Gillard im Kreuzfeuer

21. Juni 2011, 18:02
  • Artikelbild
    foto: reuters/tsikas

    "Politischer Windbeutel": Innerhalb eines Jahres verspielte Australiens Premierministerin Julia Gillard viele Sympathien.

Nach nur einem Jahr hängt die Regierung der Premierministerin Julia Gillard an einem seidenen Faden

Sie und ihre Laborpartei haben kaum eine Chance auf Wiederwahl.

*****

Kevin Rudd: 60 Prozent, Julia Gillard: 31 Prozent - mit solch niederschmetternden Umfragedaten wurde die australische Premierministerin Julia Gillard vergangene Woche konfrontiert: Die große Mehrheit wünscht sich ihren Vorgänger als Regierungschef zurück. Ähnlich vernichtend urteilen die Wähler über ihre Laborpartei. Und das, obwohl der konservative Oppositionsführer Tony Abbott ebenfalls nicht beliebt ist. Trotzdem steigen seine Zahlen.

Inzwischen mehren sich Spekulationen, Rudd, der Labor 2007 zu einem spektakulären Sieg über die Konservativen verholfen hatte, arbeite an einem Comeback. Er dementiert aber: Er sei "sehr zufrieden" als Außenminister, meinte Rudd im Gespräch mit dem Standard.

Rudd war den Tränen nah, als er am 24. Juni letzten Jahres seinen Rücktritt bekanntgeben musste. Der Rochade vorausgegangen waren miserable Umfragewerte, nachdem er die mächtige Bergbauindustrie zu höheren Steuern verpflichten wollte. Labor fürchtete eine Wahlniederlage und ernannte Gillard zur Spitzenkandidatin. Ihre erste Handlung: Sie einigte sich mit den Rohstoffgiganten Rio Tinto, BHP Billiton und Xstrata auf eine "akzeptable" Lösung der Steuerfrage. Bei den anschließenden Wahlen schaffte Gillard es nur mithilfe eines Grünen und dreier Unabhängiger, eine Regierung zu bilden.

Zwölf Monate später scheint die gebürtige Britin und ehemalige Gewerkschaftsjuristin an ähnlichen Problemen zu scheitern wie ihr Vorgänger. Mithilfe der mehrheitlich konservativen Medien polemisiert die Energiewirtschaft aggressiv gegen die für 2012 geplante Einführung eines Systems mit dem Handel von Schadstoffemissionen. Wegen der starken Abhängigkeit von Kohle ist Australien einer der größten Pro-Kopf-Emissionäre von Klimagasen und noch dazu der größte Exporteur von Kohle weltweit.

Oppositionsrhetorik

Oppositionsführer Abbott warnt in diesem Zusammenhang populistisch vor einer Belastung für die Einkommensschwachen, doch das Gegenteil ist der Fall: Es sollen nur große Unternehmen zur Kasse gebeten werden, und das in eher bescheidenem Ausmaß. Doch der Widerstand der Rohstoff-Lobby zeigt Wirkung. Der Großteil der Bevölkerung ist inzwischen gegen eine "Klimasteuer" . 40 Prozent glauben nicht, dass Menschen zum Klimawandel beitragen. Wissenschafter, die auf die Klimagefahren hinweisen, werden regelmäßig mit Beschimpfungen und sogar mit Todesdrohungen konfrontiert.

Auch ihre Präsenz in der Öffentlichkeit trägt zu Gillards Problemen bei. Obwohl persönlich sehr umgänglich, wirkt sie bei offiziellen Anlässen trocken und unemotional. Sie hat auch wenig Interesse an Außenpolitik - das pure Gegenteil zum weltgewandten ehemaligen Diplomaten Rudd.

Vor allem aber scheint Gillard zum "Windbeutel" geworden zu sein, wie eine Kommentatorin jüngst meinte. Sie orientiert ihre Politik offensichtlich nach Meinungsumfragen, ändert ihre Position häufig und betreibt oft nur Ankündigungspolitik. Und die einst progressiv denkende Anwältin und Menschenrechtlerin nimmt heute gegenüber Bootsflüchtlingen und Asylsuchenden eine harte Linie ein, die der des erzkonservativen früheren Premiers John Howard um nichts nachsteht. (Urs Wälterlin aus Canberra/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
Warentester
00
22.6.2011, 15:51

Weg mit ihr. Nach ihren feigen Putsch hat sie jetzt ihre Inkompetenz ausreichend bewiesen. Rudd hat es wenigstens geschafft eine Wahl zu gewinnen. Seine Mehrheit hat dann Gilliard ohne Not bei vorgezogenen Neuwahlen vergeigt.

Bitte Bitte
00
no worries

ich habe Australien eh schon von der Landkarte gestrichen.

Das einzige Land übrigends, wo ich nach etwas mehr als zwei Monaten vorzeitig abgereist bin. Mögen sich anderer dort wohl fühlen.

frederic heine
00
23.6.2011, 09:56
warentester....

talking about "Inkompetenz" I hate to have my wares tested by you !

Warentester
00
24.6.2011, 02:11

Hmm, Argumente haben Sie wohl keine? Ich habe schließlich dieses Urteil nicht einfach in den Raum gestellt, wie sie Ihres, sondern es durchaus argumentiert. Und unter Gilliards Führung prosperiert Labour ja nicht unbedingt.
Allerdings ist es interessant, das man anscheinend im Standardforum anscheinend Gilliard-Groupies gibt. Sollten Sie Gegenargumente haben, wäre ich sehr interessiert sie zu hören. Vorzugsweise auf Deutsch, wir sind hier schließlich in Österreich.

flotter denker
22
22.6.2011, 10:57
Ist das ein Labsal auf meiner verwundeten Seele

Die Mehrheit der Australier hat sie offensichtlich noch Alle und weiss, wo ihr Brot gebuttert ist. Ich wuerd mir so wuenschen, dass in der EU auch ein bissl mehr Vernunft einkehrt und wir den CO2 Einsparungs-Wirtschaftsharakiri beenden.

SterzinOz
11
22.6.2011, 00:35
Kein Wunder, dass die Ruddisten das Jubiläum des innerparteilichen Putsches gegen ihn

dazu benutzen, jetzt ihrerseits an Julia Gillards Stuhl zu sägen. Die Tatsachen bleiben dennoch bestehen:
Labor hat seinen mojo nach einem fulminanten Start und der Aufbruchsstimmung von "Kevin 07" schon unter Rudd verloren:
1) Linke und grün-Sympathisanten wurden durch die Fortsetzung inhumaner Howard-Regierungsinitiativen (wie jahrelange Zwangseinweisung in Aufhaltelager für alle Asylbewerber einschließlich von Kindern und grenzrassistische "Intervention" gegen Aborigines im Norden Australiens) ebenso vor den Kopf gestoßen wie dadurch, dass Labor anstelle der politischen Argumentation gegen die konservativen Lib/Nats sich auf die Grünen als Hauptfeinde einschoss.
[Fortsetzung]

SterzinOz
02
22.6.2011, 00:47
[Fortsetzung]

2) Hinter Rudds Sonnyboy-Maske wurde immer deutlicher der zum Delegieren unfähige Detailfetischist sichtbar, der Mitarbeiter reihenweise zur Kündigung trieb und Stewardessen im Regierungsflugzeug anschnauzte, wenn ihm was nicht passte.
3) Trotz der damaligen Mehrheit im Parlament knickte Rudd nach dem massiven Medienbombardement der Bergbauindustrie ein und zog den Entwurf einer Sondersteuer für obszöne Gewinne aus der Mineralförderung zurück. Als Folge davon verzerrt nun die 3. Welt-Wirtschaft des Mineralexports das ökonomische Gesamtbild so, dass die Zentralbank durch Zinserhöhungen einer Inflationsgefahr vorbeugen muss und demzufolge die Hypothekenzinsen für die Mittel- und Unterschicht immer schwerer zu bezahlen sind.

inness robins
01
21.6.2011, 22:42
Queen Elizabeth II

vor 10Jahren hat sich Australien zur Monarchie bekannt-jetzt schweigt das Staatsoberhaupt!
Und überhaupt!

onlooker
00
22.6.2011, 00:24
die royalen haben kein mitsprache recht,

sie darf auch üblicherweise nicht ins parlament,

inness robins
01
22.6.2011, 07:30
Queen Gillard

üblicherweise ist die Queen am anderen Ende der Welt.
In jeden AussiePass ist sie namentlich erwähnt, im britischen sucht man sie vergebens. Ihr Geburtstag ist in DownUnder Feiertag, in Britain nicht.
Also gebt wenigstens der Premierministerin Gillard noch eine Chance!

Kurt Bayer
16
21.6.2011, 19:24
Sprache, meine Herren!

vielleicht wäre es auch im Standard möglich, Emittenten statt Emissionäre (sic!!) zu schreiben?

Bastardl
73
21.6.2011, 18:41
ne konservative Medienübermacht kann die Hölle sein

danke Standard fürs Existieren!

relatio subsistens
14
21.6.2011, 18:19

Was ist eigentlich eine Laborpartei?

Und sonst: Die Frau hat's vergeigt.

onlooker
00
22.6.2011, 00:17
könnten sie englisch würden sie es wissen,

und keine abstrusen fragen stellen

Joseph EU
01
23.6.2011, 10:30
Also wenn dann wär es die LabOUr-party aber ...

nicht die Laborpartei.......Englisch sprak - schwere Sprak ??? und sogar im Amerikanischen (was aber in down under eh keine Rolle spielt) würde man es so schreiben, weil es etwas genuin Britisches ist - comprende ???? Poinlich, poinlich - auch die Fehlerredaktion im Standard...tsts Laborpartei (vertritt die Rechte der australischen Laborratten (Rattus laboriensis austrialensis)

onlooker
00
23.6.2011, 11:01
ich war zu voreilig, die australier schreiben es labor party, no further comment

onlooker
00
23.6.2011, 10:57
nobody is perfekt, schönen tag noch

relatio subsistens
02
22.6.2011, 08:45

bildungsfernes Milieu?

onlooker
00
23.6.2011, 11:03
zu ihrer info, in australien heisst es labor und nicht labour party

onlooker
00
23.6.2011, 10:56
es war eine überseefehler, sorry

steve low
00
21.6.2011, 20:34
What's wrong??

vheissu
25
21.6.2011, 19:47

Eine Partei, die an etwas laboriert.

onlooker
60
22.6.2011, 00:19
ihre englisch übersetzung zeigt wie hoch ihr IQ sein muss

Lichtfreak
11
22.6.2011, 08:54

Humorlos und das laut und bestimmt!

onlooker
40
22.6.2011, 09:11
was an dem posting von vheissu humorvoll sein soll,

müssten sie mir einmal verdeutschen

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.