MVÖ-Kostenspiegel

Wiener Betriebskosten stiegen nur leicht

22. Juni 2011, 14:10

Mietervereinigung: Anstieg von 1,62 auf 1,64 Euro pro Monat und Quadratmeter - Geringe Inflation 2009 wirkte sich positiv aus

Die Betriebskosten für Mieterinnen und Mieter von privaten Wiener Wohnhäusern sind im Vorjahr nur leicht gestiegen. Den sehr geringen Wert von nur rund einem Prozent führt die SP-nahe Mietervereinigung Österreich (MVÖ) auf die geringe Inflationsrate des Jahres 2009 zurück, die mit 0,5 Prozent einen historischen Tiefwert erreicht hatte und deutlich unter den Werten der Jahre 2008 (3,2 Prozent) und 2007 (2,1 Prozent) gelegen war.

Kosten für Wasser gesunken

Der wienweite Durchschnittsbetrag der Betriebskosten pro Monat (netto ohne Gemeinschaftsanlagen, ohne Liftkosten) stieg damit von 2009 auf 2010 von 1,62 auf 1,64 Euro nur geringfügig an. Die Quadratmeterkosten pro Jahr liegen aktuell bei 19,59 Euro. Bei einer 70 m² großen Wohnung ergibt dies derzeit eine Betriebskostenbelastung von 1.371,30 Euro netto im Jahr bzw. 114,80 Euro netto im Monat.

Die Kosten für Müll hielten sich stabil, für Wasser sind sie sogar leicht gesunken. Auch die Liftkosten erhöhten sich nur leicht um 0,2 Cent pro m²/Monat, so die MVÖ, die heuer bereits zum vierten Mal ihren Betriebskostenspiegel präsentierte. Die niedrigsten Betriebskosten fanden sich im 4. Und im 8. Bezirk, die höchsten im 11. sowie im 16. Bezirk.

Lift, Versicherung, Reinigung

Für Liftanlagen liegt der Durchschnittswert netto bei 2,13 Euro/m2/Jahr bzw. bei 0,18 Euro pro Monat. Eine Wohnung mit 70 m² kommt so auf Liftkosten von 12,60 Euro pro Monat bzw. 149,10 Euro im Jahr. "Da sich die Gebäude mit Lift unregelmäßig in Wien verteilen, werden keine Bezirksergebnisse dazu angeführt", erklärt die Mietervereinigung.

Die weiteren aktuellen Durchschnittskosten pro Jahr bzw. Monat:

  • Versicherungsprämien 4,69 Euro bzw. 0,39 Euro
  • Reinigung 4,63 Euro bzw. 0,39 Euro
  • Wasser 3,20 Euro bzw. 0,27 Euro
  • Müllentsorgung 2,25 Euro bzw. 0,19 Euro

Nur private Miethäuser

Der Betriebskostenspiegel basiert auf dem Datenmaterial jener Abrechnungen, die der Mietervereinigung von ihren Mitgliedern zur Überprüfung vorgelegt wurden, und bezieht sich rein auf die Betriebskosten in privaten Miethäusern. Nach wie vor werde von der Mietervereinigung jede zweite ihr zur Überprüfung vorgelegte Betriebskostenabrechnung beanstandet, so Niedermühlbichler. In Summe liegen der Berechnung die Werte von mehr als 2,37 Millionen Quadratmeter Nutzfläche zu Grunde. Die Mietervereinigung überprüft jährlich mehr als 5.000 einzelne Betriebskostenabrechnungen. Als Bemessungsgrundlage dienen die Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2009.

MVÖ-Bundesgeschäftsführerin Nadja Shah empfiehlt allen Mieterinnen und Mietern, ihre Abrechnungen überprüfen zu lassen, falls die Beträge signifikant von den Werten des Betriebskostenspiegels abweichen. Auf der Homepage der MVÖ kann mit Hilfe eines Betriebskostenrechners ein Richtwert für die eigenen Betriebskosten ermittelt werden. Dort werden darüber hinaus alle Aufschlüsselungen der einzelnen Betriebskostenpositionen, auch nach Bezirken, dargestellt.

Bis zum 30. Juni dieses Jahres müssen die Abrechnungen für jedes Wohnhaus gelegt werden.

"Versicherung und Grundsteuer raus aus dem Katalog"

"Die Kosten für Reinigung und Versicherung sind heuer zumindest nicht weiter gestiegen", dennoch machen diese beiden Posten zusammen 50 Prozent der allgemeinen Betriebskosten ausmachen, so Niedermühlbichler. "Der Betriebskostenspiegel zeigt erneut, dass die Versicherungsprämien, die das Haftpflicht- und Erhaltungsrisiko des Hauseigentümers absichern und somit - ebenso wie die Grundsteuer - in keinem Zusammenhang mit der Nutzung durch die Mieter stehen, eine hohe Kostenbelastung darstellen, die nicht gerechtfertigt ist." Mit den Versicherungsprämien würden Kosten, die eigentlich der Hauseigentümer zu zahlen hätte, auf die Mieterinnen und Mieter überwälzt. "Daher bleiben wir bei unserer Forderung an den Gesetzgeber, Versicherungskosten und öffentliche Abgaben aus dem Betriebskostenkatalog zu streichen", so Niedermühlbichler abschließend. (red)

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11 Postings
Soph Isticus
00
25.6.2011, 12:26
Wie kann ein Mieter überprüfen, ob er nicht zuviel Versicherungsprämie bezahlt? Was, wenn ich 40% mehr zahle als von der MV als Durschnitt errechnet? Ist das signifikant?? Anders gefragt, ist es ok,

wenn die HV nebenbei einen Versicherungsmakler "zwischenschaltet", der dann im Schadensfall den Papierkram erledigt?

Erhöht ein solche Makler nicht die Kosten unnötig u wären die HV nicht verpflichtet, eine Abwicklung zu unterstützen?

Wo u wie kann man den Wettbewerb der Versicherungen untereinander feststellen?

ME gibt es so etwas nämlich nicht.

Alles scheint abgesprochen+abgekartet.

Kartellartig reguliert u vom die Kosten tragenden Mieter nicht kontrollier- u beeinflussbar.

Wer kennt Publikationen zu diesem Thema?

Es muss doch anno 2011 möglich sein, auch eine ebenso gute Versicherung günstiger am EU-Markt zu bekommen.

Muss ein Gebäu.versicherer in Ö eine Geschäftsstelle haben?

Wo ist der EU-weite Wettbewerb?

stefan1981
00
25.6.2011, 18:52

ja, der versicherungsmakler ist ok und durchaus üblich. anders sind die vielen versicherungsfälle ja gar nicht handlebar.

die auswahl der gebäudeversicherung obliegt grundsätzlich dem hauseigentümer bzw. der hausverwaltung als dessen vertreter.

die hausverwaltungen trachten ja selbst auch nach niedrigen betriebskosten. gerade im freifinanzierten bereich. je niedriger die betriebskosten desto höher kann u.u. der hauptmietzinsanteil sein.

von niedrigen betriebskosten profitieren letztendlich alle!

trace route
00
23.6.2011, 20:40
Achtung! Viele der angeführten Werte sind nicht nur pro Monat, sondern auch pro Quadratmeter zu verstehen.

Sollte angemerkt werden dürfen.

Beispielsweise kostet eine Versicherung sicher nicht 4,69 Euro pro Jahr, sondern pro Jahr und pro Quadratmeter usw

Adolf Ogi
20
23.6.2011, 08:55
Da fehlt was

Immobilienverwaltungskosten
Lifterhaltungskosten
Schneeräumungskosten
Schließdienstkosten
Gebäudeerhaltungskosten
Kellerräumungskosten (von Mietern finanziert, damit der Hausbesitzer dann den Keller für sich beansprucht und anderweitig vermieten kann)
etc., etc.

Insgesamt muss man sagen, dass die Hausbesitzer recht kreativ im Kostenerfinden sind und auch immer eine befreundete Firma haben, die möglichst hohe Rechnungen ausstellt, damit es sich auch auszahlt.

sumpf des ostens
01
23.6.2011, 12:47

1. da fehlt gar nix, bzw wurde darauf hingewesen

2. wenn sie solche sachen bezahlen bei der mvö überprüfen lassen, steht azch im arikel

Chocoholic
15
22.6.2011, 21:07
Na klar, soll alles mit der 0,00007 cent pro m2 Altbauübergenerationenenteigenmiete finanziert werden...

Finto Fanto
04
22.6.2011, 19:08
Würden auch die Betriebskosten in Gemeinde- und Genossenschafts-Wohnungen überprüft werden, gäbe es einen Aufstand!!!

stefan1981
10
25.6.2011, 18:54

es steht jedem mieter frei seine betriebskostenabrechnung bei der schlichtungsstelle zu beeinspruchen soferne verdacht besteht dass etwas nicht passt!

max ritz
15
22.6.2011, 17:59
Herr Niedermühlbichler!

wenn Grundsteuer u. Versicherung der Hausherr zu bezahlen hat, dann muß der Mieter ab er auch eine angemessene Miete bezahlen, denn mit € 0,70/m2 ist das nicht möglich. Also weg mit den Richtwert- u. Kategoriemieten - dann werden auch die Hausbesitzer was leisten.

Roland Trestenburger
30
24.6.2011, 13:54

ja, dann werden die Hausbesitzer sicherlich sich was leisten :) ...

max ritz
00
22.6.2011, 17:57
Hr. Niedermühlbichler!

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