Fremdwährungskredite: Pläne für das Worst-Case-Szenario

21. Juni 2011, 18:06
234 Postings

Der hohe Anteil an Krediten in Fremdwährung bereitet der Nationalbank Sorgen und lässt die Verschuldung der Haushalte ansteigen

Wien - Der österreichische Bankensektor wird seine Altlasten nicht los. Der europaweit einzigartig hohe Anteil an Fremdwährungskrediten bleibt einer der Hauptrisiken am heimischen Finanzmarkt. Das trifft zunächst einmal vor allem die Haushalte.

Während der Krise ist deren Neuverschuldung zwar zurückgegangen. Auch haben 2010 nur wenige Österreicher zu einem neuen Kredit gegriffen. Doch wegen der Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro (24 Prozent seit Ende 2009) ist die Nettoverschuldung der Haushalte im Vorjahr um drei Prozent auf 98 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens gestiegen. Das geht aus dem am Dienstag präsentierten Finanzstabilitätsbericht der Oesterreichischen Nationalbank hervor. Knapp ein Drittel der Haushaltskredite in Österreich notieren in Franken oder Yen.

In den Statistiken und Bankbilanzen macht sich die Stärke des Franken zunächst nur bedingt bemerkbar. Die meisten Fremdwährungsdarlehen sind in Österreich mit Tilgungsträgern ausgestattet. Das heißt, während der Laufzeit des Kredits zahlen Kunden nur Zinsen ab. Mithilfe des Tilgungsträgers (zumeist fondsgebundene Lebensversicherungen) soll dann das Darlehen am Ende der Laufzeit zurückbezahlt werden. Da die Tilgungsraten sich also nicht verändern, fehlen der Notenbank Statistiken darüber, wie viele Fremdwährungsdarlehen bereits notleidend sind. Insgesamt ist die Zahl der faulen Kredite in Österreich im vergangenen Jahr leicht auf 3,2 Prozent des gesamten Kreditportfolios gestiegen.

Was die Banken noch nicht trifft, macht sich aber bei den Haushalten bemerkbar, deren Tilgungsträger unter Wasser stehen. Die Arbeiterkammer (AK) rät von "Schnellschüssen", also einer raschen Wandlung der Kredite von Franken in Euro, wegen der dann realisierten Verluste ab. Stattdessen empfiehlt Christian Prantner von der AK betroffenen Kunden eine Vereinbarung mit der Bank über ein Worst-Case-Szenario zu treffen, sprich, sich darüber einig zu werden, wie stark der Franken noch steigen muss, damit der Kredit doch gewandelt wird.

Fremdwährungskredite sind aber nicht nur in Österreich ein Thema. Neuerlich verschlechtert hat sich auch die Kreditqualität in Osteuropa, wo 6,5 Prozent aller Kredite notleidend sind. Die Zahl der faulen Kredite ist vor allem bei den Fremdwährungsdarlehen hoch. In Osteuropa, wo es keine Tilgungsträger gibt, lässt sich das auch statistisch leichter belegen. Die Töchter österreichischer Kreditinstitute haben im Osten Fremdwährungskredite in der Höhe von 80 Milliarden Euro vergeben. Das entspricht fast einem Drittel der Wirtschaftsleistung Österreichs. (szi, DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2011)

  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.