Helga Rabl-Stadler verteidigt die Fonds-Struktur
Salzburg - Wieso fielen die Malversationen von Klaus K., dem im Jänner 2010 gefeuerten Technikdirektor der Salzburger Festspiele, jahrelang niemandem auf? Diese Frage war für den Rechnungshof Grund genug, das Festival zu prüfen. In seinem Rohbericht, der den Salzburger Nachrichten zugespielt wurde, kritisiert er, dass die interne Revision ziemlich mangelhaft war: Es hätte weder ein gesamtbetriebliches Controllingsystem mit einer gemeinsamen Datenbank noch eine Dokumentation über die Aufbau- und Ablauforganisation des Controllings gegeben.
Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Festspiele, bezeichnete den Vorwurf allerdings als "böswillig". Ihrer Meinung nach hätten durch ein besseres Controlling zwar kleinere Fehler verhindert werden können, aber nicht kriminelle Machenschaften. Verbesserungsmaßnahmen wurden bereits ergriffen, weitere sollen folgen.
Im Strafverfahren um ungereimte Geldflüsse bei den Osterfestspielen und den Verstrickungen mit den Sommerfestspielen wurde das Ermittlungsverfahren gegen sechs von insgesamt 14 Beschuldigte eingestellt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Salzburg, am Dienstag mit. Eingestellt wurden die Ermittlungen u. a. gegen den ehemaligen Zwei-Prozent-Eigentümer der Osterfestspiele, die ehemalige Buchhalterin und den vor einem halben Jahr ausgeschiedenen kaufmännischen Festspieldirektor Gerbert Schwaighofer.
Zurück zum Rechnungshof: Massive Kritik übt er an der seiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäßen Konstruktion in Form eines Fonds. Diese, 1950 in einem Gesetz festgeschrieben, verstoße gegen die Grundregeln der guten Unternehmensführung; vor allem fehle ein "unabhängiges, von der Geschäftsführung getrennt eingerichtetes Aufsichtsorgan". Dazu Rab-Stadler: "Der RH ist der Meinung, dass die Festspiele wie ein börsenotiertes Unternehmen geführt werden sollen. Ich bin aber der Meinung, dass man sie sehr wohl nach kameralistischen Grundsätzen führen kann."
Als Beweis dienen ihr die wirtschaftlichen Daten. Laut RH stiegen der Eigendeckungsgrad zwischen 2004/05 und 2009/10 von 70,8 auf 74,6 Prozent und die Sponsoringeinnahmen um satte 65,9 Prozent. (trenk, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23. 6. 2011)