Hirntoter Liberaler

22. Juni 2011, 14:45
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David Mamets Coming Out als Konservativer, Teil 2 - Von Ekkehard Knörer

Drei Jahre ist es her, dass der nicht selten großartige Dramatiker (Glenngary Glenn Ross), Drehbuchautor (Wag the Dog), Filmregisseur (Homicide, Redbelt) und auch Verfasser von Prosa David Mamet die Weltöffentlichkeit wissen ließ, er sei ab sofort kein hirntoter Liberaler mehr. (Seine Wortwahl.)

Wie noch jeder clevere Konvertit verbreitete er die frohe Botschaft in einem Zentralorgan des Glaubens, von dem er nun abgefallen war, dem New Yorker Stadtmagazin Village Voice. Dort immerhin war ihm ein gewisser Skandalwert und die Aufmerksamkeit derjenigen sicher, die ihn bis dato - und mehr oder minder ja auch zu recht - für einen der Ihren gehalten hatten: die Aufmerksamkeit jener hirntoten Liberalen also, wie du einer bist und ich einer bin.

Mamets Damaskus, so schildert er es, trägt den Namen November. So hieß das Stück um einen fiktiven Präsidenten, das er schrieb, das Stück, bei dessen Verfassen es ihm wie Schuppen von den Augen fiel: der Blick auf die Welt als Ort, den es zu verbessern gilt, ist falsch, ist verlogen. Die Wirklichkeit ist nicht so und alle Anstrengung aller Politik und Regierung, sie zu einem besseren Ort zu machen, läuft stets auf quasi-totalitäre und sowieso nach hinten losgehende Bestimmwut hinaus. Bei noch ein bisschen mehr Nachdenken fiel ihm auf: Genau so haben die von ihm bis dahin verachteten Konservativen doch schon immer gedacht. Ergo, konsequent ist er schon: Mamet begreift sich fortan als Konservativer und ist stolz darauf.

Wie noch fast jeder Konvertit, tut er seitdem, als hätt' er das Rad neu erfunden. Glaubt, die Linken bekehren, die Konservativen belehren zu müssen über Dinge, von denen die einen wissen, warum sie sie ablehnen, bei denen die anderen eigentlich keinen Nachholbedarf haben. Dennoch und unverdrossen hat Mamet mit frisch erworbenem Sendungsbewusstsein gleich ein Traktätlein in Buchform zu seinen im Rest der Welt bislang schon in hinreichendem Umfang real existierenden ideologischen Ansichten verfasst. Von den Disziplinen Sarah-Palin-Verteidigung bis Christliche-Grundwerte-Credo ist alles drin, was in so was drin stehen muss. Das Buch trägt, als ginge es um rosencrucianische Geheimwissenschaft, den reichlich absurden Titel The Secret Knowledge. On the Dismantling of American Culture.

Ungescheut tritt er zur Buch-Promotion im bei den Liberalen mit besten Gründen verhassten und auch bei objektiverer Betrachtung in keiner Hinsicht erfreulichen Sender Fox News auf. Etikettiert wird er von seinen neuen Freunden als einsamer Konservativer in der Hochburg des verlogenen Liberalismus (hey, das ist sogar was dran) namens Hollywood. Er lässt's mit sich machen:

Über Ablehnung von links muss man sich nicht wundern. Eher zu denken sollte ihm ein Verriss wie der von Christopher Hitchens in der New York Times Book Review geben; schließlich ist Hitchens selbst als Befürworter von Bushs Kriegen ein ziemlich weit nach rechts vom liberalen Glauben abgefallener Mann (der - trotz schwerster Krebserkrankung noch immer sehr produktiv - fast zeitgleich mit seiner Mamet-Kritik eine Abrechnung mit Mahatma Gandhi veröffentlicht hat). Erster Satz in Hitchens Besprechung: "Dies ist ein ausgesprochen ärgerliches Buch, verfasst von einem jener Menschen, die sehr selbstgewiss glauben, dass sie, haben sie den Glauben nur erst verloren, ipso facto ihren Verstand gefunden haben müssten."

Um den unguten Geschmack aus dem Mund zu bekommen: Hier der Trailer zu Mamets bisher letztem und wirklich sehr gutem Film Redbelt:

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  • David Mamet bei "Fox News"
    foto: screenshot

    David Mamet bei "Fox News"

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