"Aus dem Studium allein entstehen keine Krisen“

15. Juli 2011, 14:31
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    foto: kaut/derstandard.at

    Gottfried Großbointner erklärt, warum "Burnout" nicht gleich Burnout ist.

Gottfried Großbointner, Psychologe der Studienberatung, über die Entstehung von Krisen und die Modediagnose "Burnout"

Über 4000 Studenten wandten sich im vergangenen Jahr an die psychologische Studienberatung in Wien - Tendenz steigend. Wann einem das Studium über den Kopf wachsen kann und wie psychologische Beratung helfen kann, erklärt Gottfried Großboitner im Interview mit derStandard.at.

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derStandard.at: Herr Großbointner, welche Studenten nehmen ihr Betreuungsangebot in Anspruch?

Großbointner: Auffällig ist, dass selten Studenten mit größeren Problemen zu uns kommen, in deren Lebensgeschichte nicht einschneidende Erlebnisse oder Erfahrungen zu finden wären.

derStandard.at: Also zum Beispiel wie im Fall von Christine S. durch ein schwieriges Elternhaus.

Großbointner: Richtig. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen studienspezifischen und altersspezifischen Problemen. Angefangen von der Studienwahl, Studienwechsel und Konzentrationsschwächen, bis eben zu depressiven Störungen. Wir können uns aber bei beidem einbringen und versuchen zu helfen.

derStandard.at: Wieso kommt es durch das Studium bei vielen Menschen zu psychischen Problemen?

Großbointner: Aus dem Studium allein entstehen keine Krisen. Es sind Voraussetzungen, die jeder mitbringt und die einem unter Umständen auch das Studium über den Kopf wachsen lassen.

derStandard.at: Wie dürfen wir das deuten?

Großbointner: Wenn sich jemand die Latte immer zu hoch legt oder von Anderen zu hoch legen lässt, dann wird er sein Studium automatisch in einer Art und Weise betreiben, die wahrscheinlich auf Dauer nicht auszuhalten ist.

derStandard.at: Wie präsent ist das Thema Burnout bei den Studierenden?

Großbointner: Das Wort Burnout fällt sehr schnell, oftmals zu schnell. Vieles wird so bezeichnet. Überbelastung ist definitiv ein Thema. Auch die daraus resultierenden psychosomatischen Beschwerden und depressiven Reaktionen. Was wirklich als Burnout zu klassifizieren ist, muss man sich ganz genau und im Einzelfall ansehen. Leider hat sich daraus heutzutage eine Art Modediagnose entwickelt.

derStandard.at: Nach einer Studie sind allerdings in etwa 15 Prozent der Studenten davon betroffen.

Großbointner: 15 Prozent der Studenten sind sicher belastet oder gar überlastet. Ob das aber alles klassische Burnouts sind, bezweifle ich. (Oliver Kaut, Maximilian Kronberger, Christoph Wagner,derStandard.at, 15.7.2011)

GOTTFRIED GROSSBOINTNER ist seit 1990 klinischer Psychologe und Psychotherapeut in der psychologischen Studienberatungsstelle in Wien. Sein Schwerpunkt liegt in der Begleitung bei Abschlussarbeiten.

Kondratjew -Zyklus
 
00
17.7.2011, 03:53
Ich habe gemeinsam mit Christian Pronay und anderen 1977 in einem ÖH-Sonderprojekt ein "Studienkriseninterventionsprogramm" namens "Drop-In" entwickelt, an der Infmatik der TU Wien ausprobiert und darüber ein Buch veröffentlicht.

Sonderprojekt 47 der Österreichischen Hochschülerschaft "Drop-In" : Sonderprojektsbericht von Anton Gsandtner/Christian Pronay (70 Seiten, Hardcover A4). Kopien über die ÖH erhältlich (hoffentlich nicht verschollen).

Salem Saberhagen
03
16.7.2011, 13:10
"Aus dem Studium allein entstehen keine Krisen“

Diesem Satz stimme ich ganz und gar nicht zu.
An ö. Unis fanden und finden KO Prüfungen auch ganz am Ende des Studiums statt.
Durch das Kurssystem kann das bedeuten, dass der Student ein Jahr auf den nächsten warten muss.
Die psychische Belastung einer solchen Situation - die Leistung von 1,5h entscheidet über die Zukunft (Kurssystem, dass ich nicht lache. Nur die Endklausur zählt wirklich) - finde ich für meine Person enorm (und ich leide nicht unter übermäßiger Prüfungsangst)
LG,
Salem

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