Blinder Bergsteiger will mit Everest Seven Summits schaffen

22. Juni 2011, 11:12
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Andy Holzer tastete sich von Berg zu Berg - Nur noch der höchste Gipfel fehlt - "Die Finger sind meine Augen"

Wien - Der blinde Osttiroler Andy Holzer hat bisher sechs der Seven Summits, der jeweils höchsten Gipfel der sieben Kontinente, bezwungen. "Es ist mir passiert", sagte der 44-Jährige Dienstagabend nach einem Vortrag. Der Mount Everest fehlt ihm noch. "Wenn du am Berg zur Welt kommst, musst du fast schon bergsteigen, wenn du zum Nachbarn willst. Das macht es fast alltäglich", erklärte er seinen Einstieg in den Alpinismus.

Durch eine Netzhauterkrankung ist der Lienzer von Geburt an ohne Augenlicht. Für ihn kein Grund, mit dem Schicksal zu hadern: "Ich würde sonst nicht meinen Traumberuf ausüben. Ich habe mir alles gerichtet, indem ich mir meine Schwächen zur Hilfe genommen habe", berichtete Holzer mit einem Lächeln. Bergsteigen ist für ihn weder eine Kompensation noch ein Sport: "Ich trainiere auch nicht bewusst, sondern gehe einfach 200-mal im Jahr auf den Berg, weil es meine Leidenschaft ist. Ich habe keine sportliche Einstellung und achte nicht großartig auf Ernährung und Gewicht."

"Gesamwahrnehmung auf viel breiteren Beinen"

Das fehlende Sehfähigkeit ist für Holzer kein großer Nachteil am Berg: "Wenn man 44 Jahre Erfahrung hat, mit dem (Handicap, Anm.) umzugehen, dann hat man eine andere Wahrnehmung". Seine vorhandenen Sinne reagieren sensibler als bei Sehenden und so "steht die Gesamtwahrnehmung der Seilschaft auf viel breiteren Beinen".

Das Flache ist für ihn als Blinden das eigentliche Problem, "denn die Finger sind meine Augen". "Die Steilheit leitet mir den Weg, weil ich mit den Händen da den Boden erlange und weiß, wo der nächste Fuß hingehört. Wenn es steil und senkrecht ist, muss ich nur geradeaus greifen."

Herausforderung Everest

1990 absolvierte er so seine erste Klettertour, erkundete die Dolomiten und lernte mit Erik Weihenmayer den zweiten bekannten blinden Bergsteiger kennen. 2005 bezwang er den ersten der großen Sieben, den Kilimandscharo in Afrika. Die "Seven Summits" waren da noch gar nicht das Ziel: "Ich glaube nach dem dritten Gipfel, als ich in Südamerika erfolgreich war, da ist es mir bewusstgeworden." Da schrieb man 2007 und Holzer hatte den Aconcagua in Argentinien bezwungen, der mit 6.962 Metern der zweithöchste der Gipfelreihe ist.

Es folgte der Mount McKinley in Alaska, die Carstensz Pyramide (Indonesien) und der Mount Vinson in der Antarktis. Den Mount Everest sieht er als neue Dimension: "Es macht einfach wenig Sinn, auf den Everest zu steigen, was absolut alpin-historisch wäre, um dann nur mit Familienfotos heimzukehren. Es ist eine Wahnsinnsgeschichte, die medial begleitet gehört." Wenn es aber letztendlich statt der Seven Summits vielleicht nur die Six Summits werden, will sich Holzer trotzdem nicht der Frustration hingegeben: "Ich habe so viele Ziele und nicht nur den Everest, weil ich nicht daran zerbrechen möchte, dass dann mein einziges Lebensziel vielleicht nicht funktioniert." (APA)

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    foto: thomas nothdurfter
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