Ein Krieg wie kein anderer

21. Juni 2011, 18:30

Heute hält sich die Ansicht, man hätte im Zweiten Weltkrieg "nur seine Pflicht getan", nur noch im Umkreis von Heinz-Christian Strache

Vor 70 Jahren, am 22. 6. 1941, begann der furchtbarste Krieg der Weltgeschichte, der Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion. Er war von Hitler als Raub-, Vernichtungs- und Versklavungskrieg angelegt, als weltanschaulicher Krieg, in dem eine überlegene "Herrenmenschenrasse" die "slawischen Untermenschen" dezimieren und auf den Status von Sklaven reduzieren sollte. Die Sowjetunion verlor dabei 27 Millionen Menschen, die Mehrheit davon Zivilisten. Auf deutscher Seite fielen drei Millionen Soldaten.

Es war auch der bestangekündigte Krieg der Neuzeit. Hitler schrieb schon 1924 in Mein Kampf, das später in Millionenauflage verbreitet wurde, Deutschland müsse sich "Lebensraum im Osten", in Russland, verschaffen. Einen Monat nach seiner Machtergreifung im Jänner 1933 entwickelte er vor hohen Offizieren einen entsprechenden Plan, den er dann über die Jahre vor verschiedenen Auditorien immer aufs Neue wiederholte. Im Sommer 1940, nachdem er zum Herrscher über Kontinentaleuropa bis zur russischen Grenze geworden war, teilte er seinen Generälen seine Absicht mit, binnen Jahresfrist die Sowjetunion anzugreifen. Von vornherein ließ er dabei keinen Zweifel, dass dieser Krieg eine andere Qualität haben werde. Die Kriegsregeln würden nicht mehr gelten ("der russische Soldat ist vorher kein Kamerad und nachher kein Kamerad"), die Absicht sei nicht nur die Vernichtung des "bolschewistischen Systems" , die Ausrottung seiner Repräsentanten ("Kommissarbefehl"), sondern eine gigantische ethnische Säuberung. Dutzende Millionen von sowjetischen Zivilisten sollten teils aktiv umgebracht (vor allem die Juden), teils hinter den Ural getrieben, teils bewusst dem Hungertod preisgegeben werden. Der Rest sollte als analphabetische Helotenschicht den deutschen Besatzern und Siedlern dienen. Dieses Programm ist wortwörtlich aus Hitlers sogenannten "Tischgesprächen im Führerhauptquartier" überliefert und wurde in großen Teilen auch umgesetzt.

Die Massenerschießungen von Juden begannen sofort nach dem Einmarsch im Hinterland. Eigens dafür aufgestellte Einheiten wie etwa die I. SS-Infanteriebrigade, in der auch der spätere FPÖ-Vorsitzende Friedrich Peter diente, aber auch Polizeibataillone, ermordeten bis 1942 rund 700.000 Juden (dann begann die industrielle Vernichtung durch Giftgas). Die Wehrmacht leistete dabei unverzichtbare Hilfsdienste und beteiligte sich auch insofern am Massenmord, als sie der Zivilbevölkerung bewusst die Lebensgrundlagen entzog. Außerdem ließ die Wehrmacht 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene umkommen. Im "Generalplan Ost" wurde die Ausbeutung und Versklavung der sowjetischen Zivilbevölkerung planmäßig durchgezogen.

Hitlers Gegner war ebenfalls ein mörderisches Regime. Durch Stalins "Säuberungen" und einen "Klassenkrieg" gegen die Bauern der Ukraine waren ebenfalls Millionen umgekommen. Das ändert aber nichts am Charakter von Hitlers völkermörderischem Angriffskrieg. Die heute noch erhobene Behauptung, Hitler wäre Stalin nur zuvorgekommen, ist längst widerlegt. Die Sowjetunion war zu einem solchen Angriff nicht in der Lage und hielt ihn auch nicht für notwendig. Stalin erwartete höchstens, dass sich Deutschland und die Westmächte gegenseitig zerstören würden. Bis lange nach Kriegsende wurde in Deutschland und Österreich aber der Charakter dieses Krieges geleugnet und die Wehrmacht als "sauber" betrachtet. Jörg Haider erklärte etwa in den 90er-Jahren öffentlich, die SS habe in Russland "die Demokratie verteidigt" .

Diese Denkweise - oder auch nur die Idee, das wäre ein "normaler Krieg" gewesen, in dem man "seine Pflicht getan" hatte - hielt sich jahrzehntelang. Heute hält sich die Ansicht nur noch im Umkreis von Heinz-Christian Strache. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2011)

Kommentar posten
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Frodo Der Hobbit
00
25.6.2011, 13:29
systempflicht

nicht zu hinterfragen was das system im grunde macht, das einen zunächst so populistisch hätschelt, ist eine grundeigenschaft, die den europäern schon in den beamtenmonarchien anerzogen wurde.
die nazis waren dann die technologen, marke altes rom, die alle geistigen werkzeuge und stahlmaschinerien zu einer meisterschaft verbunden hatten, alles platt zu machen, alles zu beherrschen.
der herrschsucht aus selbstüberhöhung wurde alles untergeordnet. der massenmord war denen aus ethischer sicht vollkommen egal, eine anstrengende pflicht höchstens.

heute kann man aber nicht mit der verurteilung der vergangenheit, und solchen zuschreibungen punkten. die "interessen" ufern schon wieder derart aus, dass es erneut egal ist. alles feinde.

Der_Klingone
01
24.6.2011, 13:58

Eigentlich schreibt der Rauscher nur die Wahrheit. Wenn man die schlimmen Verbrechen der Nazis in der Sowjetunion darstellte bedeutet das ja nicht, daß die Sowjets ganz ohne Makel sind oder das nun jeder Wehrmachtssoldat ein böser Verbrecher ist. Nichtsdestotrotz stimmt es, was in dieser Kolumne steht. Ob es uns nun passt oder nicht.

Interessant ist nur, wieviele Leute sich hier deswegen unglaublich aufregen.

Jan Sommer
10
26.6.2011, 16:10
Ziemlich unbedeutende Neuzeitbeurteilung,

welche sich mit billigen Attributen die Zustimmung von Leuten einkauft, welche die damaligen Zustände nur vom empörten Nachplappern aus beurteilen.
js

Wuzzibärli
00
23.6.2011, 18:30

wissen's was wir brauchen?

eine neue Verfassung - die den Einzelnen Menschen als wertvolles Individuum krönt.

Allmächtiger Satan
00
23.6.2011, 18:41

Das wäre eine Lüge.

FalscherProphet
00
24.6.2011, 00:45
Das will ich jetzt aber genauer wissen:

Ist ein geistig schwer behinderter Mensch jetzt beispielsweise ein wertvolles Individuum - oder nicht,

allmächtiger Satan?

Wuzzibärli
01
24.6.2011, 07:38

der Satan ist der Vater der Lüge und ein Verleugner. Eh schon Altbekannt

parapente
23
23.6.2011, 18:00
Der liebe Herr Rauscher

kann sich eben nicht vorstellen, dass man sich mit seinem Leben (und das der Angehörigen) gespielt hätte, wennn man "seine Pflicht" verweigert hätte.

Franzerle
11
24.6.2011, 11:34

absolut! mein großvater war so ängstlich, daß er sich schon 1933 den nazis illegal anschließen und dort - aus angst natürlich - eine ss karriere hinlegen musste.
seine frau - meine großmutter - hatte auch damals solche angst vor nazis, sodass sie einen heiratete. und weil sich die große angst so in sie hinein-gebrannt hatte, mußte sie bis zu ihrem tode vor 15 jahren an der naziideologie zu 100% festhalten, d.h. sie war antisemitisch, antidemokratisch, rassistisch, entmenschlicht,..... aus angst natürlich.

*sarkasmus off*

- rau -
11
24.6.2011, 10:40
Das hat man eben nicht immer und überall

Es gibt keinen belegten Fall,wonach jemand, der die Erschießung von Zivilisten verweigerte, selbst hingerichtet wurde.
Er bekam allerdings auch nicht das EK I und wurde vom Unteroffizier zum Offizier befördert, wie Friedrich Peter.

Anti Nazi
02
23.6.2011, 17:50
"Vor 70 Jahren, am 22. 6. 1941, begann der furchtbarste Krieg der Weltgeschichte, der Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion."

Lieber Herr Rauscher,
Der Krieg begann am 1 September 1939 mit dem Überfall Hitlerdeutschland auf Polen.

aqualung
01
23.6.2011, 23:38
relativ

das beginn das krieg. aber lange hat die welt nur zugeschaut. vor allem der krieg gegen russland begann ja erst später, vorher war man noch auf der gleichen seite.
dadurch kann man auch je nach definition erst später den beginn des weltkriegs ansetzen

Ratlos
52
23.6.2011, 16:53
Traurig ist vor allem dass es 70 Jahre später noch immer ein dominierendes Thema zu sein scheint - vor allem bei Herrn Rauch.

AlexArnauld
 
00
23.6.2011, 16:11

ich weiß von meinem vater, dass in unserer ortschaft (in welcher ich aufwuchs) während des 2. Wks politische gegner (bruder gegen bruder!), dissidenten usw. am hof aufgehängt, erschossen oder der gauleitung übergeben wurden. diese tatsache wurde u.a. im wirtshaus durch (zum teil geistigbehinderte) knechte im alkoholrausch und unter tränen ausgeplaudert. die führende bauernschaft im wirtshaus wies dem gebeutelten knecht in die schranken, "er soll sei goschn heutn". meine großmutter erzählte mir, dass ende des krieges eine partisaneneinheit auf pferden in der nähe dieser ortschaft von der SS erschossen wurde... sie schwärmt heute noch von den stolzen reitern auf ihren pferden. der ort und das tal sind politisch bekannt...

Simplicius Simplicissimus
01
23.6.2011, 13:01
Und aus ...

... dem "Nie wieder" wurden ein Korea-Krieg, Vietnam und Laos, Afghanistan- und Irakkriege, Libyen, und nicht zu vergessen Kriegsverbrechen an Palästinensern.

Dave DelMondo
 
11
24.6.2011, 00:33
Ja klar, 's is ollas aans!

Alles Vernichtungskriege, alles angezettelt von lauter kleinen und größeren Hitlers, und was damals die Juden waren, sind heute die Palästinenser...
Sprechen Sie bitte Ihren revisionistischen Humbug in ein Sackerl, schnüren Sie es fest zu und schicken Sie es - je nach Gusto - zu einer Burschenschaft, einem linken Anti-Imp-Verband oder einem muslimischen Verein - die haben sicher ihre Freude damit!

Christ in der Zeit
93
23.6.2011, 12:34
Lieber Herr Rauscher

Immerhin ist aber die Strache Partei die einzige, die seit Jahren die Entfernung der Josef Stalin Gedenktafel in der Schönbrunner Schlossstrasse 30 in Meidling verlangt.

Wiewohl es schon interessant ist, dass sowohl Hitler als auch Stalin zeitgleich in Wien waren (1913) und beide einen Bezug zu Meidling hatten.
Tja und dann gibt es da noch geheime Aufzeichnungen von einem Treffen der beiden genau in dieser Zeit. In den ersten Monaten des Jahres 1913.

dieter van teese
01
23.6.2011, 15:50

ich weiß nicht was stalin 1913 so getrieben hat, aber hitler war zu dieser zeit ein heruntergekommener sandler ohne jegliche perspektive.

also welche hirngespinste könnten die damals schon großartig ausgeheckt haben?

Fritz Richter
02
24.6.2011, 14:10
na was wohl?

Na was? Aufteilung der Macht auf dem Globus, was sonst?:-o

- rau -
314
23.6.2011, 14:43
Ja, und an diesem Tag haben sich auch die

Illuminati, die Tempelritter und die Freimaurer getroffen. Außerdem war Vollmond.

nomad13
12
23.6.2011, 17:17
Empfehle: "Wall Street and the Rise of Hitler"

von Antony C. Sutton

Es braucht keine Illuminati - kleiner Troll

nomad13
01
24.6.2011, 02:05

Wer dieses Buch verstanden hat - weiss das an WK3 (Vertrauensverlust der Schäfchen ins Bankensystem ist zu gross) nichts vorbeiführt - wollte die Hochfinanz das System retten (EUTöpfe etc) - könnte das System gerettet werden. Man wartete aber ab u. erledigt nebst FED die EZB.

Wir sind die Guten!!
03
23.6.2011, 14:38
tja stalin hat gewonnen, hitler verloren,

findet euch lieber damit ab als ewig zu versuchen noch hinterherzutreten ...

Der_Klingone
01
23.6.2011, 14:36
Meidling ...

... ein Hort des Bösen!

:-)

Wuzzibärli
11
23.6.2011, 11:54

diese Kriege sind immer geistig indoktriniert. Die geistige Führer sind die Religionsführer. Dort muss man ansetzen.

es geht um Nächstenliebe. Aber sobald jemand nicht den selben Glauben hatte wurde er verfolgt.

Es ist geistige Ursprungs. Sogar der nationalistisch denkende Strache ist katholisch Heimatverbunden.

Nur die Sozialisten haben einen klareren Blick auf Gerechtigkeit unter den Menschen.

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