Steuer- und Abgabentarif

ÖGB fürchtet um erkämpfte Leistungen

Günther Oswald, Andreas Schnauder, 21. Juni 2011, 17:34
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    foto: matthias cremer

    Finanzministerin Maria Fekter will eine gleichmäßig verlaufende Steuer- und Abgabenkurve.

Finanzministerin Fekter stößt mit ihrem Wunsch nach einem einheitlichen Steuer- und Abgabentarif auf einige Bedenken

Wien - Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl ist hellauf begeistert von den Plänen von Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) nach einem Einheitstarif aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Im Standard-Gespräch spricht er von einem "Jahrhundert-Projekt" mit Bürokratieeinsparungen von "mehreren 100 Millionen Euro". Der integrierte Tarif sei eine "dringende Notwendigkeit", auch wenn es viele Details zu überwinden gebe.

Wie berichtet wird im Finanzressort daran gearbeitet, Steuern und Sozialbeiträge zusammenzufassen. Die Begünstigung des 13. und 14. Gehalts soll gleichmäßig übers Jahr verteilt werden, die derzeit verschiedenen Bemessungsgrundlagen könnten vereinheitlicht werden. Die Idee dahinter: Die Bürger hätten einen besseren Überblick über die tatsächliche Steuer- und Abgabenlast. Die Grenz-Gesamtbelastung, die derzeit im oberen Einkommensbereich niedriger ist als bei kleineren Einkommen, würde vereinheitlicht.

Nicht ganz so euphorisch zeigt man sich im ÖGB und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Das Ziel, Schwächen im Steuersystem zu beseitigen, sei zwar positiv, sagt der Leitende Sekretär im ÖGB, Bernhard Achitz. Ob der integrierte Tarif der beste Weg sei, müsse aber erst noch diskutiert werden.

Sonderzahlungen umstritten

Achitz sieht auch Nachteile beim Fekter-Vorschlag. So könne man bei einem einheitlichen Tarif nur schwer nachvollziehen, was Versicherungsleistungen sind. Für die Arbeitnehmer müsse aber klar sein, wofür sie Beiträge leisten. Auch die Verteilung des 13. und 14. übers Jahr sieht er kritisch, "weil es etwas Positives ist, zwei mal im Jahr mehr Geld zu bekommen". Das politische Motiv dahinter: "So sieht man, was die Gewerkschaft erkämpft hat."

Hauptverbandschef Hans Jörg Schelling weist auf andere mögliche Probleme hin. So gebe es 2,3 Millionen Menschen, die keine Steuern, aber sehr wohl Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Insgesamt dürfe es jedenfalls nicht dazu kommen, dass die Krankenkassen weniger Mittel zur Verfügung haben. Erst wenn solche Fragen geklärt sind, will er über einen integrierten Tarif reden.

In der SPÖ gab man sich ebenfalls abwartend. "Von mir hören Sie weder ein Ja, noch ein erschrockenes Nein", sagt Staatssekretär Andreas Schieder, der auf die Steuerstrukturgruppe verweist.

Leitl versucht Bedenken im Hauptverband entgegenzutreten. Im Hintergrund würden beide Abgaben weiter bestehen. Das Aufkommen werde dann zwischen Bund und Sozialversicherung aufgeteilt. Wobei sich die gesamte Einhebung auch der Hauptverband vorstellen kann. Man könne dann die Steuern an die Finanz weiter leiten, meint Schelling. (Günther Oswald, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2011)

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Volleystop
00
Das erste Mal,

dass ich frau Fekter 100%-ig zustimme. Als Finanzministerin ist sie für mich eine unglaublich und unerwartet positive Überraschung!

Gernot Ziegler
 
01
30.6.2011, 07:58

"So sieht man, was die Gewerkschaft erkämpft hat."

Was isn das für eine Argumentation? Nur wegen einem politischen Symbol so viel Verwaltungsaufwand?

Einfacher ist immer besser.
(und ich bin nicht für eine Steuersenkung)

Der dicke Michl
02
22.6.2011, 16:15
Keiner hat Interesse...

...an einem transparenten Steuersystem außer der Steuerzahler selbst. Und selbst der bevorzugt es offenbar, lieber an einen Steuersatz zu glauben als ihn real und einfach nachrechnen zu können. Anders läßt sich die Apathie der Bürger in dieser Sache hierzulande nicht erklären.

Denn der Rest ist klar: Die Arbeitgeber wollen darstellen, dass sie möglichst viel zahlen, die Gewerkschafter wollen darstellen dass sie möglichst viel rausgeschunden haben, die Regierung will ihre Steuer- und Abgabenerhöhungen möglichst gut hinter der kalten Progression und anderen Dingen verstecken und die Steuerberater wollen auch noch was verdienen.

Bei so viel Lobbys kann es nur damit enden, dass nur noch Spezialisten das Steuersystem durchblicken.

hans friedrich 2
00
22.6.2011, 15:52
vernünftig wäre ...

... dass sich der dienstnehmer aussuchen kann, ob er sein gehalt in 11, 12, 13 oder 14 raten haben will. es ist egal, ob ich 12 x 1400,- oder 14 x 1200,- bekomme.

statt der steuer- und abgaben-begünstigung für das 13. und 14. soll ein belastungsfreier sockelbetrag für alle eingeführt werden.

die berechnung der lohnnebenkosten soll aus dem bereich der arbeitgeber in ein sozial- und steuer-konto übertragen werden. damit ist das beschäftigen von menschen so einfach wie im internet ein buch kaufen.

dieses sozial- und steuerkonto macht automatisch den jahressteuerausgleich und kann auch als transparenzkonto genutzt werden.

die konzepte dazu finden sie auf www.reformenohnetabu.at

Mauswin1
01
22.6.2011, 14:16
Im Grunde (mir graut vor dem Gedanken),

sollte der ÖGB und die AK abgeschafft/verboten werden, weil es kein Mensch in unserem Lande versteht, dass die beiden Vereine (mit all ihren Fehlern) die einzigen sind, die wirklich nach dem Rechten sehen.

Ich wäre schon gespannt auf Meldungen der Menschen, wenn es keine KV / Knebelverträge für die Wirtschaft gäbe. Alles liberal frei - auch die Dienstverhältnisse / Dienstverträge / Arbeitszeiten usw. Scheiss auf 5 Wochen Urlaub - wo gibts denn das, dass für nicht erbrachte Arbeit Lohn bezahlt werden muss,....

Es muss alles zerstört werden, damit wieder neues erreicht werden kann.

Die Wahrheit ist, das wir Österreicher wie immer Sonderlinge sind, wo für nicht 11 Monate Arbeit 14x bezahlt wird.

Poldi Fesch
01
22.6.2011, 19:13
???

mag ja sein, aber wie kommens von diesem Artikel zu diesen Problemen

Der dicke Michl
00
22.6.2011, 16:09

Mir taugen Ansagen wie "...wo gibts denn das, dass für nicht erbrachte Arbeit Lohn bezahlt werden muss...". Sogar die Gewerkschaftler glauben, dass man das geschenkt kriegt. Dass man das im Rest des Jahres erarbeiten muss und dass das auch als Gehaltsbestandteil gesehen werden kann (Unternehmer sehen es so in der Gesamtrechnung), ist ihnen fremd. So wie den Leuten halt auch. Die meisten glauben sie kriegen was geschenkt. So ist das in dem Land, in dem Leute mit fehlenden Mathematikkenntnissen angeben können und dafür bewundert werden...

Bluestone
00
22.6.2011, 14:54

1. Von einer Abschaffung von AK/Gewerkschaft steht da nichts.

2. Sonderlinge: die Jahresverdienstsumme und die Steuerlast ist wichtig und nicht, wie oft ausgezahlt wird.

Poldi Fesch
01
22.6.2011, 19:14
ad 2

dies ist in diesem Lande ein Minderheitenwissen

der_gote
00
22.6.2011, 13:45
Die Steuerlast ist für den Bürger auch so nicht zu übersehen.

Das einzige was wahrscheinlich passieren wird, ist das man den Steuervorteil des 13. und 14. abschafft. D.h. mehr Geld im Börsel des Finanzamtes, weniger in den der Arbeitnehmer.

Transparenz ist wohl ein Scherz als Argument warum der Steuervorteil des 13. ud 14 gecancelt wird.

Schätze das künftige Netto Jahresgehalt wird für den Großteil der Arbeitnehmer nach der transparenten Gestaltung schmaler werden ....

lichaot
00
22.6.2011, 14:49
Die Steuerlast der Bürger wird steigen

Oder die Ausgaben des Staates werden heruntergefahren, was aber eher eine weitere Umverteilung von "nach "oben" ist.
Es geht also nicht um die Frage, ob in Summe mehr Steuern benötigt werden (eindeutig ja), sondern wie sie verteilt werden. Und da bieten sich die Sonderzahlungen als sozial verträglich an. Wenn die ÖVP die Reichen schonen will, wird sie automatisch den Mittelstand stärker belasten (müssen).

Poldi Fesch
00
23.6.2011, 11:49
aber eher eine weitere Umverteilung

interessant, welcher Religionen man so anhaengig sein kann

Der Biber
22
22.6.2011, 13:00

"weil es etwas Positives ist, zwei mal im Jahr mehr Geld zu bekommen"

S.g. Herr Achlitz, diese Bevormundung der österreichischen AN durch das 13/14. Gehalt (wo doch das Jahr nur 12 Monate hat???) ist ein unsäglicher Unsinn.
Noch schöner wäre es 12mal im Jahr mehr Geld zu bekommen.
Aber offensichtlich ist der Durchschnitts Ö nach Meinung des ÖGB zu dumm um selber Geld für den Urlaub zur Zeite zu legen.

Mauswin1
20
22.6.2011, 14:28
Sie haben nicht den Funken einer Ahnung,

warum es überhaupt 13tes und 14tes gibt! Oder?
Als Prämie? Als Zuckerl? oder war es nicht doch einmal in vergangener Zeit, ein zinsenloser Kredit an die Unternehmer, damit eben der Unternehmer mehr Kapital über einen kurzen Zeitraum zur Verfügung hat.

Die Beamten bekommen sowieso, jedes 3te Monat einen um die Hälfte erhöhten Sold.

Aber sie sind sicher Keiner der auf irgendetwas, was ein Anderer mehr als sie hat, neidig, sondern vergönnen es ihm aus vollem Herzen.

NaWerSagtsDenn
00
22.6.2011, 13:37
Lasse mich mit 6% Steuer gerne "bevormunden"

auch für die Gehälter 1-12 (nicht nur 13/14) - statt der durchschnittlich 20 - 36%.

Poldi Fesch
02
22.6.2011, 13:51
was bei dir auch

notwendig erscheint, du bekommst dein Gehalt in 14 Raten, davon versteuerst x%, wurscht in welchen Raten

NaWerSagtsDenn
20
22.6.2011, 15:02
Vergeblich

Wenn Sie sich scheinbar nicht mit der steuerlichen Behandlung des Jahressechstels auskennen - dann lass´mas.

parmigiano
00
22.6.2011, 18:05

wenn das stimmt, was im artikel steht ("Begünstigung des 13. und 14. Gehalts soll gleichmäßig übers Jahr verteilt werden, ..."), i.e. dass sich an der gesamtsteuerlast nichts ändern soll (was man glauben kann oder nicht ;-)), hat der vorposter völlig recht: völlig wurscht, ob man jetzt 14 gehälter bekommt oder nicht. 12 gehälter wären sogar für den AN besser. aber ein 13./14. gehalt kann man halt dummen als erfolg verkaufen, auch wenn sie - weil sie praktisch dem AG nur einen kredit gewähren - gar nichts davon haben.

Poldi Fesch
01
22.6.2011, 19:17
da gibt es aber viele,

die das nicht schnallen

parmigiano
01
23.6.2011, 09:57

ich kann mich noch gut an den etwas seltsamen ehemaligen gak-trainer adi pinter erinnern, der einmal irgendetwas ala 90% der menschen sind trotteln gesagt hat. so seltsam dieser verwirrte herr war, hier dürfte er nicht unbedingt unrecht gehabt haben.

Poldi Fesch
00
23.6.2011, 11:20
adi pinter

jessas na, sie haben ein Gedaechtnis, aber, ja, hier haette er recht

Poldi Fesch
03
22.6.2011, 15:10
voellig irrelevant

und. sohin die Kritik am system gerechtfertig. Ich bekomm 100 bto und xy netto. Die Differenz sind abgaben. Das ist dann schon recht vertrottelt da mit einem Sechstel hier u. einem Vierterl dort herumzuspielen.
"Die Begünstigung des 13. und 14. Gehalts soll gleichmäßig übers Jahr verteilt werden, die derzeit verschiedenen Bemes...."
Bedeutet nichts anderes, als dasz der Nettojahresgehalt gleichbleit, nur die Raten eben "gleicher" werden. Was anderes ist dem Artikel beim besten Willen nicht zu entnehmen

Sonata
02
22.6.2011, 12:26
Die Aufteilung der Sonderzahlungen auf's Jahr ist ein zugegebenermaßen guter Trick...

Bei den Gehaltsverhandlungen für einen neuen Job wären die dann automatisch weg weil ja nicht über die Sonderzahlungen geredet wird sondern nur über das Monatsgehalt. Daß sich Leitl als Unternehmervertreter darüber freut ist daher ganz klar es handelt sich hierbei aber um nichts anderes als um Lohn- und Gehaltsdumping.

Waldorf
 
00
22.6.2011, 15:02

So siehts aus.

Majestix
 
10
22.6.2011, 12:55
Selber Schuld, wenn Sie bei Gehaltsverhandlungen

über das Monatsgehalt reden. Entscheidend ist das Gesamtjahreseinkommen. Wenn Sie so verhandeln, ist es vollkommen unerheblich in wie vielen Teilen Sie Ihr Gehalt ausbezahlt bekommen.

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