Gerer, vor der Türe

1. Juni 2004, 13:39
posten

Das Korso bei der Oper, Wirkungsstätte von Reinhard Gerer, hat seit kurzem einen Schanigarten. Den einzigen Dreihauben-Schanigarten der Stadt

Reinhard Gerer ist recht viel in den Medien. Im Werbefernsehen, früher in der Kronenzeitung, häufig in den Seitenblicken. Und weil Reinhard Gerer eben recht prominent ist und auch nicht gerade zu den Stillen der Branche zählt, war medial ziemlich der Bär los, als ihm vergangenen Jahr von Gault Millau die vierte Haube entzogen wurde. An und für sich nichts Außergewöhnliches, da es in Österreich aber noch nie stattgefunden hatte, als diskussionswürdiges Phänomen erachtet und Stoff von zahlreichen "Gourmet-Zirkeln".

Ob die Begründungen für das Abwerten gerechtfertigt war oder nicht, darüber kann man trefflich streiten. Dass man ihm aber Unrecht tut, immer nur über Freizeitgestaltung und Privatleben des Reinhard Gerer zu sprechen, ohne auch ab und zu seine Kochkunst mit Beachtung zu würdigen, ist klar. Weshalb er jetzt einmal einen kleinen Schritt setzte, um die Gerer-Berichterstattung ein wenig zu verändern: Er ließ im Korso einen Schanigarten installieren.

Was jetzt an und für sich noch nicht so eine Sensation wäre, wenn es nicht der einzige Schanigarten eines Dreihauben-Lokals in Wien wäre, wenn sich Gerer für diesen Zweck nicht ein spezielles Konzept überlegt hätte und wenn das Ganze nicht zu Preisen angeboten würde, die man in der Top-Gastronomie bisher eher fürs Brotkörberl zu zahlen gewohnt war. "Jeden Tag was anderes, ganz spontan, was mir halt so einfallt", umreißt Gerer das Konzept, was so viel bedeutet, als dass man da auf der Gasse so legendäre Gerer-Klassiker wie die "Fischstäbchen" oder den Lachs-Sandwich bekommt, ohne dafür einen Smoking anziehen zu müssen.

Dunkel, würzig, wunderbar

Die "Prärie-Auster" tritt einem da etwa als sagenhaft cremiges Tomatenmousse, gekrönt von einer gut gewürzten Belon entgegen, und das Kalbsbeuschel, umflort von subtiler Riesling-Säure, hat im Kampf ums beste Beuschel der Stadt definitiv keine schlechten Karten (€ 4). Eigentlich noch besser ist aber das Bruckfleisch, das Gerer zwar heutigen Wertmaßstäben ein wenig angepasst hat, das aber immer noch von fundamentaler Innereiigkeit ist, dunkel, würzig, wunderbar (€ 4). Auch der istrische Bohneneintopf - ein Konglomerat aus allem, was Kalorien hat - vermittelt Freude. Die "Fischstäbchen" verdienen den Namen zu Recht, bestehen aber aus elegant paniertem Neusiedlersee-Zander, der auf der Zunge zergeht, der Erdäpfelsalat dazu könnte noch einen Schuss Witz vertragen (€ 4), und "Scampi im Kimono" bedeutet, dass die Meeresfrucht ebenfalls in eine köstliche Panade gehüllt und von subtil-scharfem Chutney begleitet wird (€ 4). Das Beste, was man sich im Korso-Schanigarten aber gönnen kann, ist wohl der Lachs-Sandwich, der ein solcher nämlich gar nicht ist, sondern aus zwei Scheibchen schottischem Räucherlachs, gefüllt mit Hummerfleisch, besteht. Das sieht toll aus, und es schmeckt absolut fantastisch (€ 8). Auch Schnecken sind schon bestellt, an einer Edel-Pizza aus Blätterteig mit Jabugo-Auflage wird noch gearbeitet, und mit einem "Omega 3"-Teller mit Matjes-Varianten ist ebenfalls zu rechnen. Dazu gibt's Weine von Hirtzberger und Gross mit taschengeldgerechter Kalkulation.

Auf jeden Fall ein hervorragendes Projekt zum Thema "Top-Gastronomie zum Anfassen", vergleichbar mit dem seinerzeitigen Gabelfrühstück im "Steirereck", und das Ganze noch mit Blick auf die Oper. Könnte ein Erfolg werden. (Der Standard/rondo/Florian Holzer/23/5/2003)

Korso "Cabrio"
Mahlerstr. 2
1010 Wien

Tel.: 01/515 16 546
Mo-Sa 12-23
So 16-23 Uhr
  • Artikelbild
Share if you care.