authentisch sichuan.
seithar frag ich mich, ob das nicht eh jedes chinarestaurant könnte und der gebotene fraß für die langnasen ist nur ein missverständnis.
blöder weise war einer aus der gruppe vom begleiteten besuch später mal alleine dort. die besitzer haben ihm gegenüber bestritten, dinge anzubieten, die nicht auf der standardkarte stehen.

Ziemlich leichter Stessa
00
25.6.2011, 17:28

Spezialisiert sich der Herr auf eine Region/Provinz, oder kocht er "quer durch"? Klingt jedenfalls interessant...

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