Noch ein langer Weg zur Abschaffung der Sonderschulen

22. Juni 2011, 12:45

Unabhängiger Monitoringausschuss kritisiert Untätigkeit des Unterrichtsministeriums - Integration in neunter Schulstufe "nur Bruchteil dessen, was getan werden muss"

Wien - Drei Jahre sind vergangen, seit sich Österreich mit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung dazu verpflichtet hat, Kinder "nicht aufgrund von Behinderung" vom Schulbesuch auszuschließen. Ein Jahr ist es her, seitdem der Monitoringausschuss, der die Umsetzung dieser Konvention überwacht, in einer Stellungnahme die Abschaffung der "menschenrechtswidrigen" Sonderschulen forderte. Getan hat das Unterrichtsministerium bis heute nichts, kritisiert nun die Vorsitzende des Ausschusses, Marianne Schulze, gegenüber der APA. In einem Gespräch kündigte ihr das Ministerium einen "Stufenplan" an - für Schulze ist dieser jedoch "kein großer Wurf".

27.800 Schüler mit "sonderpädagogischen Förderbedarf"

"Die Begrifflichkeiten, die dabei verwendet worden sind, lassen mich nicht optimistisch sein", sagte Schulze. Zu ihrem Überraschen sei auch "in keinster Weise" auf die öffentliche Diskussion mit 200 Personen im Parlament im April 2010 sowie die folgende Stellungnahme des Ausschusses Bezug genommen worden. Dabei habe das Unterrichtsministerium im Vorfeld mehrfach zugesagt, sich an der Diskussion beteiligen zu wollen. "Danach haben wir nichts mehr von ihnen gehört", meinte die Vorsitzende. "Das Ministerium sieht nicht, dass es auf diesem Feld eine Führungsverantwortung hat." Die "Behindertenthematik" sei nicht nur Sache des Sozialministeriums, sondern eine "Querschnittsmaterie". "Partizipation ist möglich, man muss es nur wollen", so Schulze.

Laut Statistik Austria gab es im Schuljahr 2009/10 rund 27.800 Schüler mit "sonderpädagogischem Förderbedarf", davon besuchte fast die Hälfte (48 Prozent) eine Sonderschule. Dies ist laut Stellungnahme des Ausschusses menschenrechtswidrig und geht mit einem Ausschluss aus der "gesellschaftspolitischen Mitte" und einer Bildung auf niedrigerem Niveau einher. Der Ausschuss fordert die Öffnung des Regelschulwesens für alle Kinder, unabhängig von Begabung oder Unterstützungsbedarf - eine "Schule für alle" also.

"Nur ein Schritt nach dem anderen"

Das Unterrichtsministerium sieht mit der kürzlich beschlossenen Ausweitung der Integrationsklassen von der achten auf die neunte Schulstufe an Polytechnischen Schulen und einjährigen Haushaltungsschulen den "ersten Schritt" getan. "Wir können in Richtung Integration und inklusivem Unterricht nur einen Schritt nach dem anderen machen", so der Pressesprecher von Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

Für Schulze ist die Ausweitung von Integrationsklassen zwar "erfreulich", "aber nur ein Bruchteil dessen, was getan werden muss". Sie fordert eine "wesentlich breitere Diskussion" und hält nichts davon, "Dinge fragmentarisch abzuhandeln". "Da wird versucht, eine andere Realität zu schaffen, wenn tatsächlich eine grundlegende Reform benötigt wird, die die Prinzipien von Inklusion und Barrierefreiheit verwirklicht."

Der unabhängige Monitoringausschuss selbst kann keine Sanktionen verhängen, gibt jedoch Empfehlungen und Stellungnahmen ab. Zudem erstellt er bis Ende 2011 einen Bericht für ein UN-Expertengremium, das im ersten Halbjahr 2012 in Genf zusammentrifft. Das kann dann Empfehlungen an die österreichische Regierung abgeben, so Schulze, "die zu erfüllen sich die Regierung mit der Ratifizierung der UN-Konvention verpflichtet hat".(APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
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Enassus
 
12
27.6.2011, 20:41
Vor allem geistig Beeinträchtigte

gehören in keine Regelschule, da diese verhaltensauffällig sind. Genau für diese Kinder gibt es ja die Sonderschule. Solche Kinder sind in der Regelschule nur störend. Bei körperlich Behinderten ist das natürlich etwas Anderes.

pistepirkko
11

sagt wer? verhaltensauffälligkeit hat in keinster weise etwas mit handicaps zu tun. woher haben sie diese binsenweisheit?

Julian95
 
01

Tipp: Schau mal in ein Gymnasium(!) und schauen einmal, wer da oft herumläuft. Und dann denk dir, dann in der Sonderschule sitzen muss. Soll man diese Menschen wirklich auf den Rest der Jugend lassen? Ich glaube das jedenfalls nicht!

EricderRote
05
24.6.2011, 09:36
impertinent

Es ist ein Skandal, dass den SonderschullehrerInnen, die durch die Bank großartig in den Sonderschulen arbeiten, sogar "Menschenrechtsverletzungen" vorgeworfen wird. Seit Jahren werden die Förderstunden (auch heuer!!!) massiv gekürzt, egal , ob das Kind in einer Sonderschule oder integrativ betreut wird.
Inklusionsforderungen bewirken derzeit nur, dass man auch die letzten Sunden streichen wird. Nie hat man eine Silbe gehört, doch einmal bei den Ressourcen nachzuschauen und diese dem Bedarf anzugleichen, anstatt nur mehr zu kürzen und die Kinder, Eltern und ihre LehrerInnen in äußerste Bedrängnis zu bringen. Es geht längts in Richtung "Aufbewahrung" anstatt engagierte Pädagogik für diese Kinder!!!!

Denker9
13
24.6.2011, 06:48

Es wird immer weniger auf die speziellen Bedürfnisse von Kindern eingegangen und alle in einen Topf geworfen!
In HS müssen alle integriert werden, weil das die billigste Variante ist. Und was sollen die Eltern deser Kinder dagegen tun? Nichts, weil sie meist weder die finanziellen Mittel haben, ihre Kinder in Privatschulen zu geben noch die sprachlichen Fähigkeiten besitzen, sich dagegen zu wehren. Dort sind immer mehr Kinder mit sehr unterschiedlichem Leistungsvermögen aber keine entsprechend ausgebildeten Lehrerinnen. Braucht man anscheinend auch nicht- die Kinder sind es der Politik nicht wert!

Seherin
40
23.6.2011, 21:17
UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Bitte lesen Sie sich Artikel 24 oben genannter Konvention durch. Darin wird gefordert, dass Kinder mit Behinderungen gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern unterrichtet werden müssen und die dafür notwendige Unterstützung erhalten müssen. Die gute Unterstützung die sie jetzt in einer Sonderschule erhalten, würden sie dann in der Regelschule erhalten und Sonderpädagogen und Stützlehrer haben in der Regelschule dann genauso viel zu tun, wie jetzt in den Sonderschulen. Menschen mit Behinderungen sind in unserer Gesellschaft willkommen und leben mit den gleichen Rechten und Chancen und der für sie notwendigen Unterstützung innerhalb UNSERER Gesellschaft - von Anfang an!! Daran wird kein Zweifler vorbei kommen.

EricderRote
01
27.6.2011, 20:54
Sherein? völlig blind?

Auf Papier stehen die tollsten Dinge - die Wirklichkeit hat den behinderten Kindern (sowohl in Sonderschule als auch in der Integration) in den letzten Jahren 30% der notwendigen Förderkontingente weggenommen. Inklusion würde den Rest wegrationailsieren.
Wenn man will dass den Kindern der letzte Zufluchtsort genommen wird, soll man ruhig weiterträumen - auch heuer wurden wieder hunderte Lehrerinnestellen bei diesen Kindern weggekürzt und ihr in euren Wolkenkuckucksheimen redte von Inklusion - bitte schweigen Sie, wenn Sie keine Ahnung von der Wirklichkeit haben!

Alfred Moosbrugger
04
23.6.2011, 18:28

Was soll mit der Abschaffung der Sonderschulen gewonnen sein?

Menschenrechtswidrig ist es vielmehr, die zusätzliche, fachdidaktische Betreuung den Kindern vorzuenthalten, indem sie in die sparefrohe so genannte allseligmachende "Neue" "Mittelschule" geschickt werden, auf Kosten aller Beteiligten.

mountaineer
02
23.6.2011, 18:21
Was ist menschenrechtswidriger?

Wenn ein geistig schwer gehandicaptes Kind in eine Sonderschule geht, dort auf vielleicht 10 Kinder zwei speziell dafür ausgebildete LehrerInnen kommen, oder wenn die Sonderschule für menschenrechtswidrig erklärt wird, die Lehrerinnen zum AMS geschickt werden und das geistig gehandicapte Kind in eine Neue Mittelschule gehen muss, in der die Mittel für die ehemalige Sonderschule weitestgehend eingespart werden?

EricderRote
00
24.6.2011, 09:38
Danke

Klarer kann man es nicht sagen, wie mit dem Problem umgegangen wird, leider reden in den Entschdiungsgremien nur Leute mit, die nie solche Kinder unterrichtet haben!

Reg.Rat Borromäus Maschitz
04
23.6.2011, 17:27
diese schulform

ist für jene kinder gedacht, die durch schwere beeinträchtigungen jedweder art nicht am regelschulwesen teilnehmen können.
auch ist in dieser schulform eine optimale betreuung, die im regelschulwesen unmöglich wäre, sichergestellt.

offenbar stammt die empfehlung zur auflassung dieser schulform von irgenwelchen bürokraten und/oder ahnungslosen schreibtischtätern!

mountaineer
00
23.6.2011, 18:21

Genau das habe ich mir auch gedacht.

pitt stehler
02
23.6.2011, 16:31
kein lehrer oder -in

im regelschulwesen hat eine ausbildung für i-schüler. diese werden halt irgendwie beschäftigt. es ist z.t. leicht verdientes geld, aber nicht befriedigend, für niemanden.

Heinz Anderle
 
13
23.6.2011, 07:05
Wir brauchen mehr Sonderschulen...

... für Schwer- und Schwerstbegabte.

Die intelligentesten 5 % tragen später deutlich überproportional zum Bruttonationalprodukt bei. Derartiges Potential gilt es mit allen gebotenen Mitteln zu fördern.

Dr. Heinz Anderle, utilitaristischer Freigeist

/. nerd
 
09
22.6.2011, 21:43
Hat eigentlich je einer der Sonderschul-Abschaffer eine Schule von innen gesehen?

Und sei es nur in Form von (noch nicht versoffenen) Erinnerungen an seine eigene Schulzeit?

Kinder besitzen noch rohe Grausamkeit und Bosheit, nicht getrübt durch irgendwelche zivilisatorischen Mäntelchen.

Wenn - wie eh und je - schon Stotterer und Brillenträger aufs ärgste gequält werden, was wird dann erst mit Kindern mit kognitiven Beschränkungen geschehen?

krokokater
 
01
22.6.2011, 22:34
Reaktionen aus einer der öffentlichen Sitzungen

des Monitoringausschusses: Eine Lehrergruppe aus der Steiermark bestätigte, dass mit einem entsprechenden Aufwand an Begleitlehrern sehr wohl gute Erfolge zu erzielen sind. Und sie verstanden gar nicht, weshalb sich die Vertreter aus Tirol so quer legen. Und welche Rolle die Landesschulinspektoren bei der geschürten Verunsicherung von Lehrern (und damit auch Eltern) spielen wäre einer Untersuchung wert.

Daisy Lord
04
23.6.2011, 07:09

Das ist eben das Problem....in Wien wurden Begleitlehrerstellen soeben stark abgebaut, Stunden reduziert oder ganz gestrichen.
Ein Lehrer alleine mit 20 oder mehr Schülern kann aber die nötige individuelle Betreuung für bis zu 6 oder 7 Integrationskinder (mit z.T. völlig unterschiedlichen körperlichen oder geistigen Problemen) wirklich nicht abdecken...

pitt stehler
01
23.6.2011, 06:36
für jeden sonderschüler

ein begleitlehrer, bei null output. das wäre volkswirtschaftlicher unsinn, lt. oxonitsch.

pistepirkko
01

wie soll man denn bitte dieses posting verstehen? hier geht's um grund- und menschenrechte und die förderung von menschen mit speziellen bedürfnissen. wenn's um volkswirtschaftliche relevanz und erträge geht, ist der schritt zur gesellschaftlichen und sozialen selektion nicht mehr weit. oder wollen sie behaupten, der wert des einzelnen bemisst sich an der finanziellen wertschöpfung?

pago1
00
22.6.2011, 19:38
mit blau schwarz wirds wieder schlimm werden

Dimple
014
22.6.2011, 13:23
hmm

einerseits befürworte ich natürlich Integrationsklassen - andererseits mußte aus der I-Klasse, in die mein Kind geht (kein I-Kind), ein Kind in eine Sonderschule wechseln, weil trotz 2 LehrerInnen und einer Stützkraft (gibt es da einen speziellen Titel?) auf 18 SchülerInnen, der eine Bub eben nicht integrierbar war: Ständiges Stören des Unterrichts, Gewaltausbrüche inkl. Gefährdung der anderen SchülerInnen, ständiges Beschimpfen der MitschülerInnen und LehrerInnen --> ein Schüler schafft es so, in der ersten Klasse den andern Kindern das Schule-Gehen zu verleiden.

Wahrscheinlich waren zuviele Kinder in der Klasse und Schule, was dieser eine Schüler nicht "gepackt" hat.

Und was geschieht mit solchen Kindern ohne Sonderschule?

lg
Dimple

A. Sieberer
01
23.6.2011, 08:48

Ich verstehe ihre Argumente sehr gut, aber wohin kam das Kind nach dem Wechsel?

Wahrscheinlich in eine Sonderschulklasse, in der zwar weniger Schüler sind, aber höchstwahrscheinlich die meiste Zeit nur ein Lehrer, der dann den großteils genau mit diesem Kind beschäftigt ist.

Und in einer normalen ASO-KLasse wiederholt sich das alle paar Monate. Die Schüler und Lehrer kommen nie zur Ruhe und Bildung passiert auf niedrigstem Niveau.

ziegenhals
 
31
23.6.2011, 14:58

das schlimme ist, daß der begriff "aso-klassen" bis heute noch offiziell existiert - "aso" ist die abkürzung für asozial, und die aso-klassen sind also die asozialen-klassen.

EricderRote
00
24.6.2011, 09:41
Unsinn

was reden Sie nur für Unsinn!!!! ASO ist die Abkürzung für "Allgemeine Sonderschulen"

LL MM
00
24.6.2011, 02:14

Also Sie sind der erste, den ich kenne, der den Begriff ASO mit asozial assoziert.

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